Petz schrieb:
Soweit mir bekannt zahlt die ÖBB schon seit Ewigkeiten Benutzungsgebühren für die Bahnstrecke über das große deutsche Eck.
Ein "Tuning" der innerösterreichischen Strecke über Zell am See und Bischofshofen würde aufgrund des Umwegs kaum eine Verkürzung der Fahrzeiten nach sich ziehen und eine Neubauverbindung Kufstein - Salzburg, die grösstenteils in Tunnels verlaufen müsste aufgrund des Aufwands im Verhältnis zu den zu erwartenden Beförderungszahlen sinnlos.
Hier wär es seitens der ÖBB wirklich sinnvoll darüber nachzudenken ob man den Schlauch Rosenheim - Salzburg in Kooperation mit der DB nicht mit erheblicher österreichischer Kostenbeteiligung beschleunigt weil das die rationellste Lösung wäre.
Wegen OT gehe ich nur kurz darauf ein:
Im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP 2030) wird die Strecke zwischen München und Salzburg über Mühldorf ausgebaut (ABS 3

; zwischen Rosenheim und Salzburg - vom 800 m langen dritten Gleis Freilassing einmal abgesehen - gibt es keinen Ausbau. Künftig werden die Fernzüge zwischen München und Salzburg also nicht mehr über Rosenheim, sondern über Mühldorf fahren.
Bei den ÖBB gibt es Vorüberlegungen, zu einer NBS Bernau - Brannenburg. Da dies aber kein Projekt des BVWP 2030 ist und auch nicht aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) finanziert werden wird, da es sich um kein Projekt des Nahverkehrs handelt, müsste diese Neubaustrecke (NBS) Österreich vollständig bezahlen. Es würde dasselbe Verfahren angewendet wie bei der Rosenheimer Schleife, die nur von der ÖBB benutzt wird. Bezahlt wurde die Rosenheimer Schleife komplett von Österreich; da die Rosenheimer Schleife aber komplett in Deutschland liegt, wurde alles von der DB Netz AG gebaut und nicht von ÖBB Infra. Der gesamte Bau wurde nach Deutschem Recht gebaut. Die EBO gilt uneingeschränkt.
Sehr gut sieht man das zwischen Bregenz und Lindau.
Sämtliche Eisenbahnstrecken im deutschen Lindau werden mit Diesel betrieben. Die ÖBB wollten aber ab 1954 von Bregenz nach Lindau elektrisch fahren. Die ÖBB finanzierten also auch die Elektrifizierung auch auf deutschem Gebiet zwischen Lindau und der Grenze D/A. Da Lindau in Deutschland eine Dieselinsel ist, gibt es in Lindau auch keine deutsche Bahnstromversorgung. Also wird der deutsche Streckenabschnitt von Österreich aus seit 1954, dem Zeitpunkt der Elektrifizierung zwischen Lindau und Bregenz, mit Strom versorgt.
Interessant ist, dass die Deutsche Bundesbahn im Jahr 1954 der Österreichischen Bundesbahn gestattete, die gesamte Elektrifizierung auf deutschem Gebiet zu bauen. Auflage war allerdings, dass die Österreichischen Bundesbahnen auf deutschem Gebiet exakt nach den Plänen der Deutschen Bundesbahn bauten. Die Österreichische Bundesbahn baute so penibel nach den Vorschriften der Deutschen Bundesbahn, dass heute nicht erkennbar ist, dass die Elektrifizierung in Deutschland zwischen Lindau und der Grenze von den ÖBB gebaut worden ist. Die Form der Ausleger, der Spanndreiecke, die Oberleitungsmasten, die Abspannung, der +- 40 cm Zick/Zack der Oberleitung von der Gleisachse aus - alles DB-Standard, gebaut aber von den ÖBB.
Die Situation ändert sich jedoch grundlegend, wenn im Dezember 2020 der elektrische Betrieb zwischen München Hbf und Lindau (ABS 4

sowie im Dezember 2021 zwischen Ulm, Friedrichshafen und Lindau aufgenommen wird. Dann wird Lindau von zwei Seiten an die deutsche Bahnstromversorgung angeschlossen und die Bahnstromversorgung auf der Strecke Lindau - Bregenz geht, soweit es das deutsche Gebiet anbetrifft, von Österreich auf Deutschland über. Dann wird auch im Fahrdraht eine Trennstelle eingebaut werden, die heute logischerweise fehlt.
Hier im Video sieht auch ein Laie, die großen Unterschiede in der Elektrifizierung zwischen Österreich und Deutschland. In Bregenz steht die Kilometertafel 10,4; gezählt wird rückwärts bis Lindau Hbf, wo die Kilometertafel 0,0 steht. Die Staatsgrenze ist bei km 5,941. Bis km 5,941 ist alles nach ÖBB-Standard gebaut, ab km 5,941 nach DB-Standard. Zu beachten auch die unterschiedliche Schrift auf den Kilometertafeln; die Kilometertafel 6,0 ist die letzte mit ÖBB-Schrift; die Kilometertafel 5,8 und dann natürlich alle weiteren sind in DB-Schrift und DB-Bauweise ausgeführt.
Für Freaks: Die ÖBB haben die deutsche Oberleitung Re 100 gebaut, erkennbar daran, das bei angelenkten Stützpunkten, also wenn der Fahrdraht zum Oberleitungsmast hingezogen wird, der Seitenhalter fehlt. Bei der Re 160 gibt es auch Seitenhalter bei angelenktem Stützpunkt. Beim umgelenkten Stützpunkt, d.h., wenn der Fahrdraht vom Oberleitungsmasten weggedrückt wird, dann gibt es auch bei der Re 100 Seitenhalter.
In der Gerade wechseln sich auf einem Gleis von einem Oberleitungsmasten zum nächsten angelenkte und umgelenkte Stützpunkte immer ab. Dabei gilt bei zweigleisigen Strecken, dass der angelenkte Stützpunkt auf einem Gleis mit dem umgelenkten Stützpunkt auf dem anderen Gleis zusammenfällt. Im Bogen hat das Gleis, wo die Oberleitungsmasten an der Innenseite stehen ausschliesslich umgelenkte Stützpunkte und das andere Gleis, wo die Oberleitungsmasten alle außen stehen, ausschliesslich angelenkte Stützpunkte. Der Zick/Zackkurs des Fahrdrahtes wird dann durch die Sekante sichergestellt.
Z.B. im Video erkennbar bei der Videozeit 5:00 und der Kilometertafel 3,8. Links umgelenkter Stützpunkt, d.h. Fahrdraht wird vom Oberleitungsmasten weggedrückt, also mit Seitenhalter; rechts angelenkter Stützpunkt, d.h. Fahrdarht wird zum Oberleitungsmasten hingezogen, bei der Re 100 also ohne Seitenhalter. Bei der Re 160 wäre selbstverständlich auch hier ein Seitenhalter vorhanden. Auf die verschiedenen Bauarten der Re 100 gehe ich jetzt aber nicht weiter ein. Wir sind ja nicht im ICE-Treff
Wir beginnen also bei der Kilometertafel 6,6 in Österreich auf der Fahrt nach Deutschland und somit 659 m vor der Grenze.
https://youtu.be/wCUhpuM64aA?t=3m20s