Jap, ich!
Ich präparier meine Ski grundsätzlich selbst. Das gliedert sich grob gesagt in drei Arbeitsschritte: Belag ausbessern, Kanten schleifen und Wachsen.
Beim Belag ausbessern werden die Beschädigungen, die durch Steine u. ä. hervorgerufen werden, mittels einer zu erhitzenden Kunststoff-Masse aufgefüllt. Dabei gibts verschiedene Möglichkeiten, von Stäben, die man vorne anzünden muss und dann die flüssige Masse in die beschädigten Stellen tropfen lässt, bis hin zu professionellen Werkzeugen ähnlich zu Heissklebepistolen.
Überstehende Reste werden mit einer groben Karosseriefeile entfernt.
Belag ausbessern ist relativ simpel - wenn man über ein klein wenig handwerkliches Geschick verfügt und weiss, auf was man achten muss.
Kanten schleifen ist schon etwas diffiziler. Dabei werden zunächst mittels eines Schleifsteins Rost und Grate entfernt, die auf harten Pisten oder beim Touchieren von Steinen eigentlich immer entstehen. Nachdem sämtliche Grate entfernt sind, wird die Kante aussen geschliffen, wobei man im Neigungswinkel zwischen 88° (extrem bissige Kante, aber praktisch keine Drehfreudigkeit mehr) und 90° (scharfe Kante bei wesentlich besserer Drehfreudigkeit) variieren kann.
Anschliessend sollten die beim Schleifen zwangsläufig entstehenden Grate belagsseitig entfernt werden, da sonst eine Art "Schienen-Effekt" auftreten kann und der Ski wesentlich schwerer zu drehen ist.
Im professionelleren Bereich (Rennsport usw.) wird oft noch die Kante um ca. 1° belagseitig hinterschliffen, was die Drehfreudigkeit des Skis zusätzlich erhöht.
Beim (Heiss-)Wachsen wird mittels einer Art "Bügeleisen" das Wachs in den Belag eingebügelt. Anschliessend wird mittels einer Kunststoff-Klinge wieder 99% des Wachses abgezogen, so dass nur ein hauchdünner Film auf dem Ski verbleibt (alles andere bremst!!). Schliesslich wird der mit Wachs überzogene Belag ausgebürstet, damit die Struktur des Belages wieder hervortritt, der massgeblich für die Gleiteigenschaften des Skis verantworlich ist.
^^ Das sind die üblichen Arbeitsschritte aus dem Rennbereich (auch Weltcup), laut einem Vertreter der Wachsfirma Holmenkol.
Ein gängiges Vorurteil im Bereich Ski-Service: "Warum soll ich meine Ski wachsen, ich fahr eh nicht so schnell."
Falsch! Wachsen verbessert die Gleiteigenschaften des Skis und damit auch Drehfreudigkeit und Steuereigenschaften und somit die Sicherheit. Ein präparierter Ski ist immer einfacher zu fahren als ein nicht präparierter Ski. Das kann im Ernstfall Unfälle verhindern.
Ausserdem verlängert regelmässige Pflege die Lebensdauer des Skis, durch Schäden im Belag kann Wasser ins Innere des Skis eindringen, das bei Gefrieren den Ski "sprengt", Wachsen schützt den Belag vor Austrocknen und wenn die Kante regelmässig vom Rost befreit wird (der eigentlich gar nicht erst auftreten sollte), hat das auch nur positive Auswirkungen.
Soweit der Optimalfall. Nun wird natürlich jeder von euch sagen: Ist ja gut und schön, aber wenn ich meine Ski nach jedem Wochenende ins Sportgeschäft bring, dann werd ich ja arm. Da habt ihr natürlich recht. Deshalb ein paar Tipps, was nicht zu aufwendig ist und was jeder selbst tun kann:
1. Besorgt euch nen Schleifstein und die entsprechende Halterung dazu, um die Grate von den Kanten abzuziehen. Das kostet wenig und bringt viel, eine Feile wird erst nach diesem Arbeitsgang interessant!
2. Wachsen! Entweder heiss (statt eines teuren Wachs-Eisens tut es unter Umständen auch ein altes Bügeleisen, auf "Kunstseide" eingestellt (= nicht zu heiss!!), eine entsprechende Plastik-Klinge und ne Bürste dazu kosten auch nicht die Welt, oder mit einem dieser diversen Flüssig-Wachse (Nachteil: zieht nicht so gut in den Belag ein und ist deshalb nach drei Abfahrten wieder runter, ist aber besser als gar nix!! Nach dem Auftragen sollte man ebenfalls den Belag ausbürsten).
Wenn man dazu noch nach jedem Skitag die Kanten trockenreibt, damit sich kein Rost bildet, und die Ski einmal pro Saison im Sportgeschäft richten lässt, so ist das meiner Meinung nach vollkommen ausreichend.
Wenn ihr eure Ski zu oft ins Sportgeschäft bringt, ist das auch nix, weil die den Ski meist in die Maschine reinstopfen, die so viel von eurer Kante abschleift, dass nach 3-4 mal nix mehr davon übrig ist.
Vielleicht noch ein Satz dazu, woher ich diese Infos hab. Wir haben bei uns (kleines Dorf, noch kleinerer Skiclub) ein Service-Team von sechs Mann (einer davon bin ich), welches für die Instandhaltung unserer vereinseigenen Testski verantwortlich ist und ausserdem unseren Mitgliedern zwei, drei mal pro Saison Ski-Service nach obigem Schema anbietet.
Ach ja, und die Angaben sind natürlich ohne Gewähr. Wer zwei linke Hände hat, macht unter Umständen mehr kaputt, als dass er seine Ski präpariert.