ralleycorse schrieb:
Endmoräne schrieb:
Wäre hier sicherlich weniger ein Problem, aber bitte nicht so tun, als wären Vektorkarten ein vollwertiger Ersatz für topographische Rasterkarten. Wenn man mit Vektorkarten arbeitet und zudem plant, die eingezeichneten Wege zu verlassen, ist es umso wichtiger einen guten Track zu haben. Auch sind Sommer- und Winterwege häufig nicht identisch. Andernfalls können unter ungünstigen Bedingungen schlimme Dinge geschehen, man denke etwa an das tragische Unglück auf der Haute Route 2018, bei dem sieben Menschen in unmittelbarer Nähe der rettenden Hütte erfroren sind, weil sie im Sturm trotz vorhandener OSM-Karte eine komplexe Geländesituation ohne Track nicht aufzulösen vermochten.
Durchaus sinnvoller Hinweis!
Nicht auszudenken wenn man nur ein Handy hat und das dann leer wird oder nicht mehr funktioniert.
Also immer mind. ein Backup dabei haben!!
Wobei ich schon einen eklatanten Vorteil ggü. Papierkarten sehe: Man weiss immer zumindest auf 10-20m genau wo man ist. Daher ist mir völlig unklar warum die bei der Haute Route nicht wussten wo sie waren...
Sie wussten tatsächlich genau wo sie waren. Die Stelle wird durch einen großen Cairn markiert. Sie hatten sogar die in der Luft hängende Wasserleitung zur Hütte bereits gefunden und auch als solche identifiziert!
Sturmbedingt funktionierte das Handy des Bergführers, so wie auch die der anderen, nicht mehr. Das einzige was sie hatten war ein Garmin Etrex Legend eines Teilnehmers. Die darauf befindliche Karte wird in der Dokumentation des SRF als "Sommerkarte" bezeichnet. Aus Veröffentlichungen im unmittelbaren Nachgang des Unglücks ließ sich aber ableiten, dass es sich um eine Version der OSM handelt. Das, was im Film als der "Track" bezeichnet wird, den sie irgendwann gefunden haben, ist der auf dieser bis in eine Höhe von etwas über 3600m eingezeichnete Sommerweg von der Vignettes-Hütte über den Glacier de Pièce in Richtung Pigne d'Arolla. Auf diesem sind sie bis zum Cairn, etwa 500m Luftlinie von der Hütte, gelangt. Im Winter gibt es von dort zwei Wege zur Hütte:
1. Der Normalweg, welcher weit nach Süden ausholend eine Abfahrt auf den Otemmagletscher vorsieht, wo man erneut anfellt und sich nach Norden wendend in den Col des Vignettes begibt.
2. Der Direktweg, welcher bei guten Verhältnissen eine Abfahrt unmittelbar in den Col ermöglicht. Von dort in beiden Fällen zu Fuß flach knapp 250m nach Westen zur Hütte (3min).
Der auf der OSM verzeichnete Sommerweg entspricht keiner der oben genannten Varianten. Der Direktweg erfordert das Finden eines Durchschlupfs an einer Felsrippe. Sie wussten, dass es diesen Durchschlupf gibt, haben ihn aber sturm- und erschöpfungsbedingt nicht finden können. Zur Verwirrung hat auch die Wasserleitung beigetragen, weil sie ja wussten, dass sie direkt zur Hütte leitet, man sich aber in Wirklichkeit von dieser wegbewegen muss. Wenn man nicht weiß, wo es lang geht, denkt man dann natürlich, man läuft falsch.
Die Felsformationen sind auf der OSM nicht erkennbar. Dafür braucht es die Topo-Rasterkarte. Und selbst dann wird es ohne den Skitrack im White-Out sehr schwer.
Zu all dem muss man wissen, dass 1. das Mitführen eines echten GPS-Geräts für Bergführer nicht vorgeschrieben ist (in meinen Augen ein Skandal, aber die Lobby der Alten ist nach wie vor zu stark). 2. Obwohl das Landesvermessungsamt der Schweiz seine digitalen Karten bereits lange Jahre vor dem Unglück kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, was es mittels verschiedener Apps erlaubt, diese gratis aufs Handy zu laden, kostete die Garmin-Version der Swiss Topo zum damaligen Zeitpunkt noch stramme 300 CHF (inzwischen immer noch happige 130CHF). 3. Der ursprüngliche Plan der Gruppe sah vor, statt auf Vignettes zur Nacamuli-Hütte zu gehen. Das Garmin Legend des Teilnehmers verfügt jedoch nur über 20 Trackspeicherplätze zu je 500 Punkten. Das ist überaus knapp. Selbst wenn er sich für die Tour vorsorglich entsprechende Tracks besorgt haben sollte, hätten diese nicht zur Vignettes-Hütte geführt. Wäre natürlich doppelt tragisch gewesen, weil der Weg zur Nacamuli natürlich dem ersten Stück des Normalwegs zur Vignettes entspricht, nämlich bis auf den Glacier d'Otemma. In dem Fall hätte es natürlich auch von Anfang an einen Track gegeben, dem sie hätten folgen können.