Ich weiß natürlich nicht, wie die genaue geseztliche Lage in der Schweiz ist, aber wenn Kirche und Staat getrennt sind, dann kann es m.E. kein Verbot für den Bau von Gebetshäusern oder Kirchen bestimmter Glaubensrichtungen oder Religionen geben. Man könnte vielleicht den Neubau jeglicher Gebetshäuser mit Turm verbieten, dann aber auch solche der christlichen Konfessionen. Das Christentum ist nun mal (ich nehm es für die Schweiz mal an) keine Staatsreligion und darf dafür in Dingen wie der Bauordnung keinerlei Bevorzugung haben. Der europäische Kulturkreis sollte sich nach meiner Meinung durch Toleranz, Meinungs- und Glaubensfreiheit von anderen Teilen der Welt abgrenzen und das Argument, in Saudi Arabien dürfe man auch keine Kirchen bauen ist m.E. schwachsinnig. In Saudi Arabien dürfen Frauen nicht Auto fahren, daraus kann man wohl auch nicht ableiten, dass z.B. in der SChweiz die Männer nicht Auto fahren dürfen sollten.
Wenn jemand ein Minarett bauen möchte, dann soll er es auch tun dürfen, sofern es sich nicht z.B. in einem denkmalgeschützen Ensemble stattfindet.
Es werden in verschiedensten Regionen Europas so abstrus hässliche Gebäude, Türme etc. in die Landschaft gesetzt, dass man wohl nicht argumentieren kann, nur weil es sich um ein Minarett handelt, verschandle es plötzlich die Landschaft.
Überhaupt - und jetzt verlasse ich wohl das eigentliche Thema dieses Topics etwas - halte ich einfach den doppelten Maßstab, mit dem vieles in unseren Ländern gemessen wird für schauderhaft.
Keine Frage, ich halte jegliche Art von Unterdrückung und Zwang, wie er sicher in manchen moslemischen Familien auf die Kinder ausgeübt wird, für absolut verwerflich, wenn im Namen der Religion vor allem den Mädchen Verhaltensweisen oder Kleiderordnungen oktruiert werden. Abhilfe könnte hier m.E. ein ab der Volksschule VERPFLICHTENDER Ethik-Unterricht anstelle jeglichen Religionsunterrichts schaffen, in dem die Kinder neben allgemeinen Informationen zu Menschenrechten und Demokratie lernen, dass es VERSCHIEDENE Religionen gibt und sich jeder Mensch frei entscheiden kann, welcher er angehören will. Damit hätten alle Jugendlichen wenigstens die Möglichkeit, in diesen Dingen auf einer für alle gültigen gemeinsamen Basis aufbauen zu können, aber ein solches Vorgehen wird ja auch von den ach so toleranten christlichen Glaubensverbänden abgelehnt.
Alle Religionen sollen gleich behandelt werden und nur aus der Tatsache, dass es in den letzten Jahrhunderten in ZEntraleuopa halt fast keine Moslems gegeben hat, abzuleiten, dass diejenigen, die - warum auch immer - jetzt hier sind, keine den Kirchen gleichwertigen Gebetshäuser bauen dürfen, halte ich für engstirnig und gestrig.
In den Zeiten, in denen viele unserer Kirchen gebaut wurden, war das Christentum nicht weniger dogmatisch und menschenrechteverachtender als es manche Richtungen des Islam heute sind.
Eine funktionierende menschliche GEsellschaft sollte m.E. auf NOrmen und Moralvorstellungen aufbauen, die unabhängig von einzelnen Religionen sind sondern auf Menschenrechten und Demokratie fußen. Und Demokratie bedeutet nicht, dass eine Mehrheit über die Bräuche und Wünsche einer MInderheit entscheiden sollen, soferne diese Bräuche oder Wünsche nicht die Freiheit anderer einschränken. Und m.E. ist der Anblick einer Moschee mit Minarett keine nicht duldbare Einschränkung der Freiheit eines Nicht-Moslems, eigentlich noch viel weniger, als das Aufhängen von Kreuzen in den Schulklassen. Den Anblick eines Minaretts kann man sich ev. noch ersparen, indem man einen anderen Weg wählt, aber bei der allgemeinen Schulpflicht sind die Kinder ja praktisch gezwungen, stundenlang unter einem Kreuz zu sitzen, egal, ob sie nun aus christlichen, moslemischen, jüdischen oder atheistischen Familien stammen.