Sehr geehrte Damen und Herren,
den ganzen Sommer über habe ich dem neuen Skimagazin entgegengefiebert. Leider war meine Vorfreude nach Lektüre Ihres Gletscherskigebietstests ganz gewaltig getrübt. Ich hätte hier einen sauber recherchierten Artikel mit persönlichen Eindrücken und Bewertungen erwartet. Stattdessen finde ich eine Abschrift der Prospekte der Skigebiete. Sie veröffentlichen einen Test, der dem Leser eine Objektivität vorgaukelt, in Wirklichkeit aber nur auf den Pistenkilometerangaben der Getesteten basiert. Das halte ich schlichtweg für unseriös. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die meisten Skigebiete bei der Angabe ihrer Pistenkilometern zu "extrem großzügiger Aufrundung" neigen. Ein äußerst unrühmliches Beispiel in diesem Bereich ist m. E. der Stubaier Gletscher. Wenn Sie sich einmal die Mühe machen, die Prospekte des Stubaier Gletschers der Jahre 2002 und 2003 nebeneinander zu halten, werden sie feststellen, dass sich die Längenangaben zu den jeweiligen Pisten von einem auf das andere Jahr auf wundersame Weise vermehrt haben. Für alle blauen Pisten wurde die Länge verdoppelt, für alle roten und schwarzen - und das sind die, die Sie für ihren Test ungeprüft übernehmen - VERDREIFACHT.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, was denn eigentlich als Gletscher im Sinne Ihres Testes verstanden werden kann. Wenn Sie sich den tiefstgelegenen Punkt, der von Ihnen als interessant qualifizierten Pisten auf dem Stubaier Gletscher, betrachten, stellen Sie fest, dass dieser auf etwa 1.700m liegt. Von Gletscher kann auf dieser Höhe wohl nicht mehr gesprochen werden. Etliche der von Ihnen in die Bewertung einbezogenen Pisten befinden sich gar nicht wirklich auf einem Gletscher, sondern in einem ganz gewöhnlichen Winterskigebiet. Das hat auch zur Folge, dass der Stubaier Gletscher im Frühjahr und Herbst keine führende Rolle hinsichtlich der geöffneten Pisten einnimmt. Derzeit werden auf der Homepage des Stubaier Gletschers 10 Km offene Pisten angegeben, die Hintertuxer vermelden 30 Km. Natürlich sind auch das wieder Zahlen, die auf Angaben der Skigebiete beruhen. Aber die Problematik dürfte trotzdem deutlich werden. Die eigentliche Größe des Skigebiets kommt nur im Winter zu tragen. Aber darum ging es in Ihrem Test ja eigentlich nicht. Denn wenn man Herbst- und Winterskigebiete zusammen nimmt, dann müssten ganz andere Skigebiete wie beispielsweise Zermatt oder Tignes vorne stehen.
Einen faden Beigeschmack bekommt das Ganze zusätzlich noch dadurch, dass auf den Seiten dieses Testes auch eine Werbeanzeige des Stubaier Gletschers prangt. Natürlich ist ein Magazin wie das Ihre auf Anzeigenwerbung angewiesen, wenn man diese aber auch noch optisch so mit einem "objektiven" Test verbindet, darf das schon als unglücklich bezeichnet werden..
Um Missverständnisse zu vermeiden: mir geht es nicht darum den Stubaier Gletscher schlecht zu reden, er gehört sicherlich zu den besseren Gletscherskigebieten. Und vielleicht wäre er auch bei einem richtigen Test ganz weit vorne gelandet. Aber dazu hätten Sie sich einfach etwas mehr Mühe geben müssen. So aber ist das was Sie in Ihrem Heft abgeliefert haben eine Veräppelung Ihrer Leser.
Über eine Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich freuen. Vielleicht können Sie mir auch Ihre Sichtweise verdeutlichen, so dass ich meine Meinung gerne auch korrigiere.
Mit freunlichen Grüßen