Noch'n Talabfahrt? Und dann noch mit dem Konzept?
Ich fahr nun schon jahrlang mit dem Schibus von Rasen zur Gassl.
Jede Haltestelle dürfte einen Einzugsbereich von 500m-1000m haben,
viel weiter wird niemand bereit sein zu laufen. Morgens fahren die
Busse alle 20-30 Minuten, so dass von 8:15 bis 10:45 wohl 6-7
gut besetzte Busse zusammenkommen. Die einzelnen Haltestellen
an der Bahn entlang des Pustertals dürfen auf ein nicht viel grösseres
Einzugsgebiet kommen als zwei geschlossene Ortschaften wie Rasen/Antholz.
Die 12 Busse in einem der Zeitungsartikel (die evtl. auf die Bahn verlagert
werden) dürften damit schon sehr wohlwollend gerechnet sein.
Und es hat schon ein paar Jahre gedauert, bis das Gratis-Skibusangebot
diesen Stand erreicht hat und so angenommen worden ist. (Man denke
an die Gratis-Fahrkarten, die man früher abstempeln musste und
die Seiwald-Busse, die jetzt nach Welsberg/Gries/St.Martin fahren und
Ski in der Halterung hinter dem Bus.)
Ich glaube nicht, dass die Skifahrer länger als 20-30 Minuten auf den
nächsten Zug warten wollen. 20-30 Minuten sind in einem Rahmen,
in dem man auch schonmal einen Zug um 15:30 verpassen kann und dann
um 15:50 fährt. Längere Wartezeiten kann ich mir nicht vorstellen.
Ich würde z.B. nicht mit dem Skibus aus Welsberg/Gries/St.Martin kommen,
weil mir der Takt zu lang ist.
Wer soll eigentlich mit der neuen Bahn fahren? Allein die Sektion von
der Herzalm nach Percha dürfte 4,5km lang werden plus 1,5km Gipfelbahn.
Das sind 20-30% mehr als Kronplatz 1+2/2000 ? Die EUBs fahren zwar
inzwischen 6m/s statt 5m/s, aber im Lift hört man immer mal wieder Gespräche
von nicht "Dauer-Kronplatz-Fahrern", dass die Lifte hier ja so lang sind.
Mit Einsteigen/(Umsteigen)/Aussteigen dürften 23-27 Minuten von
Percha bis zum Gipfel zusammenkommen.
Reizvoll könnte die Talabfahrt für Familien sein anstatt die Talfahrt mit der Gondel.
Aber gerade dieser Zielgruppe würde ich zutrauen, Percha mit dem Auto zu
zuparken als den Zug zu benutzen.
Wenn ich mir das Satellitenbild anschauen, könnte das Projekt ja so enden wie
die Ersetzung des Marchners mit einer EUB. Läuft die Piste nicht auch über Olanger Grund
oder hört das Gemeindegebiet hinter den Prackensee auf ? Könnte auch sein, dass die Piste
direkt entlang der Gemeindegrenze verläuft.
Ich bin vor Jahren mal mit dem Zug angereist. In Franzensfeste hab ich einen Zug ins
Pustertal verpasst und dann eine Stunde auf den nächsten gewartet. Auf der Strecke
fuhr ein Zug der "InterRegio"-Klasse bis nach Lienz und sonst Doppeltriebwagen wie
sie in Deutschland auf kleinen Regionalstrecken unterwegs sind. Nur mit diesen
Verbindungen ist der Umstieg auf den Zug nicht attraktiv. Und zusätzliche Verbindungen
lassen sich auf der eingleisigen Strecke nur mit einem neuen Bahnhof in Percha
nicht so einfach schaffen, irgendwo müssen die Züge ja auch wieder wenden.
Und neue Züge dürften nicht so einfach zu beschaffen sein, wie zusätzliche Gratis-Skibusse.
Spätestens ausserhalb der Wintersaison wären zusätzlich eingesetzte Züge wohl überflüssig
bzw. nicht mehr ausgelastet/rentabel/finanzierbar.
Das die Idee mit den Parkgebühren gut ist, kann ich mir auch nicht vorstellen. Dafür
jammern im Moment zu viele Leute im Gästebuch auf kronplatz.com über die steigenden
Preise für die Liftkarten. Und wenn jemand Parkgebühren zahlen will, dann für einen
asphaltierten Parkplatz und keine vermatschte Wiese.
Ein paar Vorteile hätte das Projekt ja. Man könnnte mit einer fünften Talabfahrt
werben, hätte vermutlich die längste EUB weltweit und eine sturmsichere Abfahrt
auf Brunecker Seite.
Um Leute mit dem Zug auf den Kronplatz zu locken, kann das nur ein Flop werden.
Vermutlich werden die Verkehrsprobleme in Percha dann in 3-4 Jahren mit einem
grösseren Parkplatz und Ski-Pass-Zentrum behoben.
/Tibor