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Sind Skifahrer schlechte Menschen?

McMaf

Wildspitze (3774m)
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03. Okt. 2003
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Als ich beim Lesen der Kommentareinträge dieses Artikels http://www.taz.de/Wintersport-Tourismus-im-Harz/!102606/ u.a. mit folgender Meinung konfrontiert wurde

Ski-Sport ist sowieso ein Idioten-Sport und langfristig dem Tod geweiht - zu Recht.
Es gibt tausende weniger umweltschnädliche Sportarten, die zudem gesünder sind und weniger unfallträchtig, wie diese Knochenbrecher- und Sehnenverdreher-Tätigkeit.

stellte ich mir die Frage, sind Skifahrer schlechte und/oder ignorante Menschen? Immerhin verbrauchen Skifahrer für ihr Hobby viel Platz, der dazu meist in sensibleren Bereichen zur Verfügung gestellt werden muss. Durch Schneekanonen und sonstige skitechnische Infrastruktur fügen wir unserer Umwelt mit unter erhebliche Schäden zu oder beeinträchtigen diese zumindest. Außerdem belasten wir durch unser unvernünftiges risikobehaftes Hobby die Sozialsysteme. Sind wir alle egoistische Arschlöcher oder lässt sich unser Hobby in der heutigen Gesellschaft noch schlüssig rechtfertigen? Ich gebe die Frage mal in die Runde.

Das Thema könnte man auch im Kontext der Überlegungen von Dr. Stein diskutieren. Wenn Schneeschuhwandern schwul macht und Klettersteige Blasenschwäche verursachen, könnte der Skisport nicht die Folge einer schlechteren Gesinnung sein, sondern diese erst induzieren.
 
Was die Frau Hydrologin so alles ablässt.... zum Glück sagen die Kommentatoren mal wieder die Wahrheit - ok, bis auf den einen....
Und - nein, Skifahrer sind keine schlechten Menschen, ohne Tourismus sähe es in den Bergen - und bei uns hier - schlecht für die Einheimischen aus. Gerade der Westharz hat extrem Nachholebedarf.
 
Bevor man das Skifahren einschränkt, müsste man

- den Fußballern die Stollen an den Schuhen verbieten, da die meisten Kreuzbandrisse von verdrehten Knien beim Fußball kommen
- den Fußballern Kopfbälle verbieten oder einen Schutz vorschreiben wie Petr Cech ihn trägt
- touristische Flugreisen generell verbieten oder mit einer extremen Umweltabgabe belegen
- analog dazu das Subventionieren von überdimensionierten Regionalflughäfen verbieten

Wenn ich mit dem Zug und/oder Bus in ein Wintersportgebiet fahre, kann ich für einmal Malle fünfmal Skiurlaub machen - und wenn ich mit dem Auto fahre, immer noch dreimal: http://www.wwf.de/zwei-wochen-mallorca-verursachen-eine-tonne-co2/

Wenn ich mir dann noch einen Ort aussuche, der mit Fernwärme aus Hackschnitzeln versorgt wird und Strom durch ein Abwasserkraftwerk gewinnt, bin ich fast so umweltfreundlich wie wenn ich zuhause bleibe. Bloß fallen dann Folgekosten wegen Bewegungsarmut und Winterdepression an ;-)
 
Bin noch über diese interessanten Vergleiche gestolpert - vielleicht ganz hilfreich für ähnliche Diskussionen in der Zukunft:

Energieverbrauch einer Beschneiungsanlage im Vergleich zu anderen Freizeiteinrichtungen

Ein Hallenbad z.B.

http://portal.wko.at/wk/dok_detail_file.wk?angid=1&docid=1402946&conid=495037

Sportbad ---- Kleinbad
50x25m ------ 25x12m
2m tief ------- 1,80-1,20
1250 m² ------- 300 m²
2500 m³ ------- 450 m³
1.625 MWh --- 390 MWh Strom pro Jahr
60.000 m³ ---- 10.800 m³ Wasser pro Jahr
3.500 MWh --- 840 MWh Heizenergie pro Jahr


andere Quelle:

