Gemäss Bericht der Zeitung SÜDOSTSCHWEIZ vom 5.9.14 soll in die Erneuerung der Schneeanlagen 2.6 Mio. CHF investiert werden, davon in diesem Jahr 0.7 Mio. CHF. Um dies finanzieren zu können, muss das Aktienkapital erhöht werden und es werden Partizipationsscheine herausgegeben.
Es steht nichts von einem Ausbau der Schneeanlagen. Mein Augenschein Vorort anlässlich einer Mountainbiketour ergab keinerlei Bauaktivitäten im Gelände. Ich vermute deshalb, es geht um einen Ersatz der Technik innerhalb der Zentralen.
Die Savognin Bergbahnen AG haben das 2-schlechteste Ergebnis der letzten 10 Jahre ausgewiesen. Sie beklagen die mangelnde Hotelinfrastruktur im Tal, so dass nicht genügend Ersteintritte ins Skigebiet generiert werden können. Die Umsatzzahlen sind im Bericht ebenfalls abgebildet. In anderen Zeitungsartikel wird von „Fünf vor Zwölf bei den Bergbahnen“ geschrieben. Überhaupt wird der Eindruck vermittelt, dass ausschliesslich die äusseren Rahmenbedingungen für das schlechte Ergebnis verantwortlich sind. Eine Eigenverantwortung wird nicht übernommen.
Ich sehe dies ganz anders. Die Bergbahnen sind für ihre Situation selber verantwortlich. Generell wird seit rund 15 Jahren das Angebot der Bergbahnen ständig abgebaut. Der im obigen Beitrag dargestellte Pistenplan ist wahrscheinlich aus dem Jahr 1999, also 15 Jahre alt. Was hat bis heute geändert:
• Wegfall der Gondelbahn nach Radons, Wegfall der Sesselbahn Stanegn und des Skilifts Colms, d.h. Wegfall ohne Ersatz von 3 Anlagen
• Ersatz der Sesselbahn Tigignas-Somtgant durch eine Gondelbahn
• Wegfall von folgenden Pisten: 10, 12, 13, 14, 18 (tlw), 24, 25, geschätzte 15-20km. Im Übrigen wurde damals mit 80 km Traumpisten geworben, heute sind die Pistenkilometer immer noch mit 80 km angegeben
• Keine neuen Pisten
Als Familie waren wir in den 80/90er-Jahren Stammgäste in Savognin. Das Skigebiet hatte die gleiche Ausdehnung wie heute. Die Pisten waren toppräpariert (die Heidipiste in Radons war beinahe so breit wie lang) und die Infrastruktur am Berg war auch im Vergleich zu anderen Skigebieten konkurrenzfähig. Der Weiler Radons war damals Mittelpunkt des Skigebietes und gut erschlossen. Ideal für Familien, viel Platz, weite Hänge, auch wenn es unten grün war, dort ist immer Winter. Damals konnten beinahe doppelt so viele Ersteintritte (über 400‘000) generiert werden wie heute (222‘000). Entsprechend waren auch die Wartezeiten....Im Tal war die Infrastruktur nicht besser wie heute, es gab weniger Ferienwohnungen, ergo mit einer ähnlichen Infrastruktur und einem im Konkurrenzvergleich sehr guten Angebot können die notwendigen Ersteintritte generiert werden, auch wenn der allgemeine Rückgang der Nachfrage berücksichtigt wird. Als Vergleich sehe ich das Skigebiet in Scuol: Häufig ähnliche Schneebedingungen (eher Schneearm), das Skigebiet hat eine ähnliche Ausdehnung. Wie ist der Vergleich heute: Scuol hat in die Infrastruktur im Tal und am Berg investiert, generiert heute 60% mehr Umsatz am Berg als Savognin Bergbahnen, und hat ein modernes attraktives Skigebiet. Ich kenne kein Skigebiet, das nur desinvestiert und heute erfolgreich ist. Offensichtlich ist dies jedoch die Strategie der Savognin Bergbahnen. 8 von 10 Anlagen sind älter als 25 Jahre, z.T. über 40 Jahre alt.
Wie kann es kommen, dass bei der in Savognin häufigen Föhnlage (im Artikel ist damit die schlechten Witterungsbedingungen gemeint) nur noch 1 Beschäftigungsanlage genutzt werden kann? Ist dies attraktiv? Kaum. Dabei wäre es möglich, wenigstens 3 Anlagen zu betreiben(1 Sektion in Radons, Skilift Naladas, und GB Tigignas-Somtgant). Mit wenig Aufwand könnte man auch zusätzliche und attraktive Pisten in mittleren Höhenlagen anbieten (z.B. die 13 im alten Pistenplan). Man müsste aber etwas investieren. Nächste Saison z.B. ist bei Föhnlagen Radons gar nicht mehr erreichbar. Sie wollen sich aber erst eine Lösung für übernächste Saison überlegen.....
Leider sehe ich auch schwarz für die Zukunft. Ich befürchte, es könnte die gleiche Situation eintreten wie in San Bernardino. Schade eigentlich um dieses schöne Skigebiet.