„Kur AG“ strebt himmelwärts
Höllwiesen: Kühne Pläne für neue Sesselbahn als Ersatz von altem Lieblings-Lift
Von Peter Schwarz
Oberstdorf - Das Skigebiet der Söllereck-Bergbahn bei Oberstdorf kann noch attraktiver werden. Voraussetzung: Die „Kur- und Verkehrsbetriebe AG“, deren Mehrheitsgesellschafter die Marktgemeinde ist, ersetzt für 10 Millionen Euro den mehr als 30 Jahre alten Höllwies-Schlepplift durch eine Sechser-Sesselbahn und sorgt für eine künstliche Beschneiung der Pisten. Das Konzept ist in der Aktionärsversammlung der „Kur AG“ vorgestellt worden. Aus dem Aktionärskreis gab es indes kritische Stimmen, obwohl viele ältere Oberstdorfer eine emotionale Bindung an den Lift ihrer Jugendtage haben.
Die 6,3-Millionen-Bilanz für das Geschäftsjahr 2005, die von Vorstand Peter Müller präsentiert wurde, kann sich sehen lassen. Dank des Zulaufs zur neu gebauten Rodelbahn am Söllereck und einem regen Fahrverkehr beim Hauptbetriebszweig, der Bergbahn, stiegen die Umsatzerlöse um fünf Prozent. Noch dazu konnte die touristisch gleich mehrfach engagierte Gesellschaft die Weichen bei den bisherigen Kostenfressern wie die Skiflugschanze und das Tenniszentrum Karweidach so stellen, dass schon für heuer „eine schwarze Null“ in Aussicht steht. Für rund 1,3 Millionen Euro hat die Aktiengesellschaft, in der der örtliche Verschönerungsverein mit 25 Prozent das zweite große Aktienpaket hält (Wert eines einzelnen Anteils derzeit 81 Euro), zudem das Kurmittelhaus an die Marktgemeinde verkauft. Dort entsteht eine neue Anlaufstelle der Kurverwaltung; in die oberen Räume zieht ein Teil des Rathauses ein.
Zehn-Millionen-Projekt
Zusammen mit dem Überschuss aus dem Geschäftsjahr 2004 konnte Müller einen Gewinn von knapp 120 000 Euro verbuchen, der nur zu einem kleinen Teil als Dividende (ein Euro pro Anteil) ausgeschüttet wird, wie von den Aktionären einstimmig gutgeheißen wurde. Aber hat die Gesellschaft auch „genügend Speck auf den Rippen“, um ein Zehn-Millionen-Projekt anzupacken? Der frühere Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Gustl Stempfle („Ein Abenteuer“), bezweifelte dies in der Zusammenkunft, in der es nach den Regularien nur noch um ein Thema ging: die Erneuerung des Höllwies-Lifts als „Lieblingskind“ skilaufender Einheimischer.
Wenn auch Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Müller als gleichzeitiger Bürgermeister gerade bei den Finanzen großen Abklärungsbedarf sieht, zog der Vorstand schon mal ein Technik-Konzept aus der Tasche, wie die mit dem Skigebiet am Söllereck verbundenen Nebenpisten im Westen des Wintersportgebiets eventuell schon ab kommendem Jahr stärker in den Blickpunkt gerückt werden können.
Laut Peter Müller ist es denkbar, eine kuppelbare Sechser-Sesselbahn in zwei Bauabschnitten und auf drei Jahre verteilt zu errichten. Je Stunde könnten dann 1800 Skifahrer und Wanderer hinauf zum so genannten „Schönblick“ transportiert werden, doppelt so viele wie bislang. Für eine Beschneiung der Skiabfahrten soll ebenfalls gesorgt werden. Müller glaubt, dass die naturschutzrechtlichen Bedenken ausgeräumt werden können. Wenn man klarer sieht, ob eventuell eine Kapitalerhöhung der AG erforderlich ist, soll eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen werden.
Nachdem Bemühungen gescheitert sind, eine Mehrwertsteuer-Erhöhung für Bergbahnen abzuwenden und zugleich das Konkurrenz-Ungleichgewicht zu Österreich auszuschalten, werden wohl die Skifahrer die Zeche zahlen müssen. Vorstand Müller kündigte höhere Fahrpreise für Winter wie Sommer an.