Hinter der aktuellen Debatte steckt eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich der wirtschaftliche Erfolg des Tourismus mit den Bedürfnissen der Einheimischen, dem Naturschutz und einem attraktiven Bergerlebnis vereinbaren? Mehr Gäste bedeuten Einnahmen für Hotels, Gastronomie, Bergbahnen und zahlreiche weitere Betriebe. Gleichzeitig steigen an stark frequentierten Orten die Anforderungen an Verkehr, Infrastruktur, Müllentsorgung und Besucherlenkung.
Hinzu kommt ein möglicher Zielkonflikt innerhalb der Tourismuswirtschaft selbst: Wer vor allem auf immer höhere Besucherzahlen setzt, riskiert, dass jene Gäste ausbleiben, die gerade wegen der Ruhe, der Landschaft und des traditionellen Bergurlaubs nach Südtirol reisen. Zanellas Warnung ist deshalb mehr als eine Kritik an Selfies und überfüllten Aussichtspunkten. Sie wirft die Frage auf, welchen Tourismus Südtirol langfristig fördern möchte. Entscheidend ist auch, ob die Region auch für Einheimische lebenswert bleibt – und ob Gäste dort noch finden, wofür sie gekommen sind.