Klar dass Drahtseil's Argumente weitgehend richtig sind.
Mein Standpunkt war eher eine subjektive Einschätzung. Statistisch gesehen ist der Anteil der 2S am gesamten Seilbahnananlagenpark recht Gering, deshalb vermutete ich auch, dass schwerwiegendere Dynamikprobleme bereits rein aufgrund der relativ seltenen Anlagen kaum auftauchten. Würde man nun allerdings dutzende neue 2S erstellen, würde es mich nicht erstaunen, dass eben doch bei gewissen Anlagen Fahrkomfortprobleme auftauchen würden (bis dann die eigentliche Sicherheit tangiert wird, bleibt allerdings noch viel Reserve, Problem ist jedoch, dass gewisse Schwingungseffekte bei der Auslegung simulationstechnisch nicht genügend genau modelisiert werden können und dann erst im Betrieb festgestellt werden).
Meine Befürchtung geht eher in die Richtung, dass man dann in gewissen Fällen solche Pumpeffekte nicht ausreichend gut in Griff kriegt. Bei den bereits weit verbreiteten Seilbahntypen kann man sich hingegen auf genügend Praxiserfahrung beruhen und bei Doppeltragseilanlagen kann man mittels Anordnung der Seilreiter die Zugseildynamik etwas beeinflussen.
Möglicherweise überschätze ich allerdings dieses "Komfortrisiko", durch entsprechendes Antriebsmanagement und ggf. leicht variable Fahrbetriebsmittelabstände kann man in gewissen Fällen sicher was optimieren (übliche Steuersungssysteme sind jedoch für konstante FBM-Abstände programmiert).
Wichtiger Unterschied zwischen 2S und 3S ist zudem noch die bei 2S Bahnen vorhandene "Hebelwirkung" auf das Gehänge.
Bei einer 3S erfolgt die Krafteinleitung vom Zugseil ähnlich wie beim Laufwerk einer Doppeltragseilpendelbahn, also zentriert und, insbes., ohne Drehmomentaufbau bzgl. Gehängedrehachse (bzw. Tragrohr bei Pendelbahnen).
Dass Querpendeldämpfung bei einer 2S kein Thema ist, ist einleuchtend, einen Längspendeldämpfer hätte ich dennoch vorgesehen (gefühlsmässig ist für mich die mit einem einfachen Reibsystem wie evtl. in der dargestellten YouTube 3D Animation ungenügend, sowas funktioniert zwar, benötigt für eine 2S jedoch etwas mehr Platz, sämtliche grössere Pendelbahnfahrzeuge sind mit einem Längspendeldämpfungsystem ausgestattet, vom einfachen Reibbelag bis relativ aufwendige Hydraulik; Querpendeldämpfung kann bei Doppeltragseilanlagen ebenfalls vorhanden sein).
Kleine FBM wie Sessel und Gondeln könnnen als Längspendeldämper ein einfaches fest vorgespanntes Reibbelagsystem aufweisen.
Betrachtet man die Gesamtkosten einer Anlage, frage ich mich, ob der Preisunterschied zwischen einer 10-personen 2S oder 10-personen 3S letztendlich so gross ist. Wichtig wäre lediglich, dass man eine entsprechende 3S wirklich optimal entwickelt und nicht z.T. überdimensionierte 3S Subsysteme der >30-personen Ausführungen 1:1 übernimmt.
Mal allgemein betrachtet liegt onehin ein gewisses Sparpotential im Bereiche der Optimierung sowohl in der Fabrikation wie auch für den Bau (insbes. auch Logistik).
Über Dopellförderseilanlagen à la Funitel & Cie habe ich mich mehrmals sehr deutlich geäussert, da bin konsequent dagegen, und zwar in erster Linie aufgrund von sicherheitstechnischen Überlegunngen. Bin nach wie vor der Meinung, dass die probabilistische Risikoanalyse für gewisse Zwischenfälle bei Anlagen mit zwei getrennten Förderseilschlaufen ohne gemeinsame mehrrillige Antriebsscheiben zu laxistisch durchgeführt wurde. Dass bislang keine katastrophale Desynchronisationsunfälle geschahen ist m.E. lediglich auf die geringe Anzahl solcher Anlagen zurückzuführen (Förderseildesychronisation hat bereits zum Absturz von unbesetzten Kabinen geführt, ob dies damals dem STRMTG gemeldet wurde, weiss ich nicht).
Zudem sind Doppelförderseilanlagen energetisch betrachtet höchst blödsinnig und auch technisch unnötig komplex (> 1000 Seilrollen warten ist ein Genuss!) ).
Edit:
Zusätzlich noch als AW an Drahtseil:
IMO stellt die 3S Zugseilführung mittels Seilreiter im Vergleich zum [seilreiterlosen] 2S System einen absolut massgebenden Vorteil dar. Vergleicht man die Zugseildynamik einer klassischen Doppeltragseil-Grosspendelbahn klassischer CH-Bauart mit der einer Bahn wie die 2. Sektion der Aiguille du Midi ist der Unterschied krass (dort wird übrigens des öfteren das Zugseil ersetzt).
Funifor-ähnliche Seitenwindstabilität kann man sicher mit klassisch ausgeführten Pendelbahnen sowie 3S erreichen sofern man die Spurweite des Tragseilpaars erhöht (mit stets auf Spurachse, d.h. "mittig" geführtem Zugseil). Die (allerdings als doppelte einspurige ausgeführte) Poma Pendelbahn in New York ist so ein Beispiel.
Für Industrieanwendungen wurden bereits frühzeitig Transportseilbahnen mit hoher Tragseilspurweite gebaut.
Allerdings kann man logischerweise die Tragseilspur bei einer Kleinkabinen-3S nur entsprechend beschränkt erhöhen, da anonsten das Laufwerk irgendwann dann länger als die Kabine gestaltet werden muss.