Mittag: Die Stadt sitzt mit in der Sesselbahn
Für Doppelsesselbahn in Sektion II Beteiligung aufgestockt – Bürgermeister: „Sehr wichtiges Stück Erlebnisqualität“
Immenstadt
Die Sesselbahn auf den Immenstädter Hausberg bedeutet für die Städtler und ihre Gäste ein „sehr wichtiges Stück Erlebnisqualität“ (Bürgermeister Bischoff). Deshalb steigt die Kommune nun noch einmal ins (Bahn-)Boot, um den Familienbetrieb bei einer weiteren Modernisierung zu unterstützen. Bereits seit einigen Jahren stiller Gesellschafter, hat die Stadt ihre Beteiligung nun verdreifacht. Denn schon im Frühjahr soll auch die Sektion II von Einer- auf Zweiersessel umgerüstet und damit die Kapazität deutlich erhöht werden.
Die von Bischoff gelobte „fruchtbare Zusammenarbeit“ zwischen der Stadt als Eigentümer weiter Teile des Mittag und Bahn-Betreiber Waller hat gute Tradition in Immenstadt. So entschloss sich die Kommune auch 1994 gemeinsam mit Partnern zu einer „Rieseninvestition“: Das bisher völlig unerschlossen Gebiet – gar alles, von Ersatzteilen bis zu Schumpen, musste mit der Bahn transportiert werden – wurde nun über den Alpweg Steigbachtal zugänglich gemacht. Er führt am Gipfel vorbei bis zur Alpe Oberberg auf Blaichacher Flur und hat vor allem für den Holztransport große Bedeutung.
Damit dieser Alpweg kein Rummelplatz wird, bleibt er im Sommer per Schranke geschlossen –verwandelt sich aber im Winter in eine über fünf Kilometer lange „Superrodelbahn“, so Bürgermeister Bischoff. Eine weitere kostenintensive Maßnahme der Stadt diente der Umwelt: Der aufwändige Kanalbau vom Gipfel bis ins Tal sorgte dafür, dass die Abwässer sämtlicher Gaststätten, Hütten und Alpen am Mittag im Klärwerk Thanners landen.
Einen wahren Kraftakt, so das Stadtoberhaupt, bewältigte die Familie Waller, als sie 1997 die Sektion I der Mittagbahn modernisierte und in eine leistungsfähige Doppelsesselbahn umbaute. Zwei Jahre später wurden an der Mittelstation die Voraussetzungen für eine Umrüstung der Sektion II geschaffen.
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Und dieses 1,2 Millionen Euro schwere Projekt (einschließlich Neubau der Bergstation) soll nun im Frühjahr angepackt werden. Weil Georg Waller diese teure Maßnahme aber nicht alleine schultern kann, hat die Stadt ihre Beteiligung an der Mittagbahn auf 900000 Euro erhöht und ein zinsgünstiges Darlehen versprochen. Außerdem gibt’s einen Zuschuss vom Staat, und die Betreiber stecken erneut Eigenmittel in den Bau.
Der Stadtrat hat diese kommunale Finanzhilfe einstimmig gut geheißen, betont Gerd Bischoff, sind sich doch alle der Bedeutung dieser Infrastruktur bewusst: Die Bahn ist für den Immenstadt-Tourismus mit 400000 Übernachtungen wichtig, spielt aber auch für die Einheimischen ein besondere Rolle. Schließlich haben am Mittag „ganze Generationen das Skifahren gelernt“ und fühlen sich hier bis heute „daheim“.
Die Genehmigung zum Umbau ist bereits in Aussicht gestellt, spätestens im April soll’s losgehen. Denn Ende Juni muss die Mittagbahn wieder in Betrieb sein, hat sich Georg Waller zum Ziel gesetzt. Und dann wird die Kapazität der Bahn, die bisher im Schnitt pro Jahr 60000 bis 70000 Fahrgäste befördert, in der zweiten Sektion von bisher 360 auf 820 Personen pro Stunde gesteigert.
Warum ein Doppelsessler und keine moderne Gondel? Ganz einfach: Eine acht oder neun Millionen Euro teure Bahn wäre „schlichtweg nicht finanzierbar – aber auch nicht notwendig“, begründet Bürgermeister Bischoff die reiflich überlegte Entscheidung. Schließlich trage Georg Waller („vor ihm zieh’ ich den Hut“) das alleinige wirtschaftliche Risiko. Die computergesteuerte Sesselbahn dagegen entspreche der Bedeutung des Mittag und sei eine „Immenstadt-maßgeschneiderte Lösung“.