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Seilbahn in Wuppertal

Hildener schrieb:
(...)1. Wuppertal hat auf Grund seiner topografischen Lage sehr schwierige Verkehrsprobleme, die man sonst in keiner anderen Stadt findet.


Gerade WEIL man die Straßenbahn abgebaut hat und auf das Auto gesetzt hat, hat man diese Verkehrsprobleme.

Gerade WENN man eine schwierige topografische Lage hat, muss man die begrenzte Fläche sehr effizient nutzen. Das Auto ist mit großem Abstand das ineffizienteste Verkehrsmittel. Der Flächenbedarf ist etliche Male größer als bei einem ÖPNV-System. Als muss bei Flächenknappheit logischerweise das verschwenderischte Verkehrsmittel weichen - das ist doch völlig logisch.



Hildener schrieb:
2. Auf den Höhen und an den Hängen der Stadt gibt es reichlich attraktive und ausgesprochen schöne Wohnlagen; diese sieht man natürlich nicht, wenn man nur mit der Schwebebahn einmal durchs Tal fährt.


Das ändert doch nichts an den Planungsfehlern. Nur weil es im Stadtteil 1 schön ist, heißt das doch nicht, dass man im Stadtteil 2 Unfug bauen kann. Abgesehen davon war ich schon oft auf den Höhen. Letztes Jahr habe ich mir erst den Botanischen Garten und den Elisenturm angeschaut, nebst der ÖPNV-Erschließung. Übrigens könnte ich mir zum Botanischen Garten auch eine Seilbahn vorstellen. Selbstverständlich dann aber keine 3S, sondern einen fixgeklemmten Einersessellift.


Hildener schrieb:
An der Wupper entlang hatte sich - wie damals überall entlang der Flüsse - im späten 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Industrie entwickelt ( Friedrich Engels - das ist der von Marx und Engels - hat viele seiner Thesen auf Grund der Erfahrungen mit den Industriebossen in seiner Heimatstadt aufgestellt ), deren Verfall die Stadt bis heute kennzeichnet, vor allem unten im Tal Städtebaulich. Das ändert man nicht von heute auf morgen.


Die Industrie ist aber nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist der Straßenverkehr.


Hildener schrieb:
(...) Der Gedanke an eine Seilbahn ist m. E. innovativ und wird vielleicht einmal als wegweisend für die Lösung der Verkehrsprobleme vergleichbarer Städte sein. Wuppertal hat schon einmal vor mehr als Hundert Jahren mit der Schwebebahn ein Verkehrsmittel geschaffen, das noch heute weltweit als modern gilt.


Die 3S-Bahn ist ein wichtiger Anfang in der Verkehrspolitik, das Ruder zugunsten des ÖPNV herumzureißen. Ich könnte mir noch ein paar andere 3S-Bahnen in Wuppertal vorstellen.




Oscar schrieb:
(...)
Zu ThomasKs Statements hier und woanders frage ich mich immer woher dieses scheinbare Wissen nur kommen kann - Aber die Antwort wird man wohl nie bekommen .....



Das kann ich dir sehr gut sagen. Ich schaue mir alles mit eigenen Augen an, nehme mir Zeit und gehe kilometerlange Wege alles zu Fuß. In Wuppertal, war ich erst vor einem halben Jahr. Und da habe ich über die Planungsfehler die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.


Hier eine kleine Auswahl:

Riesige Parkplatzanlagen über den Einkaufszentren mitten in der Innenstadt zusätzlich zu riesigen Parkhäusern. Motto: Kommt doch bitte mit dem Auto überall hin. Wir machen es euch Autofahrern so bequem wie irgend möglich, damit kein Anreiz besteht, den ÖPNV zu benutzen.

Dabei lernt man in der Verkehrsplanung, dass neben der Differenz der Grenzkosten für die n + 1. Fahrt, der Differenz der von-Haus-zu-Haus-Reisezeiten die Parkplatzsuchzeit im Zielgebiet das wichtigste Kriterium dafür ist, ob mit dem MIV oder ÖPNV gefahren wird.

Die Fußgänger spielen in der Wuppertaler Verkehrsplanung nicht die geringste Rolle. Als ich von Elberfeld nach Oberbarmen zu Fuss ging, schaute ich mir die Verkehrsführung am Alten Markt an. Wäre nicht die Schwebebahn, dann hätte ich gedacht, ich sei in Atlanta oder Los Angeles. Das Auto macht sich an der Oberfläche breit wie in den USA. Der Fussgänger wird in eine dreckige Unterführung gedrückt. Etliche Zugänge zur Unterführung sind gar nicht barrierefrei. Was machen denn Rollstuhlfahrer? Was machen Kinderwagenfahrer? Selbstverständlich keine Ampel, mit der der Fussgänger über die Straße kommen könnte. Schließlich soll der Bleifußautofahrer ja so wenig wie möglich behindert werden.

