Ungewissheit über künftige Allianzen
Generalversammlung der Furtschellasbahn AG
Fast ein Viertel des Gesamtumsatzes der Furtschellasbahn AG haben im vergangenen Geschäftsjahr die Restaurationsbetriebe erwirtschaftet. Um mehr Frequenzen am Berg zu generieren, setzt das Silser Bergbahnunternehmen auf ein Beschneiungsprojekt.
Fast ein Viertel des Gesamtumsatzes der Furtschellasbahn AG haben im vergangenen Geschäftsjahr die Restaurationsbetriebe erwirtschaftet. Um mehr Frequenzen am Berg zu generieren, setzt das Silser Bergbahnunternehmen auf ein Beschneiungsprojekt.
Das Defizit war zwar elfmal kleiner als noch im vorgängigen Geschäftsjahr, aber mit minus 31 000 Franken immer noch ein Verlust. Das Geschäftsjahr 2005/06 ist kein wirklich befriedigendes für die Furtschellasbahn AG. Mit total knapp 950 000 Fahrten legte das Silser Bergbahnunternehmen das drittschlechteste Frequenzenergebnis seit 1993/94 vor, dem Jahr also, wo die Sesselbahn Alp Munt in Betrieb genommen wurde. Der tiefe Cash-Flow und die begrenzte Liquidität seien zwar nicht zu unterschätzende Probleme, würden aber den weiteren Geschäftsgang des Unternehmens nicht ernsthaft gefährden, betonte Verwaltungsratspräsident Emilio Bianchi an der Generalversammlung vom letzten Freitag. Bianchi strich bei seinem Jahresbericht vor allem die positiven Aspekte des verflossenen Jahres heraus, etwa den Umstand, dass im Restaurationsbereich eine Umsatzsteigerung von 42 Prozent erwirtschaftet werden konnte. Mit dem neu eröffneten «Kuhstall», dem Bergrestaurant La Chüdera und der Rabgiusa-Hütte wurde ein Umsatz von gut einer Mio. Franken erarbeitet, was fast einem Viertel der letztjährigen Gesamteinnahmen des Unternehmens gleichkommt.
Fast-Gau
Insgesamt 104 Aktionäre (20 225 Aktienrechte) hatten sich im Schulhaus Champsegl eingefunden. Der ungewöhnliche Versammlungsort war durch die vorzeitige Schliessung der Bergbahn bedingt. Wie Direktor Markus Moser erklärte, hatte eine Woche vor der Versammlung ein unvorhersehbarer Getriebeschaden die Luftseilbahn lahmgelegt. Die Umlenkung des Elektromotors samt Speichen waren gebrochen. Das Unternehmen hatte Glück im Unglück. Wäre der Schaden, der wegen der speziellen Anfertigung der Ersatzteile einen Betriebsausfall von rund sechs Wochen nach sich zieht, mitten in der Saison oder während der winterlichen Festtage aufgetreten, hätte das fatale Konsequenzen für den Betrieb nach sich gezogen, kommentierte Moser. Trotz der Havarie hoffen die Furtschellasbahn-Verantwortlichen rechtzeitig oder allenfalls mit einwöchiger Verspätung in die kommende Wintersaison zu starten.
Die Behandlung der statutarischen Traktanden beanspruchte nicht viel Zeit. Rechnungsablage, Revisorenbericht und die Entlastung der Organe wurden einstimmig oder mit grossem Mehr genehmigt. Auch die Wahl von Christian Meuli, der als Vertreter des Silser Gemeindevorstands im Verwaltungsrat des Unternehmens Einsitz nimmt, erfolgte problemlos. Heinz Ming, ehemaliger Gemeindevorstandsvertreter, wird weiterhin Mitglied dieses Gremiums bleiben, wurde bekannt gegeben.
In geheimer Abstimmung und mit klarem Mehr wurde das Unternehmen «Price Waterhouse & Coopers» zur neuen Revisionsstelle der Furtschellasbahn gewählt. Nicht weil die bisherige Treuhand- und Revisionsgesellschaft «Riedi Ruffner Theus AG» ihre Arbeit nicht zur vollen Zufriedenheit der Bahn ausgeführt hätte, erklärte Bianchi den vorgeschlagenen Wechsel, sondern im Hinblick auf die künftige Ausrichtung der Bergbahn. Price Waterhouse & Coopers hat die Fusion der Bergbahnen auf der Lenzerheide begleitet.
Gestaffelter Fusionsprozess
«Wenn du schnell gehen willst, gehe allein. Wenn du weit gehen willst, gehe mit andern.» Mit diesen Worten leitete Verwaltungsratspräsident Bianchi einen kurzen Exkurs über die Zukunft des Unternehmens ein. Angesichts der stetig abnehmenden Gästezahlen im Engadin, die auf die Bilanz des Unternehmens drückten, werde die Suche nach Synergien zwingend. Seit eineinhalb Jahren arbeite der Verwaltungsrat an einer Strategie der Zusammenarbeit mit anderen Partnern. Wenn sich die Furtschellasbahn zurzeit in intensiven Verhandlungen mit der Corvatschbahn befinde, hiesse das noch nicht, dass ein Zusammengehen in einem grösseren Verbund ausgeschlossen werde, betonte Bianchi. Vom gestaffelten Vorgehen erhoffe man sich vielmehr einen schnelleren Erfolg der anstehenden Fusionen.
Gemeinsames Beschneiungsprojekt
Vom Ausgang der aktuellen Kooperationsgespräche mit dem benachbarten Bergbahnunternehmen hängt nicht zuletzt ein wichtiges Projekt der Furtschellasbahn ab: die Beschneiung des ganzen Skigebiets.
Wie Markus Moser nach der Versammlung auf Anfrage ausführte, belaufen sich die Gesamtkosten dieses Projekts je nach Ausbaustandard auf 3, 5 bis 5 Mio. Franken. Herzstück der Beschneiung ist das Grundwasserpumpwerk. Je nachdem, wie gross das Interesse der Corvatschbahn an den ergiebigen Wasservorkommen im Umfeld der Furtschellas-Talstation sind, werde in kleineren oder grösseren Dimensionen gebaut. Wünschenswert wäre eine Anlage, die bei Bedarf eine 24-Stunden-Beschneiung erlauben würde. Die Kosten für das Pumpwerk sowie für die Beschneiungsinfrastruktur der wichtigsten Pisten und Trassees auf Furtschellas samt Verbindung zum Corvatsch werden zurzeit auf 3,5 Mio. Franken geschätzt. Der Ausbau zur Maximalvariante (Gesamtbeschneiung, Pufferbecken auf Rabgiusa) würde das Projekt um etwa eine Mio. Franken verteuern. Die Finanzierung und der Beginn der Arbeiten hängen unmittelbar von den Kooperationsverhandlungen mit der Corvatschbahn ab. Nachdem die planerischen Grundlagen (positiver Umweltverträglichkeitsbericht sowie genehmigte Ortsplanungsrevision) gegeben sind, will die Furtschellasbahn ab Sommer 2007 das Projekt etappenweise umsetzen.
Quelle: Engadiner Post Autor: Marie-Claire Jur
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 24.10.2006
Rubrik: Tourismus