Hosp drückt neue Zillertaler Seilbahn per Weisung durch
Trotz befürchteter Verkehrsprobleme genehmigt Landesrätin Anna Hosp dem Skigebiet Kaltenbach eine zweite Zubringer-Seilbahn.
Der 13. Juni war ein guter Tag für die Bergbahnen Hochzillertal in Kaltenbach. Das Land gab grünes Licht für den Ausbau der Skiarena. Ein positiver Naturschutzbescheid, er liegt der TT vor, wurde erteilt.
Von der Talstation aus darf nun, parallel zur bestehenden Gondelbahn, eine zweite Zubringerbahn mit Achtergondeln gebaut werden. Die Kapazität der Anlage erhöht sich damit von derzeit 3200 auf 5800 Skifahrer pro Stunde. Um die Pkw unterzubringen, wird ein Parkhaus mit 977 Stellplätzen gebaut. Insgesamt stehen dann 2200 Parkplätze zur Vefügung.
Dem zuständigen Fachbeamten im Landhaus graute ob dieser Zahlen. Gerhard Liebl, Chef der Abteilung Umweltschutz, befürchtete, dass das Zillertal im Verkehr ersticke, wenn Kaltenbach ausgebaut wird. Schon jetzt sei das Tal an Wochenenden Garant für Skifahrer-Staus.
Liebl sagte daher Nein zum Projekt Kaltenbach. Doch bei Naturschutzlandesrätin Anna Hosp blitzte er ab. Die VP-Politikerin gab Liebl die Weisung, die Gondelbahn zu genehmigen.
Gegenüber der TT bestätigt Liebl die Weisung. Unverändert glaube er, dass sich das Verkehrschaos im Zillertal weiter verschärfe. "Die deutschen Gäste werden keine Freude haben, wenn sie sich morgens ins Zillertal rein- und abends wieder rausstauen."
Im Büro Hosp wird betont, dass das Verkehrsproblem im Zillertal "sehr ernst genommen" werde. Die Verbesserung des öffentlichen Angebotes für Skifahrer, durch Busse und die Zillertalbahn, sei aber Aufgabe des gesamten Tales. Es sei daher nicht gerecht, das Kaltenbacher Projekt abzulehnen. Im Herbst werde ein Verkehrskonzept vorliegen.
Liebl bezweifelt die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Zwar seien im Bescheid Auflagen festgehalten, um den Verkehr zu bewältigen. Doch werde es kaum möglich sein, Touristen in Scharen zum Umsteigen auf Bus und Bahn zu bewegen.
Fix ist aber schon, dass eine eigene Abfahrt von der Zillertal-Bundesstraße in Richtung Skigebiet Kaltenbach gebaut wird, um einen Staupunkt zu entschärfen. Das hat LR Konrad Streiter zugesagt. Auch er, der ÖVP-Bezirksobmann des Bezirkes Schwaz, hatte sich des Seilbahnprojekts angenommen.
Das Verhältnis zwischen Liebl und Hosp, die rechte Hand LH van Staas, war schon in der Vergangenheit angespannt. Liebl bezeichnet das Umfeld Hosps gerne als "Politbüro". Er beschwerte sich darüber, dass sich die Politik überall einmische und die Beamten nicht selbständig arbeiten lasse.
Hosp habe ihm in den letzten zwei Jahren mehr als 20 Weisungen erteilt, darunter "eher lapidare Sachen", sagt Liebl. In 19 Jahren vor Hosp habe es nur drei Weisungen gegeben. Weil er seinen Job "nicht mehr lustig" findet, hat Liebl frühzeitig um die Pension angesucht. Ende des Jahres ist er weg.
Im Landhaus gibt es aber auch andere Interpretationen für Liebls Abschied: Er müsse gehen, weil er als jener Beamter gelte, der sämtliche Entscheidungen pro Wirtschaft mit allen Mitteln verhindern wollte.
Ein Grund für die Ausbauwünsche der Kaltenbacher ist der Zusammenschluss ihres Skigebiets mit jenem in Hochfügen im Jahr 2004. Weil Hochfügen einen längeren Anfahrtsweg hat, wird vermehrt das im Tal gelegene Kaltenbach angefahren.
Das hat zur Folge, dass sich vor der dortigen Zubringerbahn die Skifahrer mitunter stauen. Die zweite Zubringerbahn soll das abstellen.