Oberhof 2023 – kommt jetzt der Wandel? Neue Tourismuskonzepte vorgestellt.
Mit hohen Fördergeldern für die Rodel- und Biathlon WM 2023 und einem Mega-Familienhotel will Oberhof verlorenen touristischen Boden gut machen. Das Projekt Oberhof 2023 wurde durch eine fünfteilige Videoserie begleitet, (
https://www.youtube.com/channel/UCAPb4BMdPIwKiiMRZVyPdYw) die erkennen lässt, dass bis auf Teil 3 sich alles um den Leistungssport dreht. Dabei liegen die Wurzeln von Oberhof als Tourismusort nicht im Leistungssport, sondern als sommerlicher Höhenluftkurort und dem Wintervergnügen der Oberschicht. Oberhof wurde jedoch politisch nach dem 2. Weltkrieg erheblich verkorkst und ist ein unvollendeter Ort, wie aus dieser Doku hervorgeht:
https://www.youtube.com/watch?v=-q3Uhk-LgSk
Im Oktober 2021 wurde zudem ein Tourismuskonzept Oberhof 2030 vorgestellt, (von IFT/Montenius) das auch als Kurzversion existiert. Ferner wurde parallel auch das
Ortsentwicklugskonzept aktualisiert - und von einer schönredenden
Presseerklärung begleitet. Alle vier Downloads hier:
https://www.stadt-oberhof.de/die-stadt-oberhof/stadtentwicklung/
Für das hiesige Forum sind insbesondere die von IFT empfohlene
Erweiterung des Skigebietes von Interesse sowie das
Konzept von Rope-Taxis mit konkreten Skizzen, die ich hier wegen Copyright nicht einstellen möchte. Schaut in das Konzept!
Beim Tourismuskonzept handelt sich um eine aktualisierte Variante des Ganzjahreskonzept für den Ort von 2006, mit Skipisten und Verbindungs-Kabinenseilbahnen vom Panoramahotel bis zum Grenzacker, Golfplatz, Sommerattraktionen u.v.a. Realisiert davon wurde damals fast nichts. Die Presserklärung redet es hingegen schön, weil sie ein paar Konzepte in der "Stadtmitte" umgesetzt hat. Die aktualisierten und neuen Ideen von IFT sind teilweise innovativ und auch kühn. Sie gehen über die üblichen Freizeitattraktoren hinaus – und sollen den Ort in seinem individuellen Profil stärken. Wahrscheinlich wird abermals kaum etwas umgesetzt. Warum?!
M.E. begeht Oberhof einmal mehr die altbekannten Fehler!
Das Dilemma ist, dass Eigentümer und Betreiber aller Wintersportanlagen in Oberhof der Zweckverband Thüringer Wintersportzentrum ist, deren primäre Aufgabe der Betrieb des Olympiastützpunkt Thüringen und seine Rahmenbedingungen für den Trainings- und Wettkampfbetriebes im Bereich Leistungssport ist. Jene Lobby dominiert auch die Politik. Ski-Alpin ist in Thüringen jedoch kein Element des Leistungssportes, weshalb sie sich für die Erweiterung des Skigebietes politisch nicht so ins Zeug werfen. Mit dem neuen 4SB und dem Bikepark werden sie jedoch sagen, dass man sehr wohl den allgemeinen Wintersport im Auge hat. Dieser kommunale Zweckverband ist zudem kein wirtschaftlich ausgerichtetes Unternehmen, was für eine erfolgreiche touristische Ausrichtung unerlässlich wäre.
IFT zeigt nämlich vergleichend auf, dass Destinationen mit privatwirtschaftlich geführter Infrastruktur besser dastehen, was als verdeckte Kritik am Zweckverband gelesen werden kann. Dies scheint in der Tat so zu sein, wenn die Presseerklärung der Stadt Oberhof sich diesbezüglich ausdrücklich zugunsten des Zweckverbandes rechtfertigt.
Im Gegensatz zum Tourismuskonzept von IFT steht im Ortsentwicklungskonzept nichts über eine angestrebte Erweiterung Ski-Alpin drin. Man scheint sich mit den Hürden des Trinkwasserschutzgebietes abgefunden zu haben. IFT sieht das aus Erfahrungen in anderen Orten anders und m.E. ist es eine Sache des politischen Willens und der Lobby.
Oberhof muss laut aufschreien, dass ohne eine Erweiterung des Skigebietes kein touristischer Aufschwung als Wintersportdestination möglich ist. Das werden sie jeoch nicht tun, denn damit würde man dem bisherigen Credo widersprechen, dass der Leistungssport maßgebliches Aushängeschild des Tourismus ist. Ich befürchte daher auch hinsichtlich des neuen Tourismuskonzeptes 2030 abermals, dass davon kaum etwas umgesetzt wird. Fördergelder und Baugenehmigungen gibt es wohl auch weiterhin primär für den Leistungssport, weil die Lobby sich nur hierfür einsetzt. In die Leistungssportanlagen wurden/werden von 2008-2023 insgesamt ca. 100 Mio € investiert. Die Investitionen in den Fallbachhang halten sich hingegen in Grenzen.
Die Leistungssportlobby plakatiert nun vollmundig aus einem alten Denken heraus mit
Oberhof 2023 auch aus dem touristischen Tal herauszuführen. Sie halten sich für das touristische A&O von Oberhof. Ich bin skeptisch, dass das funktioniert!
Auch das neue Familux-Hotel ist ein exklusives Ghetto.
https://www.youtube.com/watch?v=2UUqSivz4Ck Die haben dort vieles integriert, was Oberhof fehlt (bis auf Golf und Skipisten), nur ist es exklusiv für die Hotelgäste. Das hilft dem Ort nur bedingt. Es steigert zwar die Ü-Zahlen um >100.000 und fördert den Einzelhandel, aber weniger die Gastronomie, denn die hat das Hotel selbst.
IFT beklagt, dass die defizitären H²Oberhof-Therme nur von 1% der Hotelgäste genutzt werden, was nicht verwundert, wenn die großen Hotels die meisten Ü generieren und über eigene SPA-Bereiche verfügen. Das wird sich auch bei dem neuen Familux-Projekt folglich nicht ändern.
Sport-WMs dienen primär der Werbung und Imageförderung einer Destination, doch in fast allen Orten führten sie in der Vergangenheit zu erhöhter Verschuldung und zu keinen nennenswerten touristischen Aufschwüngen. Die Bob/Rodel/Skispringen/Biathlon Infrastruktur bringt erfahrungsgemäß und nachweißlich kaum zusätzliche aktive Winterurlauber nach Oberhof, dabei steht das Image Oberhofs primär als Wintersportdestination – doch für die Allgemeinheit fehlt dem Ort weiterhin die Winter- wie Sommerattraktoren und ein eigenständiges touristisches Profil.
Mit den vorgestellten Konzepten werden wir im Forum nun endlich mal ausgiebigen Diskussionsstoff über Oberhof haben, denn das Vorgestellte ist so komplex, dass es nicht mit ein paar Posts und Kommentaren getan ist.
Ich wünsche uns allen viel Vergnügen…