Kris
Nebelhorn (2224m)
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baeckerbursch schrieb:Die Regelen wie man sich möglichst gleich schaltet müssen genau und für jeden möglichst fair definiert werden, alles andere ist gestriges "früher war alles besser"
Ist das "Gleichschalten" denn überhaupt möglich? Und falls ja, wäre dies aus humanistischer Sicht wünschenswert? Mir leuchtet schon ein, dass aus wirtschaftsmechanischer Perspektive ein möglichst homogen funktionierendes Wirtschaftssystem wünschenswert wäre, ohne den grossen Ineffizienzen und Gaunereien Griechenlands zB.
Unvermeidlich funktionieren Wirtschaftssysteme nach den Kulturen in denen sie eingebettet sind. Südlichere sind anders, waren dies seit immer und werden auch in Zukunft so sein. Die lustigen infrastrukturellen Betonbauten ohne Zweck werden nicht aus Italien verschwinden weil die politischen Strukturen nun mal solche sind, genauso wenig wie die Streiklust französischer Camioneure oder Gemüsebauern usw. Das Wirtschaftsleben ist die Summe tausender kleiner wie grosser Artefakte, die (zu vereinhetlichende) Gesetzgebung ist lediglich ein normativer Rahmen mit begrenzter Wirkung.
Der jetzt offensichtlich von der Politik (Wirtschaft wie Parteien) anvisierte Weg scheint nun diese bisweilen wenig ausformulierte "Gleichschaltung" zu sein. Man kann zwar Normatives vereinheitlichen wie zB. Steuersysteme, was aber nicht gehen wird, ist die Vereinheitlichung der Kulturen. Ein Italiener löst ein Problem nun mal anders als ein Deutscher. Rein modernistisch gesehen ist der Italiener insgesamt wahrscheinlich weniger effizient. Ditto für Spanien und Portugal.
Im einzelnen bringt jede Kultur Stärken und Schwächen in sein Wirtschaftsgeschehen ein, eine Stärke der Italiener ist zB. das intuitive Handeln, die Flexibilität und sämtliche charakterliche Eigenschaften dieser Menschen.
Aber in Spanien will man nun mal gerne lange ratschen, viel Zeit mit dies und jenem verbringen, Dinge nicht ganz zuende denken (aus Dt. Sichtweise) usw. Ditto Italien, aber auch Frankreich. Letztere wollen zB. gerne ihre nationalen Champions wie TGV und Minitel staatlich forciren, was dann irgendwann doch den Anschluss an die Volleffizienz des immer währenden Fortschritts verlieren lässt.
Die Bedingung für den Euroraum ist entweder 1.) eine vergleichbare Effizienz der verschiedenen Nationalstaaten, oder eben einen 2.) kontinuierlichen Finanzausgleich von den effizienteren Staaten hin zu den aus Dt. Sicht verplempernden Staaten.
Die Dt. Politik ist anscheinend angehalten, die Lok für Weg 1. zu spielen, und gleichzeitig für Weg 2. zu zahlen (also sich selbst weiter zu verschulden...das AAA ist auch bald weg...). Undankbarer Job.
Eines wird nicht funktionieren: Die Angleichung der Wirtschaftskraft, denn damit müsste zB. der Italiener in seinem Laufrad noch schneller laufen, um das von effizienten Staaten vorgegebene(!) Ergebnis zu erzielen. Plakativ ausgedrückt; Vielleicht müsste der Italiener 50 Stunden in der Woche schaffen, um das Gleiche zu erreichen, was der Deutsche erreicht?
Der Italiener (stellvertretend für alle lateinischen Länder) ist nun mal ein wenig ineffizienter, das ist einfach so. Und eigentlich ist das ja auch schön. Ineffizienz ist aber nur dann tolerierbar, wenn die Wirtschaftsräume nicht gnadenlos vernetzt sind (was sie aber jetzt sind, vgl. Lasterverkehr kreuz und quer durch Europa. Was braucht es in Italien eine Badezimmerarmatur von Grohe aus Deutschland? (bzw. in Amsterdam eingeschifft aus China freilich, teuer bei Grohe ist das Globale Marketing, nicht das Produkt.).
Was ist wenn man den Euro abschaffen würde? Italien u.dgl. könnte wieder abwerten was früher periodisch passierte. Geldtransfers wären ein klein wenig ineffizienter, was mangels Transaktionssteuer auch gut wäre.
Ich meine sogar, dass man andenken sollte, welche Vorteile eine Einschränkung des freien Warenverkehrs mit sich bringen würde. Der freie Warenverkehr ist ein derartig heiliges Dogma geworden, und gerade das sollte zum Nachdenken anspornen...
Nationale Artefakte könnten sich besser halten, da weniger dem hypereffizienzwettbewerb ausgesetzt.
Damit wäre zB. Leitner ein klein wenig ineffizienter (bzw. deren Technologie/Qualität wie früher einmal nicht ganz auf der Höhe von Garaventa oder DM). Damit könnten kleinere Firmen wie Graffer oder Marchisio eine wichtigere Rolle spielen.
Ineffizienz ist gewissermaßen Teil der Kultur. Also passt das auch so.
Deutschland hingegen würde in seiner gewohnten Kultur und Effizienz weiter agieren, die nationale Währung entsprechend aufgewertet. Effizienz zu steigern und gleichzeitig verantwortungsvoll und sparsam zu handeln ist durchaus eine deutsche Tugend, es ist gewissermaßen Teil der Kultur. Also passt das auch so.
Das Leben ist kein Laufrad im Sinne von ständig antreibenden Firmen, Staaten oder Banken; das Leben möchte Freude machen!
Der materielle Überwohlstand ist das uns ständig vorgekaukelte Ziel. Mein Ziel ist das jedenfalls nicht.

