Ich habe mir über das Thema bereits viele Gedanken gemacht. Ich warne vor einem langem Text und nehme das Risiko in Kauf, dass meine Mutmaßungen schlecht altern werden. :lol:
Auf der einen Seite kann man ungeachtet der Inflation den steigenden Aufwand hinsichtlich der Komplexität des Skibetriebs nachvollziehen. Es beginnt bei steigenden Kosten für Technik, Anlagen, Wartung und Instandhaltung. Man muss kein Finanzexperte sein, um sich auszurechnen, dass die Wartung eines Schlepplifts an der unbeschneiten Piste im Jahr 2000 auch inflationsbereinigt günstiger ist, als jene bei der 6er-KSB am gleichen Hang inkl. Beschneiungsanlage im Jahr 2025. Auch steigende Lohnkosten sind allgegenwärtig und können nicht wegdiskutiert werden. Auch der steigende Wunsch nach Komfort spiegelt sich in den Kostenstrukturen wieder. Der durchschnittliche Skigast hat heutzutage eben höhere Ansprüche an die Pistenpräparierung, die Aufstiegshilfen und die Quantität des Angebots, als das früher der Fall war. Es ist völlig logisch, dass das Aufwände und letztlich auch die Preise steigert.
Auf der anderen Seite muss man davon ausgehen, dass sich die Skigebietsbetreiber im Klaren über ihre (mittlerweile) vorhandene Zielgruppe und deren in weiten Teilen fehlende Preissensibilität sind. Egal wie groß die Preissprünge der letzten Jahre waren, egal wie viele Medienhäuser schlecht recherchierte Artikel zum Thema "Günstig Skifahren" veröffentlichten und egal wie viele Facebook-Ingos kommentierten "Tja, schade. Dann geht es für uns wohl nicht mehr nach Wagrain

" ... am Ende sollten die Massen dennoch kommen und jene Recht behalten, die unter Ingos Kommentar schrieben "Meinen Skiurlaub gönne ich mir trotzdem!". Die Preise orientieren sich zwar nach wie vor am Vergleich mit der Konkurrenz, jedoch wird das qualitative und quantitative Angebot nicht in Relation gesetzt und nach einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis als Kundenbindungsargument gestrebt. Vielmehr spielt es eine Rolle, wo man die Schmerzgrenze der (potentiellen) Kundengruppe vermutet und mit wem man sich vergleichen WILL und nicht MUSS. Im Umkehrschluss ist damit auch zu erklären, warum der Innovationsgedanke in der Branche gering ist, da es nicht um Kostenreduktion, sondern um die Attraktivierung und die Steigerung von Komfort und Angebot geht. Es besteht schlicht kein Interesse daran, Personal durch technische Anwendungen einzusparen, zumal die Schaffung von Arbeitsplätzen als das zentrale Argument gilt, um in touristisch geprägten Regionen eine starke Position zu haben.
Um eine Prognose zur Preissteigerung für Skipässe der kommenden Saison zu treffen, sind Inflationsraten für Energie, Personal, technische Komponenten oder andere relevante Bestandteile sicherlich nicht der ausschlaggebende Punkt. Für viele Betreiber wird es eher darum gehen, die Spielräume der eigenen Kundengruppen auszuloten. Ich gehe demnach davon aus, dass die prozentualen Steigerungen für die neue Saison zwischen einzelnen Destinationen stark voneinander abweichen werden. Es ist davon auszugehen, dass "die Großen", die sich trotz hoher Preise großer Beliebtheit erfreuen, erneut als Preistreiber fungieren. Darüber hinaus werden Gebiete, die von Tagestouristen und dem Trend zu kürzeren Aufenthalten profitieren, wie in den Vorjahren in überdurchschnittlichem Maße aufschlagen. Im Mittelgebirge werden wir mit geringeren Aufschlägen rechnen können, aber nur abseits von Arber, Feldberg und Co., welche sich mit alpenländischen Gebieten vergleichen.
Zum Thema Kosten- und Preisspirale bei Skigebieten kann man viel recherchieren, findet jedoch nur wenig konkrete Angaben. So ganz werden wir also nie wissen, inwiefern die Preissteigerungen bei Skitickets von Kosten oder Gier getrieben werden. Im Bereich der Gastronomie und Hotellerie erleben wir im Übrigen gerade die identische Situation. Es würde jedoch sowohl das Thema dieses Threads als auch die Länge des Textes sprengen, sollte ich dieses Thema ebenfalls aufgreifen wollen. Sollte jemand hierzu eine Aufstellung wissen, würde diese mich sehr interessieren.
Wer meine Beiträge liest, wird sehen, dass meine Berichte häufig aus dem Mittelgebirge stammen und ich eher in der Schlick2000 anstatt am Stubaier Gletscher meine Schwünge ziehe oder in Hochoetz anstatt in Sölden unterwegs bin. Ich bin ein Kind des untersten Mittelstands, der sein Geld zusammenhalten muss, um sich sein Hobby in der aktuellen Form zu finanzieren. Gerade deswegen liegen mir die Skipasspreise als Diskussionsthema am Herzen.