Hier ein Bild vom Alten Markt (Rechts die Schwebebahn): http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wuppertal_-_Straßenkreuzung_Alter_Markt_(Parkhaus_Alter_Markt)_02_ies.jpg

Motto der Stadt Wuppertal: Ihr umweltfreundlichen Fußgänger seid der letzte Dreck, wir machen Politik nur für das Auto.

Die Straßenbahn musste Schritt für Schritt dem Autowahn weichen. Da viele Straßenbahnlinien keinen eigenen Bahnkörper hatten, wurden sie still gelegt, um den Autoverkehr nicht zu behindern.

Dabei hatte Wuppertal ein fantastisches Straßenbahnnetz, was sogar noch größer war, als das Straßenbahnnetz Münchens. Das muss man sich mal vorstellen! Man konnte mit der Straßenbahn nicht nur im Talkessel fahren, sondern auch noch ins Umland und auf die Höhen. Das Straßenbahnnetz war sogar so riesig, dass man 1000 mm und 1435 mm Strecken hatte.

Es wird Jahrzehnte dauern, die gewaltigen Planungsfehler wieder auszubessern!

Die 3S-Bahnen wären für Wuppertal eine sehr gute Ergänzung des Straßenbahnnetzes. In Wuppertal braucht man beides. 3S-Bahnen und Straßenbahnen.
 
ThomasK schrieb:
Hildener schrieb:
(...)1. Wuppertal hat auf Grund seiner topografischen Lage sehr schwierige Verkehrsprobleme, die man sonst in keiner anderen Stadt findet.
Gerade WEIL man die Straßenbahn abgebaut hat und auf das Auto gesetzt hat, hat man diese Verkehrsprobleme.
Das ist eine Vereinfachung, die mit der Realität nicht viel zu tun hat. Straßenbahnen verloren spätestens in den 50er und 60er Jahren vor allem deshalb ihre Effektivität und Wirtschaftlichkeit, weil durch den steigenden Wohlstand und die Suburbanisierung die Einwohnerdichte abnahm und die DIstanzen stiegen. Man kann mit einer Linie bzw. einem Haltepunkt bei geringerer Einwohnerdichte entsprechend weniger Menschen bedienen, was für den ÖPNV ein Nachteil ist.

Gerade WENN man eine schwierige topografische Lage hat, muss man die begrenzte Fläche sehr effizient nutzen. Das Auto ist mit großem Abstand das ineffizienteste Verkehrsmittel. Der Flächenbedarf ist etliche Male größer als bei einem ÖPNV-System. Als muss bei Flächenknappheit logischerweise das verschwenderischte Verkehrsmittel weichen - das ist doch völlig logisch.
Es ist völlig verwegen zu denken, dass man den MIV, abgesehen von kleineren Bereichen wie Fußgängerzonen, einfach verbannen kann - erst recht bei einer Siedlungsstruktur, wie wir sie in deutschen Großstädten haben. Der ÖPNV kann (und sollte, in Großstädten) den MIV zu einem unterschiedlichen Grad ergänzen und das MIV-Aufkommen reduzieren, aber ihn vollständig zu ersetzen ist absurd.

Oscar schrieb:
(...)
Zu ThomasKs Statements hier und woanders frage ich mich immer woher dieses scheinbare Wissen nur kommen kann - Aber die Antwort wird man wohl nie bekommen .....

Das kann ich dir sehr gut sagen. Ich schaue mir alles mit eigenen Augen an, nehme mir Zeit und gehe kilometerlange Wege alles zu Fuß. In Wuppertal, war ich erst vor einem halben Jahr. Und da habe ich über die Planungsfehler die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.
1. Es wurden sicherlich in der Vergangenheit so einige Planungsfehler gemacht (Großwohnsiedlungen sind ein eindrückliches Beispiel), aber dieses blinde Einschlagen auf die bösen Planer geht völlig an der Realität vorbei.

