Petz schrieb:
Irgendein Wirtschaftswissenschaftler hatte vor paar Jahren mal ausgerechnet daß, falls jemand seine Pensionsversicherungsbeiträge in 45 Arbeitsjahren nicht den Versicherungsanstalten überantwortet sondern diese auf ein gebundenes Sparbuch mit Abhebesperre gelegt hätte, er bei durchschnittlicher statistischer Lebenserwartung mindestens die doppelte Pensionshöhe zu erwarten hätte.
Das Verbrechen an sich ist meiner Meinung nach der sogg. Generationenvertrag auf dem die Sozialversicherungssysteme basieren. Dieser diente dem Zweck, die kriegsbedingt nicht geleisteten Sozialversicherungsbeiträge einfach den späteren Generationen aufzuhalsen und dann wundert man sich noch, warum Budgetzuschüsse erforderlich werden um das System überhaupt noch irgendwie am Laufen zu halten.
Ich habe heute aus meinem Briefkasten wieder einen Jahresbescheid der Rentenversicherung geholt wie auch einen Einkommensbescheid.
Bezüglich der Rente sind die Jungen, zu denen ich mich im Rahmen dieser Thematik definitiv auch zähle, absolute Verlierer im Kontext aktueller Entwicklungen. Gemäß des Rentenbescheids werde ich wohl maximal 60% meines NETTO-Einkommens als auszuzahlende Rente zu erwarten haben - nach heutigem Stand. In dem Schreiben wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass damit gerechnet werden kann, dass die Rentenansprüche geringer ansteigen als der Kaufkraftverlust in Folge von Inflation. Man solle doch bitte privat vorsorgen.
Klar, kein Thema, wird eh gemacht. Nur darf nicht außer acht gelassen werden (salopp und pauschal betrachtet [oder auch polemisch]), dass private Vorsorgemaßnahmen später, in der Rentenbezugsphase, als Einkommen versteuert werden dürfen. Sicherlich, es gibt staatliche Förderprogramme wie Rürup und Riester (Anmerkung für Österreicher und Schweizer: Rürup: Ein Selbständiger kann einen Teil seines Umsatzes in eine Altersvorsorge stecken und gewisse Prozente davon werden ihm als betriebliche Ausgabe anerkannt --- Riester: Ein Privater kann einen Teil seines Nettoeinkommen in eine spezielle private Altersvorsorge investieren und bekommt einen staatlichen Zuschuss ), welche aber auch zum Teil versteuert werden müssen und zudem sehr bescheidene Regelungen für Hinterbliebene bieten - neben dem Aspekt, dass sie recht krass gedeckelt sind und in keinem Verhältnis zu höheren Einkommen stehen. Ergo: Aus meinem versteuerten Netto-Einkommen baue ich mir einen zusätzlichen Altersbezug auf, den ich später dann abermals versteuern darf. Juhu - Freude! (Ja - ich weiß, dass dies wirklich polemisch formuliert ist)
Das ändert aber dennoch nichts an der grundsätzlich verständlichen und nachvollziehbaren Idee des Generationenvertrages. In einer Gesellschaft, die ein konstantes Verhältnis zwischen Zahlern und Empfängern hat, funktioniert dies ja auch wunderbar. Nur haben die wenigsten westlichen Gesellschaften ein derartiges Verhältnis, womit das System kippt.
Zum einen ist das Kinderkriegen aus vielen verschiedenen Gründen aus der Mode geraten, womit immer weniger nachkommen und erstmal einzahlen. Zum anderen ist unsere Gesellschaft nicht willens einzusehen, dass ein derartiges Versorgungssystem regelmäßige Anpassungen gemäß struktureller Veränderungen innerhalb der Mitglieder von Nöten hat. Wenn die Menschen nun immer älter werden, damit länger Rente beziehen und gleichzeitig der demographische Baum unten immer dünner wird, weniger einzahlen, muss der Rentensatz oder die Rentenbezugsdauer, ergo das Renteneintrittsalter angepasst werden.
Hier entsprechend zu reagieren Bedarf vieler Maßnahmen. Neben dem Versuch das "Kinderkriegen" wieder atraktiv zu machen bräuchte es eine Politik, die auf Nachhaltigkeit anstatt auf Wahlergebnissen bei der vermeintlichen Klientel setzt. Letztgenanntes erscheint mir im Kontext der heutigen Politiklandschaft und -Kultur allerdings wie die Suche nach der Quadratur des Kreises. Um wieder polemisch zu werden: Dann doch offenen Auges vollgas gegen die Wand - wird ja erst nach meiner persönlichen politischen Karriere passieren.
Um nun noch auf mein zweites, heute erhaltenes Schreiben zu kommen:
Es ist doch immer wieder eine Freude zu sehen, dass man immerhin noch knapp über 50% des Bruttolohns ausgezahlt bekommt, oder?
Ich will mich weiß Gott nicht beschweren - mir geht es gut, ich verdiene gut, ich habe ein relativ sorgloses Leben (finanziell), kann mir vieles leisten und das Leben ist schön - obwohl ich steuerlich ein kinderloser Single bin. Die Grundsätze und riesigen Benefits der Demokratie, der SOZIALEN Marktwirtschaft und des Solidaritätsprinzips kann ich verstehen und teilen - keine Frage und keine Diskussion. Ich mag die philosophischen und intellektuellen Grundlagen dieser Ideen und habe sie sogar sehr tief verinnerlicht.
Um nun aber mal den wenig philosophischen, nicht staatstragenden induktiven Ansatz zu wählen:
Ich selber lebe in einer Mischkalkulation - Freie Tätigkeit in einem steuerrechtlichen Angestelten-Tarifrahmen und zusätzlich Freiberuflich/Gewerbetreibend. Mein Verdienst hängt von meinem Engagement, meiner Fähigkeit und meiner Motivation ab, darüberhinaus in Teilen von meiner unternehmerischen Risikobereitschaft und Innovationsfreude und generell von meiner Lernwilligkeit und -Fähigkeit. Nun bin ich leistungswillig, engagiert, motiviert, kalkuliert risikobereit und lernfreudig- schön. Zeigt all dies dann gepaart mit vielen Wochen mit über 60h/Arbeit ein monetäres Ergebnis, werde ich sukzessive immer stärker zur Kasse gebeten - und zwar über die 50% Abgabengrenze hinaus. An dieser Stelle hört dann mein Verständnis für oben genannte Prinzipien auf, ich zweifle an Transferleistungen, unserer politischen und verwaltenden Kaste und spiele durchaus mit dem Gedanken, ins Ausland abzuwandern, welches erbrachte Leistungen (als Synonom für oben aufgeführtes) höher zu honorieren scheint.
Worauf ich hinaus will:
Eine Gesellschaft wird unter anderem davon getragen, dass Menschen einen Sinn darin sehen Engagement ein- und Leistung zu erbringen - qualitativ wie quantitativ. Wird den Mitgliedern der Gesellschaft hierfür die Motivation genommen, wird sie langfristig nicht ihren gewohnten Standard, Status, aufrecht erhalten können.