Mittelgrosses Skigebiet einschneien 325'000 kWh
Grosses Skigebiet einschneien 550'000 kWh
Kunsteisbahn Zürich, offen 800'000 kWh
Hallenbad in den Bergen 820'000 kWh

Bei ca. 4 kWh pro m³ Schnee und einem Wasserverbrauch von 0,33 bis 0,5m³ pro m³ Schnee ergibt das für ein mittelgroßes Skigebiet 27.000 bis 40.000 m³ Wasser fürs Einschneien.

Realistisch ist der dreifache Verbrauch wegen Nachschneiens, also ein Wasserverbrauch von ca. 100.000 m³ pro Jahr und ein Stromverbrauch von 1.000.000 kWh
Für ein großes Skigebiet wären es ca. 50% mehr, also 150.000 m³ und 1.500.000 kWh

Ein mittelgroßes Skigebiet hat ca. 500.000 Skigäste ( z.B. Flumserberg: über 600.000 "Ersteintritte" in einem guten Jahr, in einem schlechten Jahr sind es ca. 20% weniger Fahrten)

Zum Vergleich: das neue Westbad München plant ebenfalls mit 500.000 Besuchern pro Jahr (vor der Renovierung: 170.000)

Der Jahresstromverbrauch wird mit 2.700.000 kWh angegeben, der Wasserverbrauch mit 100.000 m³

Dazu kommen noch 3.500.000 kWh Wärmebedarf nur fürs Heizen des Hallenbades. Die Liftanlagen eines mittelgroßen Skigebiets brauchen in Strom weniger kWh ...

Zwei große Unterschiede gibt es allerdings:
- ins Schwimmbad reist man normalerweise nicht ein paar 100km an
- ein Schwimmbad wird mit mind. 50% der Betriebskosten subventioniert (beim alten Münchner Westbad betrug der Deckungsgrad sogar nur 20%)

sind jetzt Hallenbad- und Saunafans schlechte Menschen oder Sozialschmarotzer? :wink:

noch mehr Infos:

Umwelterklärung der Skilifte Lech a.A
Studie "Umweltbelastungen verschiedener Ferienszenarien"für den WWF, gilt allerdings für Schweizer (also vergleichsweise kurze Anreise ins Skigebiet)
 
Danke, McMaf, für das Verlinken dieses interessanten Interviews.

Nun, was ich so gehört habe, ist Frau de Jong in der Fachwelt nicht ganz unumstritten. Vor einigen Jahren ist sie mit der These in den Medien hausieren gegangen, dass wegen der Beschneiung die Berge Savoiens austrocknen würden...

Was Deine Hauptfragestellung anbelangt würde ich sagen, dass man es sicherlich so nicht pauschalieren kann. Skifahren hat sicherlich etliche ökologische Nachteile, die hat aber unser gesamter Lebensstil, dessen Teil Massenskitourismus seit über 50 Jahren nun ist. Was mich stört ist, dass Skifahren oder Beschneiung (früher v.a. auch Sommerskifahren) in den Medien gerne eine Sündenbock-Funktion für alle negativen Aspekte des Tourismus zugeschrieben wird, ob nun zu Recht oder nicht, das sei dahingestellt. Bevor in den Alpen Wassermangel wegen der Beschneiung auftritt, gibt es z.B. am gesamten Mittelmeerbereich viel größere Probleme wegen Trinkwasserversorgung, Swimmingpools, Bewässerung (z.B. von Golfplätzen). Skifahren macht einen, m.A. nach also nicht per se zum schlechten Menschen.
 
Ist zwar schon etwas älter.

Aber was Emilius sagt ist in diesem Winter wieder sehr auffällig. Alle paar Tage läuft doch eine Doku in der der Skitourimus grundsätzlich schlecht gemacht wird - vor allem natürlich der Kunstschnee.

