Ich empfinde, dass die Beiträge der letzten Seite teilweise aus dem Ruder gelaufen sind. Diverse Statements sind sehr von persönlichen Interessen gefärbt, entsprechend emotional und "streitlustig".
Fakt ist, dass die Region Kwt/O-dorf touristisch zu den 10 stärksten Alpendestinationen gehört und dieser Status soll gehalten werden, sowohl im Sommer wie im Winter!
Da man nie mit den großen Skigebieten konkurrieren kann, muss zumindest das Bestmögliche rausgeholt werden, was die Vernetzung der einzelenen Skigebiete unumgänglich macht. Wenn man der Mehrheit der Klimatrends glaubt, dann ist eine Schneesicherheit unterhalb von 1500m in 2030 nicht mehr gewährleistet, was bedeutet, dass die Heubergarena allein die Skigebiete nicht vernetzen kann. Das spricht für die Panoramabahn, weil sie oberhalb von 1500m vernetzt.
Skilinde sieht zudem sehr richtig, dass die PB ein sehr gutes Marketinginstrument ist!
So stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, welche Investitionspriorität die Pb bekommen soll?! Die Alpbordbahn ist m.E. unverzichtbar. Ich finde es zunächst jedoch
wichtiger, anstelle einer Pb das Wh technisch aufzurüsten, da wir hier im Forum ja fast einstimmig die Meinung vertreten, dass das Wh im Ist-Zustend eine Pb nicht verkraftet. Fener rangieren die Verbindung Heubergmulde/Auenhütte und die Breitachquerung für mich vorrangig gegenüber der Pb. Das alles sind Winterargumente.
Doch die KBB vertreten andere Prioritäten und die sind auf die Sommerfrequentierung am ifen ausgerichtet, ohne es offen zu benennen.
Im Sommer wird die Pb und das Alpbord ein Besuchermagnet, der Massen von "Turnschuhwanderern" anzieht und die Gipfelrestaurants füllt, was Broesl nicht gefällt. Doch das Kwt hat keine Alternative, wenn man nicht weiter Besucher verlieren will. Die zunehmende Verkehrsbelastung auf der B19 ist dann ein unweigerlicher "Kolateralschaden". Jeder Tagesgast ist nämlich ein potentieller Übernachtungsgast, der sehr stark umworben werden muss. Doch ich sehe seitens der Tourismusdirektion unzureichende Marketinganstrengungen, die Tagesgäste auf den Gipfeln konkret "anzuflirten". Ein ganz simples Beispiel: Nirgends an den Talstationen liegt ein Gastgeberkatalog aus!
Konkret heisst die Bemühung also, dass
1. der Tagesgast "Herr Allgäufan" bei seinem nächsten Urlaub nicht in Bad Hindelang oder Oberstaufen bucht und währenddessen das Kwt als Tagesgast aufsucht, sondern gleich im Kwt bucht. Das dies geschieht, dafür spielen sehr viele Parameter eine Rolle - ungefähr so, wie die vielfältige Parameteroptimierung, um in der Google-Suchmaschine auf Seite 1 gelistet zu werden. Man kann das nicht auf die KBB reduzieren, wie es in der gegenwärtigen Diskussion den Anschein erweckt.
2. der allgemeine Alpenfan nicht in Österreich (zähle hier das Kwt geografisch zum Allgäu) oder in der Schweiz bucht, wofür man das Kwt ebenfalls auf allen Ebenen "sexy" machen muss. Die KBB machen diesbezüglich Ihre Hausaufgaben...
Der ebenfalls zunehmende Tagesgast wohnhaft im Voralpenland ist kein potentieller Buchungskunde sondern statistisch Bruttosozialproduktförderer. Er sucht umso stärker "Ski²" auf, je moderner es wird - und fährt nicht mehr durch den überfüllten Pfändertunnel in ein Vorarlberg-Skigebiet, nach GAP oder ein Kleinskigebiet in den deutschen Alpen. Kein anderes Skigebiet hat aus Richtung Norden eine so gute Verkehrsanbindung wie "Ski²", trotz B19-Kollaps ab Sonthofen.
Die Zunahme der Tagesgäste zeigt eindeutig, dass die Maßnahmen der KBB tourismusförderlich sind. Wenn einige im Kwt die Tagesgäste als nicht förderlich disqualifizieren, so ist das kontraproduktiv. Wenn vielmehr Übernachtungen zurückgehen, so kann man dies weder den Tagesgästen, dem Massentourismus, der Naturbereinträchtigung oder der Politik der KBB anlasten. Das hat touristisch sehr komplexe Ursachen, deren detaillierte Thematik in diesem Forum verfehlt wäre.
Kurz gesagt besteht ein knochenharter Verdrängungswettbewerb unter allen Alpendestinationen.
Überall wird in allen touristischen Segmenten aufgerüstet. Gäste sind "sensationsgeil" und "moven" entsprechend zwischen den Destinationen immer mehr hin und her - dieses Jahr hier nächstes Jahr dort - das Stammgastpotential geht zurück und die Aufenthaltsdauer ist ebenfalls überall rückläufig. Eine Destination muss es jedes Jahr aufs neue schaffen, sich mit marketingtauglichen Headlines "sexy" zu posten um Übernachtungen zu generieren. Sie kann sich immer weniger auf ihrer Substanz ausruhen, vielmehr braucht es beides - ein enormer Kraftakt! Das ist eine unweigerliche Erscheinung des "modernen Tourismus".
Ähnlich ist es im Pop-Business. Dass Künstler wie in den 70-90er Jahren über viele Jahre substantiell erfolgreich bleiben ist heute die Ausnahme. Wer sich nicht ständig in den Schlagzeilen hält, ist sofort weg vom Fenster. Und jeder TV-Radiosender, der diesem Trend nicht gerecht wird, verliert Zuschauer/Hörer.
Skilinde liegt mit Ihrem Destinationsverhalten im Trend - sie erwartet symbolisch ausgedrückt: "schneller, höher, weiter"!
Sie kommt als Tagesgast oder Kurzurlauber, aber nicht als Wochengast.
Die KBB wollen diesem Trend mit Ihren Zukunftsplanungen bestmöglich gerecht werden. Deren Konzept versucht das maximal machbare aus dem Kwt rauszuholen. Wie Thun findet ich persönlich diesen Ausbau schade, weil die Gemütlichkeit am Ifen dann dahin ist - als Vermieter muss ich ihn begrüßen. Der Riss geht daher mitten durch mich selbst hindurch. Meine in die in die Zukunft gerichtete Abwägung stellt sich der Pb jedoch nicht in den Weg. Mittelfristig ist sie durchaus sinnvoll, jedoch nicht zwingend sofort.
Fazit:
Wer die Pb jedoch bekämpft, der trägt mit zum Übernachtungsrückgang bei!
Unzweifelhaft ist die Region Kwt/O-dorf eine Massentourismusdestination, sonst wäre sie nicht Top-10 in den Alpen. Bislang gelingt ihr jedoch der Spagat mit der Naturverbundenheit gut (was das touristische Kapital der Region ist) und das wird die Pb nicht gefährden, denn es gibt weiterhin genügend einsame Berggipfel. Die Panikmache der Gegner hinsichtlich des Rückgangs von Besuchern wegen Naturverlust ist nicht haltbar. Diese Befürchtung wird nicht eintreten - das Gegenteil wird der Fall sein, weshalb die Gegner m.E sehr fahrlässig polemisieren.
Hugh
