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Todesdrama bei Extremberglauf

Das mit der Selbstverantwortung neben der Piste ist meines Wissens nicht so trivial.
Deswegen kommt mir der Freispruch vom Zugspitzelauf ein bisschen widersprüchlich vor.
In den vergangenen Jahren gab es auch in Europa verschiedene Urteile, die sehr an amerikanische Verhältnisse erinnerten und auch die entsprechenden fragwürdigen Konsequenzen nach sich zogen.
Von dem her ist es sicher positiv zu werten wenn die Justiz wieder das Wort Eigenverantwortung in den Mund nimmt. Andererseits muss die Eigenverantwortung jetzt auch in zukünftigen Urteile an Einfluss gewinnen. Sonst steht das Zugspitzeurteil irgendwie schräg in der Landschaft !

Um das richtig beurteilen zu können, müsste man die Urteilsbegründung kennen. Bei allem was ich aber so zu dem Urteil gehört habe, scheinen mir 2 Punkte ganz entscheidend:
1. Der Veranstalter hat sich einen Haftungsausschluss unterschreiben lassen, in dem auf die Risiken aufmerksam gemacht wurde.
2. Er hat den Wetterbericht veröffentlicht.

Ich vermute, das hat ihn gerettet. Insofern passt das Urteil für mich schon zu den amerikanischen Verhältnissen. Als Veranstalter, Produzent usw. muss man halt auf alle möglichen und unmöglichen Risiken aufmerksam machen, dann hat man, wenn es schräg läuft, ganz gute Karten. Deshalb besteht des Beiheft eines DVD-Recorders ja mittlerweile auch aus 20 Seiten Warnhinweisen und 3 Seiten echter Gebrauchsanleitung. Und Mc Donalds weist darauf hin, dass man sich an Kaffee verbrühen kann.
 
Ein Haftungsauschluss alleine reicht nicht.
Für die Details zur Organisation der Veranstaltung - die zu einer Verurteilung oder Freispruch führen - und ein Gericht bewertet, müsste man selber vor Ort gewesen sein.

Ich war jahrelang als Regattaleiter tätig, bei Fortbildungen wurde uns auch das Thema Haftung ausdrücklich nahe gebracht.

Kurz gefasst, ein Veranstalter muss die Teilnehmer informieren, die Veranstaltung auf die Zielgruppe ausrichten und entsprechende Rettungsmassnahmen vorbereiten.
Hier: Zielgruppe: Leistungssportler, Hinweis auf schlechtes Wetter, Streckenposten vor ort?, Bergwacht vor Ort...


ein Beispiel von einer Regatta: im Mai 1986 zog ein sehr schnell kommendes Orkantief über Süddeutschland. Am Starnberg See fand eine Drachenregatta statt (etwas grössere Boote), Sturmwarnung zu spät, ein Drachen gekentert, Besitzer hat sich verhängt und ging mit dem Boot auf 110 m Tiefe, 2 Mitsegler trieb in SChwimmwesten im Wasser, einer konnte geborgen werden, den 2. brahten die Hlfer nicht ins Motorboot rein, so dass er an Unterkühlung und der Gischt ertrank.

Staatsanwalt war früher da, wie der Regattaleiter an Land: Verfahren wurde eingestellt, weil : a) für die Teilnehmer eine ausreichende Anzahl Rettungsboote verfügbar war, b) der Sturm recht schnell kam.

Das gleiche Szenario bei einer Jugendveranstaltung... wäre vor Gericht gelandet.
 
Bergwacht vor Ort

Der Ortsleiter ist ein sehr guter Bekannter vonmir und stand erstmal total im Kreuzfeuer von allen Seiten was das angeht, ohne das er was getan hat oder dazu konnte. Hab das Interview auf dem Ipod noch iwo *such*...

Ich verstehe das eh nicht. Ich glaube bei solchen Sachen diskutieren und reden auch immer alle möglichen Leute von Offizieller Seite mit, damit sie überhaupt mal was sagen und zu Wort kommen dürfen! Jeder der Toten hätte sich auf den Boden kauern können und um hilfe rufen. Das hätte sicher keine 10min gedauert bis jemand gekommen wäre. Aber nein, wir rennen lieber bis wir Tot umfallen. Es gibt unzählige möglichkeiten sich gegen Erfrieren zu wehren in den ersten 90 Minuten, die meisten sind eh schon körperliche Reflexe. Naja ich schnalle das bis heute net wie dabei Leute sterben konnten. Das erklärt sich bei mir nur durch den sportlichen Ehrgeiz der Einzelnen (bei sowas überhaupt mitzumachen ernsthaft) und das man dafür noch wen anders verantwortlich machen will ist der Gipfel... naja so ist das halt. Das ist so unverständlich für mich wie wenn ich hören würde das die Feuerwehr beim Versuch eine Katze aus einem Baum zu holen einen Großbrand verursacht hätte.
 
terestric schrieb:
Hallo,

einen so amüsant albernen Strafbefehl hätte ich nicht erwartet.

Ironie ON
Der Logik folgend wird es ja wohl bald keine Städtmarathons im Sommer mehr geben. Man stelle sich vor, ein zwei normale Marathonläufer eines Massenlaufes sterben wegen Erschöpfung/ Überhitzung. Der Veranstalter wird haften, da der Wetterbericht ja fast 30 Grad Celsius angekündigt hatte. Er hätte den Lauf absagen oder in die Katakomben verlegen lassen müssen. Wenigstens aber hätte er aus dem Marathon einen 5000 m Lauf machen müssen. Außerdem hätte er daraufhinweisen müssen, dass heute nur ohne Kleidung und zum Schutz vor der Hitze mit Miniventilatoren an der Mütze gelaufen werden darf.

Ironie OFF

Grüsse

André

Ich weiss nicht, ob es wirklich so ein ironisches Thema ist. Vor gar nicht langer Zeit gab es in Chicago einen Hitzemarathon. Das Ergebnis war letztlich ähnlich wie in Garmisch... Ich habe allerdings nichts wegen Klagen oder Schadensersätzen gehört.
 
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