2. Aus gutem Grund sind Ortsbesichtigungen in der Verkehrsplanung neben Luftbildern, Karten, Daten zu den Verkehrsströmen etc. nur ein Mittel, um einen Überblick über die lokalen Gegebenheiten zu erhalten. Es gibt einfach Dinge, die man durch eine Ortsbesichtigung nicht erkennen kann.

Riesige Parkplatzanlagen über den Einkaufszentren mitten in der Innenstadt zusätzlich zu riesigen Parkhäusern. Motto: Kommt doch bitte mit dem Auto überall hin. Wir machen es euch Autofahrern so bequem wie irgend möglich, damit kein Anreiz besteht, den ÖPNV zu benutzen.
Nimmst du die Parkmöglichkeiten einfach weg, machst du damit den ÖPNV attraktiver, um genau dieses Einkaufszentrum zu erreichen, das stimmt. Gleichzeitig machst du damit aber für Autofahrer den Einkauf in der Innenstadt insgesamt unattraktiver und schaffst einen Anreiz, stattdessen die Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu besuchen, welche für den Autoverkehr hervorragend erschlossen sind.

Dabei lernt man in der Verkehrsplanung, dass neben der Differenz der Grenzkosten für die n + 1. Fahrt, der Differenz der von-Haus-zu-Haus-Reisezeiten die Parkplatzsuchzeit im Zielgebiet das wichtigste Kriterium dafür ist, ob mit dem MIV oder ÖPNV gefahren wird.
Eben nur, wenn zwangsläufig genau dieses Zielgebiet angefahren werden muss.

Die Fußgänger spielen in der Wuppertaler Verkehrsplanung nicht die geringste Rolle. Als ich von Elberfeld nach Oberbarmen zu Fuss ging, schaute ich mir die Verkehrsführung am Alten Markt an. Wäre nicht die Schwebebahn, dann hätte ich gedacht, ich sei in Atlanta oder Los Angeles. Das Auto macht sich an der Oberfläche breit wie in den USA. Der Fussgänger wird in eine dreckige Unterführung gedrückt. Etliche Zugänge zur Unterführung sind gar nicht barrierefrei. Was machen denn Rollstuhlfahrer? Was machen Kinderwagenfahrer? Selbstverständlich keine Ampel, mit der der Fussgänger über die Straße kommen könnte. Schließlich soll der Bleifußautofahrer ja so wenig wie möglich behindert werden.

Hier ein Bild vom Alten Markt (Rechts die Schwebebahn): http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wuppertal_-_Straßenkreuzung_Alter_Markt_(Parkhaus_Alter_Markt)_02_ies.jpg

Motto der Stadt Wuppertal: Ihr umweltfreundlichen Fußgänger seid der letzte Dreck, wir machen Politik nur für das Auto.
Das wirkt in der Tat nicht optimal gelöst, wobei ich mich vor Ort nicht auskenne. Was aber entscheidend ist: so etwas lässt sich nicht von jetzt auf gleich umbauen, weil man sämtliche Verkehrsströme angemessen berücksichtigen muss und dazu noch eine Menge Geld benötigt. Einfach mal die Straßen dort zurückzubauen und es für Fußgänger attraktiver zu machen bedeutet einen garantierten Verkehrsinfarkt. All diese Autos kommen schließlich irgendwo her und wollen irgendwo hin, weshalb es fatal wäre, nur einen solch kleinen Bereich zu betrachten.
 
Herrlich. Bei deinem Wissen, ThomasK, bist du sicher längst hochbezahlter Berater für Verkehrprobleme. Du bleibst genauso unkonkret wie diese Berater und übergehst Fragen einfach.
 
Cool :biggrin: Ich habe von dem Verhalten der Unternehmensberatern, die bei uns in die Firma kommen geschlossen.
 
Schade, schade, schade! Da haben die Ängste doch bei vielen Wahlberechtigten gesiegt, nach dem Bau der Seilbahn vom ÖPNV abgeschnitten zu werden, sofern man nicht in der Nähe einer Station wohnt. So war es zumindest in Gesprächen mit einigen Wuppertalern zu hören. Persönlich hätte ich mir schon gewünscht, dass endlich mal eine deutsche Stadt ein solches ÖPNV-Projekt (welches auch als solches geplant war und somit anders als Koblenz) angeht und letztendlich umsetzt, um den Kritikern zu zeigen, dass Seilbahnen kein Firlefanz sind, der in hochalpines Gelände gehört. Leider sind die Stimmen hier in Düsseldorf ganz ähnlich, wo die Planungen im Osten der Stadt als Humbug dargestellt werden. Mal sehen, wie es weitergeht...
 
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