Kris schrieb:
So ganz einfach ist die linie zwischen gut und böse nun doch nicht zu ziehen meine ich. Griechenland wie auch die anderen Schuldner "genossen" noch bis vor etwa 3 Jahren gemütliche Zinssätze gut unter 5%, fast eineinhalb Dekaden lang (vor der Euroeinführung gab es fixe Wechselkurse bereits einige Jahre).
Mir ging es nicht um gut oder böse. Es ging darum, dass einige Länder derzeit für extreme Summen bürgen, um den Anderen (und natürlich auch sich selbst) zu helfen. Ich persönlich erwarte dabei einfach eine sehr sorgsame Vorgehensweise und möglichst viel Kontrolle über dieses Steuergeld, das höchstwahrscheinlich irgendwann mal fällig werden wird.
Was ich momentan nicht akzeptabel finde ist, dass immer wieder Meinungen auftauchen, die Deutschland die Schuld an der Krise zuschieben wollen. Das ist meines Erachtens definitiv falsch. Die Krise kommt ja in erster Linie aufgrund von Überschuldung einiger Länder zustande.
Jedoch: Die vermurksten Strukturen in den jetzigen Hochzinsländern werkelten allesamt bereits Jahrzehnte vor sich hin, die Inlandsproduktion von Ländern wie Portugal oder Griechenland war bereits zusammengeschrumpft zugunsten des Importes aus dem Ausland.
In Anbetracht der damaligen wechselkursentwicklungen kann ich mir das kaum vorstellen. Ein Problem der Einheitswährung oder meinetwegen der fixen Wechselkurse ist ja folgender: Den weniger leistungsfähigen Volkswirtschaften wird "die Luft abgeschnürt", da sie nicht mehr durch Anpassung/Abwertung einen Wettberwebsvorteil erlangen können. Die Voraussetzungen waren zuvor mE deutlich besser, was das angeht.
Nichts war also neu.
Wo war "der Markt", dieses Magische unantastbare Wesen dessen Prinzipien wir nicht antasten dürfen (vgl. Finanztransaktionssteurn) (während diese eineinhalb Dekaden?
Der Markt hat zuvor erstens die Wechselkurse geregelt. So blieb Italien durch den Wertverlust der Lira für D-Mark Bürger über viele Jahrzehnte stets günstig.
Gleichzeitig waren die Zinsen für Lira-Anleihen natürlich tendenziell höher.
Ergebnis: Weniger Möglichkeit/Anreiz zur Verschuldung und bessere internationale Konkurrenzfähigkeit. So sehe ich es zumindest.
Ich denke, eine derartige Krise kann natürlich auch ohne Einheitswährung passieren - nur wird die Situation durch den Euro nach meiner persönlichen Meinung definitiv ungünstig beeinflusst.
Die Transaktionssteuer ist mE natürlich überfällig. Es ist nicht vermittelbar, warum zB Lebensmittel oder Handwerkerleistungen einer Umsatzsteuer unterliegen - volkswirschaftlich wertlose Finanztransaktionen aber nicht.