Aktuelles Beispiel im ZDF:
Wintertraum aus Schneekanonen
Derzeit hat uns der Winter fest im Griff, doch das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Klimawandel im Alpengebiet massiv voranschreitet. Das ewige Eis in den Gletscherregionen schmilzt, die Schneefallgrenze steigt immer weiter nach oben. Studien belegen: Sichere Skigebiete wird es in Zukunft erst ab 1500 Meter geben. Das bringt deutsche wie auch österreichische Wintersportgebiete in Bedrängnis. Ihre Antwort auf die Klimaerwärmung: Schneekanonen. Doch der künstliche Wintertraum hat verheere Folgen. Mehr dazu am Sonntag, dem 27.01.2013 um 13.30 Uhr.

Ich habe im Sauerland für eine Reportage mit dem Alpenverein über die Beschneiung und ihre Folgen gesprochen: Die sehen das positiv, die Wiesen sind im Frühjahr wesentlich besser erhalten, es wachsen dort sogar wieder Pflanzen, die eigentlich schon aus dem Sauerland verschwunden waren.

Natürlich bleiben Skigebiete und ihre Infrastruktur ein Eingriff in die Natur, aber solange der Eingriff einigermaßen konzentriert bleibt ist das zu verschmerzen. Ein Ausbau der bestehenden Gebiete ist imho nicht mehr nötig.
Wie chianti schon geschrieben hat, man kann mit der Bahn in den Urlaub fahren oder zumindest vor Ort die Skibusse nutzen - dann fällt der ökologische Fußabdruck relativ gering aus.
 
Natürlich nicht; genauso wenig wie alle anderen Touristen. Aber- was ich nicht verstehen kann ist:warum muß man im Hochsommer Skifahren? Ich finde, man sollte alle Sportarten Jahrezeitengemäß betreiben.
 
Gegenfrage: warum muss man im Winter zum Tauchen oder Strandurlaub um die halbe Welt fliegen? Oder - jahreszeitenunabhängig - zum Shoppen?

Die Handvoll Sommerskigebiete, die es noch gibt, sind gegen diesen ökologischen Wahnsinn Waisenknaben ...
 
chianti schrieb:
Gegenfrage: warum muss man im Winter zum Tauchen oder Strandurlaub um die halbe Welt fliegen? Oder - jahreszeitenunabhängig - zum Shoppen?

Die Handvoll Sommerskigebiete, die es noch gibt, sind gegen diesen ökologischen Wahnsinn Waisenknaben ...

Finde ich genauso unsinnig,würde ich auch nicht machen, da gibt es noch mehr Beispiele, z.B. für 1 oder 2 Tage irgendwohin fliegen,oder in der Wüste Ski fahren....
Aber es gibt für alles Leute und solange es angeboten wird.........
Muß halt jeder für sich entscheiden,was er macht...
Ich würde diese Menschen auch nicht als "schlecht" bezeichnen,eher als ein wenig gedankenlos.
 
Merkwürdigerweise löst Skifahren bei gewissen Menschen Standardreflexe aus. Ander Sportarten und Freizeitbeschäftigungenwerden dagegen niemals kritisert: Eishokey, Autorennen, Grossveranstaltungen (Katholikentag, Papbstbesuch, Fussbalspiel, ZDF-Musikantenstadel usw.)
Der Grund liegt wohl darin, dass Skifahren in der freien Natur stattfindet und nicht in der Stadt, wo man die Natur schon vernichtet hat, und das Schneekanonen leicht zu anderen Assoziationen wie Schneemangel und Klimawandel verführt.
 
schneesucher schrieb:
Merkwürdigerweise löst Skifahren bei gewissen Menschen Standardreflexe aus. Ander Sportarten und Freizeitbeschäftigungenwerden dagegen niemals kritisert: Eishokey, Autorennen, Grossveranstaltungen (Katholikentag, Papbstbesuch, Fussbalspiel, ZDF-Musikantenstadel usw.)
Der Grund liegt wohl darin, dass Skifahren in der freien Natur stattfindet und nicht in der Stadt, wo man die Natur schon vernichtet hat, und das Schneekanonen leicht zu anderen Assoziationen wie Schneemangel und Klimawandel verführt.

