Seit einem Jahr sei es auf der Abfahrt besser geworden; seit mein ehemaliger Kumpel Hannes Trinkl Rennchef auf der Abfahrt wurde. Gott behüte mich dass ich zu denen gehöre, die immer sagen: "früher ist alles besser gewesen". Aber früher war es anders! Als Abfahrer galt man als Gladiator, als ein Spinner. Ein Sprung wurde so gebaut, dass die Ideallinie mehr Mut benötigte. Ein Sprung wurde so gebaut, dass nicht jeder sich getraut hat, mit Vollgas darüber zu fahren. Alleine da gab es Unterschiede, die der Zuschauer oder die Zuschauerin – ohne Experte/Expertin zu sein – zuhause sofort sehen konnte.
Ein weiterer Punkt ist, dass die Pistenmaschinen noch nicht so gut waren, wie sie es heute sind. Das hat dazu geführt, dass es auf der Strecke mehr Schläge gegeben hat und man nicht alles in der perfekten, aerodynamischen Position hatte fahren können. Schon in meinen letzten Jahren gab es mehr und mehr "Autobahnen", immer weniger musste man sich als Abfahrer überwinden. Das hat auch der Zuschauer mitbekommen.
Es geht nicht darum, jemandem die Schuld zuzuschieben. Der Vorgänger von Hannes Trinkl hatte es nur gut gemeint, aber gute Absichten hüten nicht davor, dass das Schiff in die falsche Richtung gelenkt wird. Und genau das ist meiner Ansicht nach geschehen. Hoffen wir darauf, dass es noch nicht zu spät ist, um das Ruder umzulegen. So sehr ich den Skisport liebe, aber wenn es dann schon mir langweilig wird Abfahrten zu gucken, dies obschon ich die rosarote Pro-Skibrille trage, dann ist es wirklich 5 vor 12.
Noch ein Gedanke zu den Sprintabfahrten: Wir hatten jeweils in Kitzbühel am Freitag eine Sprintabfahrt. Es war spannend, es gab ein grössesres Favoritenfeld, die Zuschauer sahen zwei Läufe und nicht wie heute einen Super G. Es gibt kaum eine geilere Abfahrt als Kitzbühel, aber als Super-G-Hang passt es einfach nicht. Die Sprint-Abfahrt in Kitzbühel war ein Spektakel - warum diese durch einen Super G ersetzt worden ist, wissen wohl nur die (Ski)Götter.