Aschaffenburg
Der Transrapid ist tot, es lebe der "Magnetrans". Nachdem Vertreter von Bund und Land Ende vergangener Woche die Magnetschwebebahn bei München haben sterben lassen, hat Oberbürgermeister Klaus Herzog sofort gehandelt. Beim gestrigen Start des Bahnhofsneubaus lüftete er das Geheimnis: Aschaffenburg bewirbt sich um das milliardenschwere Modellprojekt.
"Der Untermain ist nicht länger das Schwanzhaar des bayerischen Löwen", rief Herzog unter dem Applaus der Gäste. "Eine Magnetschwebebahn vom Aschaffenburger Hauptbahnhof zum Flughafen Frankfurt befördert die Region an die Spitze des Barthaars der globalen Innovation." Herzog berief sich auf die Stimmen zahlreicher Main-Echo-Leser, die sich gegen eine Preisgabe des bayerischen Prestigeprojekts ausgesprochen hatten (wir berichteten).
"Magnetrans" soll die Magnetschwebebahn heißen, mit der die Distanz von 47 Bahnkilometern zwischen Aschaffenburg und dem Flughafen in nur 12,7 Minuten überbrückt werden soll - mit Spitzengeschwindigkeiten von 385 Stundenkilometern. Das entspricht den Münchner Plänen (37 Kilometer, 10 Minuten).
Den Namen "Transrapid" will Herzog nicht übernehmen. Er sei durch das politische Gezerre negativ besetzt. "Wir wollen ein positives Signal setzen", so Herzog. "Der Magnetrans soll zum Magneten für den Wirtschaftsstandort Aschaffenburg und Rhein-Main werden, zur Lokomotive unserer dynamischen Region." Die Magnetschwebebahn passe zum Kompetenzzentrum Logistik im Hafen.
Finanzierung auf vier Säulen
Dass sich die Kosten wie in München verdoppeln können, glaubt Finanzreferent Dr. Meinhard Gruber nicht. Nach seinem Finanzierungsmodell tragen der Bund, der Freistaat Bayern und das Land Hessen je ein Viertel der Kosten. Das restliche Viertel, 463 Millionen Euro, hätte die Wirtschaftsregion Rhein-Main aufzubringen. "Die Voraussetzungen sind gut", erklärte Gruber. "Es gibt eine Reihe von Kooperationen zur Wirtschaftsförderung im Rhein-Main-Gebiet." Zudem sei über die Route der Industriekultur mit Zuschüssen zu rechnen.
Regionalmanager Markus Seibel (Großwallstadt) unterstützt die Bewerbung. Es bedeute einen Standortvorteil für die Region, wenn sie in weniger als einer Viertelstunde von Frankfurt aus erreichbar sei und Firmenmanager nicht in überfüllten Zügen durch das Maintal bummeln müssten. Diese Sicht vertrat gestern auch der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Armin Eisert.
Das politische Echo war geteilt. Die CSU stehe hinter dem Vorschlag Herzogs, erklärte der Fraktionsvize Dr. Winfried Bausback. Wenn Aschaffenburg den Zuschlag bekomme, betrachte er das als seine persönliche Fahrkarte in den bayerischen Landtag. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Erich Henke forderte ein Gesamtkonzept zur Einbindung des Magnetrans ins globale Verkehrsnetz.
Ablehnung signalisierte Johannes Büttner: Bevor die A-Bahn ins Berufsschulzentrum Leider gebaut sei, werde die Kommunale Initiative keinem neuen Schienenprojekt zustimmen. Ablehnend äußerte sich auch Thomas Mütze (Grüne): Der Transrapid sei im regionalen ÖPNV, was die Ringstraße im städtischen Verkehrsnetz darstelle: eine Sackgasse.
Zustimmung kam vom Einzelhandelsverband: "Von London oder Paris zum Shopping nach Aschaffenburg und zurück in weniger als drei Stunden!", freute sich der Vorsitzende Franz Schädlich. Damit sei klar, wie die Stadt den Schlossplatz verwenden müsse, den ihr die Schlösserverwaltung zum Kauf angeboten hat (wir berichteten am Samstag): "Etwas anderes als ein Parkplatz kommt bei der steigenden Zahl an Pendlern gar nicht in Frage!"
Stadtentwicklungsreferent Bernd Keßler hat Gespräche mit der Firma Hörnig aufgenommen, der die Flächen auf der Bahnhof-Nordseite gehören. Dort soll das Magnetrans-Terminal entstehen. Genau deshalb hat die Deutsche Bahn AG Widerstand gegen das Projekt angekündigt. Angesichts der Investitionen in den Bahnhofsneubau dürfe auf Dämmer Seite keine Konkurrenz entstehen.
Herzog sammelt Unterschriften
Der Oberbürgermeister setzt auf die Unterstützung der Bevölkerung. Durch ihre Unterschrift sollen die Bürger den Entscheidungsträgern demonstrieren, dass sie hinter dem Projekt stehen. "Nur wenn viele Menschen die Bewerbung unterschreiben, hat sie Aussicht auf Erfolg", forderte Herzog die Bürger auf, sich am heutigen Dienstag zwischen 10.30 und 11 Uhr in seinem Büro in die Unterschriftenlisten einzutragen.
Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, denkt Herzog auch über einen Zweckverband mit den Umlandgemeinden nach. Kleinostheim hat aber angekündigt, sich nicht daran zu beteiligen. Begründung: Der Magnetrans hält nicht an der Rückersbacher Schlucht. Peter Freudenberger
INFO: Unterschriftenaktion für die Magnetschwebebahn heute, 10.30 bis 11 Uhr, Rathaus, Büro des Oberbürgermeisters.
Quelle: Main-Echo, 1. April