Abgesehen davon,daß Autorennen (Motorradrennen,etc.)für mich keinen Sport im eigentlichen Sinne darstellen,(sinnloses im Kreis herumfahren),finde ich das eine völlig überflüssige Energieverschwendung.Aber diese abtrünnigen Millionär-"Sportler" werden auch noch öffentlich besonders hofiert.
 
Bin ich auch "Millionaä-Sportler", wenn ich auf ne Kartbahn gehe?^^
Hast du wahrsch. noch nie gemacht, oder?! Sonst wüsstest du, dass es durchaus ein Sport ist. Wie "sinnvoll" dieser ist, ist eine andere Frage. Aber welche Freizeitaktivität des Menschen ist schon "sinnvoll"?^^
 
Motorsport ist absolut ein Sport, sollte jeder mal probieren der meint es wäre kein Sport.
 
"Aber welche Freizeitaktivität des Menschen ist schon "sinnvoll"?^^"

Das muß jeder für sich entscheiden.Es kann auch jeder machen was er will,das war nur MEINE Meinung.Ansonsten bin ich der Ansicht:
"Leben und leben lassen,jeder soll nach seiner Fasson selig werden."
 
matterhorn48 schrieb:
"Leben und leben lassen,jeder soll nach seiner Fasson selig werden."

Da fehlt jedoch noch ein Aspekt: Der Fussabruck des eigenen Handelns, die Auswirkungen auf andere. Als einzelner in der Masse. Heisst nicht dass man jetzt nicht mehr skifahren soll, aber zumindestens ein wenig reflektieren darüber, welche Auswirkungen das auf den Naturraum übertragene Dogmata des unbegrenzten Wirtschaftswachtums hat. Diesem Thema wird gerne ausgewichen im Alpinfoum aus naheliegenden Gründen ...
 
Ich bin mir bewusst, dass mein Hobby Ski fahren die Umwelt relativ stark belastet, und darum versuche ich das in meinem übrigen Leben so gut wie es geht zu kompensieren. Ich fahre viel ÖV, kaufe viele Bioprodukte und wenn möglich aus der Region, bevorzuge fairtrade bzw. fair hergestellte Artikel bei ausländischen Erzeugnissen, achte auf die Saison von Lebensmittel, in der Wohnung wird im Winter nur auf etwa 20° geheizt etc. Immer wieder mal überlege ich mir, ob ich Vegetarier werden soll, aber dazu bin ich wohl zu sehr Geniesser! :wink:
 
Hm, ich kompensiere also die langen Autofahrten in die Skigebiete damit, dass ich mir hauptsächlich Skigebiete mit <10 Liften und vielen SL oder DSBs und wenig/keiner Beschneiung aussuche, anstatt Großgebiete mit 8KSBs und so .. ;-)
 
"Die planen, da fast 200 Schneilanzen aufzustellen! Allein am Wurmberg sollen es 120 sein, und dann noch mal 70 am Winterberg, in fünf Kilometer Entfernung! Für nicht einmal 20 Kilometer Piste! Das ist eine unerhörte Dichte: Die megagroßen Skigebiete in den Alpen, Val de Torrence etwa, die haben für Hunderte von Pisten-Kilometern höchstens 500 Schneekanonen – was ja katastrophal genug ist."

Ich finde, so schön das Skifahren auch ist, irgendwo reicht es auch. Wir sollten mit den Ressourcen unsers Planeten besser haus halten. Dieses Skigebiet im Harz - und darum geht es ja - ist vollkommener Quatsch. Wie soll das denn funktionieren. Demnächst kommen die in Bonn noch auf die Idee und wollen das Siebengebirge zum Skigebiet umfunktionieren. Is ja kein Problem mit 1000 Kanonen.....
 
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