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Unfall mit Sessellift "Kleine Scheidegg"

halb so viel bodenabstand bedeutet viermal so viele stützen, grob geschätzt...
ausserdem bezweifle ich, dass das so viel bringen würde. der wind ist da unten auch nicht viel schwächer und auch ein sturz aus 6m kann tödlich sein.
 
HP schrieb:
Jetzt reagiert der Bund......

..aber man könnte die Lifte tiefer bauen (statt max. 12 m Bodenabstand max. nur die Hälfte, dann wäre das Verletztungsrisiko bei einem Absturz doch viel kleiner, oder ?)

Im diesem Fall gerade nicht.

Schau dir mal die ersten Videos nochmal an:
Die meisten Sessel hängen noch in der Luft, nur die Sessel direkt unter dem mast, wo das Seil entgleist ist, sind auf den Boden aufgeschlagen.

Wären nun die umliegen Stützen nicht so hoch gewesen, wären noch mehr Sessel auf den boden aufgeschlagen und somit hätte es mehr verletzte gegeben.

Und ganz genrell: Ich halte es für wesentlich sinnvoller, noch mehr maßnahmen zu treffen, die eine Seilentgleisung vermeiden.
Erstmal muß ja herausgefunden, wie es passieren konnte, daß das Seil aus dem Seilfänger gesprungen ist - dann kann man weiter überlegen.

Gruß, Jens
 
Die Jungfrauzeitung berichtet über Auflagen für die Wiederinbetriebnahme:

Wengen | 09. Januar 2008
Mehrere Auflagen für Sessellift Fallboden
Jungfraubahnen wollen gegenüber Betroffenen kulant sein

Nach dem Unglück bei der Sesselbahn Fallboden hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) der Wengernalpbahn AG als Betreiberin der Bahn für die Wiederinbetriebnahme der Bahn mehrere Auflagen gemacht. Diese müssen umgesetzt werden. Die Bahn kann dann nach der Abnahme durch das BAV wieder in Betrieb genommen werden.

Zu den Massnahmen gehören auch solche, die bereits kurz nach dem Unglück in Betracht gezogen wurden. So wird das Förderseil vom Hersteller auf schadhafte Stellen im Bereich der Entgleisung geprüft. Die Sessel im Bereich der Seilentgleisung werden abmontiert und ebenfalls einer umfassenden Kontrolle unterzogen. Die beschädigte Rollenbatterie wird demontiert und als Beweismittel für allfällige spätere Verfahren aufbewahrt. An ihrer Stelle wird eine Ersatz-Rollenbatterie montiert. Die Herstellerin Garaventa AG muss aufzeigen, welche Kräfte beim Ereignis auf die gebrochene Überschlagssicherung gewirkt haben. Diese Sicherung hätte das Verdrehen der Rollenbatterie verhindern sollen. Das BAV verlangt eine «zweckmässige Sanierung der Überschlagssicherung zum sicheren Betrieb der Sesselbahn zu erarbeiten und dem Bundesamt vorzulegen». Die daraus resultierenden Massnahmen sind vor der Wiederinbetriebnahme der Anlage umzusetzen.

Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen

Die Jungfraubahnen prüfen momentan zusätzliche betriebliche Sicherheitsmassnahmen. Diese werden vor der Wiederinbetriebnahme der Sesselbahn kommuniziert. Auf Grund der angeordneten Massnahmen rechnen die Jungfraubahnen weiterhin damit, die Bahn Ende Januar oder anfangs Februar wieder in Betrieb nehmen zu können. Die 75 evakuierten Personen wurden von den Jungfraubahnen im Anschluss an den Unfall persönlich angeschrieben. In dem Brief erhielten sie auch Angaben zu Versicherungsfragen. Die Jungfraubahnen behandeln alle Anfragen unkompliziert und kulant.

Quelle: http://www.jungfrau-zeitung.ch/artikel/?cq_*a79da41c=ivxPU=879873js
 
Nahaufnahme der Rollenbatterie, bei der der Absturz geschehen ist:

mastelf034.jpg


Quelle: Beo-News http://www.beo-news.ch/abns%202008/jan%202008/sesselbahn%20auflagen%2009.htm
 
Aus dem Tages-Anzeiger online (Originaltext hier):

(...) Technisch hat sich vorher etwas ereignet, was in der Schweiz bisher noch nie passiert ist: Die Spezialisten des Bundesamts für Verkehr (BAV) haben bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass beim Mast Nummer 11 die sogenannte Überschlagsicherung gebrochen ist. Das passierte, als der Wind das Zugseil aus den Sicherungen fegte. Nun erklärt BAV-Sprecher Gregor Saladin auf Anfrage des TA: «Wir schliessen weitere Massnahmen bei gleichartigen Bahnen derzeit nicht aus.» 400 ähnliche Bahnen wären von Kontrollen und allfälligen technischen Nachrüstungen bei der Sicherung rund um die Seilrollen betroffen.

Die Überschlagsicherung ist ein mehrteiliges, zusammengeschraubtes Metallelement, das die Seilrollen umgibt. Es soll verhindern, dass die Rollen allzu stark ins Schwingen geraten, wenn die Sessel darüber gleiten. Bei Windböen ist dieses Element besonders wichtig. (...)
 
Die Überschlagsicherung ist ein mehrteiliges, zusammengeschraubtes Metallelement, das die Seilrollen umgibt. Es soll verhindern, dass die Rollen allzu stark ins Schwingen geraten, wenn die Sessel darüber gleiten. Bei Windböen ist dieses Element besonders wichtig. (...)
Kann das vielleicht mal jemand genauer, vielleicht auch mit Bild erklären?
 
Nur mal so leienhaft angedacht:
- Angenommen, das seil entgleist nicht von allen rollen "gleichzeitig", sondern sukzessive von rolle zu rolle, angefangen von der ersten. Wie schnell dies von statten geht, sei hier nicht relevant.
Dies ist durchaus möglich, da die seilentgleisung bei seitlicher kraft wascheinlich zunächst bei der ersten rolle stattfindet, und dann kettenartig von den weiteren rollen fällt.

Bei dieser sequentiellen Entgleisung von Rolle zu Rolle befindet sich das balkensystem ziemlich in aufruhr, da die seilfänger tiefer sind als die normale seilauflage: Das Wägesystem gleicht diese höhenunterschiede wieder aus.
Liegt das seil in allen seilfängern ist ja alles ok, aber bis es soweit ist, passiert wohl einiges..

Hübsche differentialgleichungen entstehen da, kann das nicht wirklich zuende denken...


Mag aber auch sein, dass sich im moment der seilentglesung eine sesselklemme nicht über den seilfänger wollte....
 
Wären nun die umliegen Stützen nicht so hoch gewesen, wären noch mehr Sessel auf den boden aufgeschlagen und somit hätte es mehr verletzte gegeben
Wie BigE schon gesagt hat, würden bei einem geringeren Bodenabstand wesentlich mehr Stützen benötigt. Und da ist es fraglich, ob dann wirklich mehr Sessel auf dem Boden aufschlagen ?

Ja, ja das Vertrauen in die Sessellifte (Sicherheit) muss wieder etwas hergestellt werden.....aber man könnte die Lifte tiefer bauen (statt max. 12 m Bodenabstand max. nur die Hälfte, dann wäre das Verletztungsrisiko bei einem Absturz doch viel kleiner, oder ?)
Man muss natürlich das Kosten-Nutzen Verhältnis berücksichtigen !
Wieso soll man bei den jetzt schon sehr sicheren Seilbahnen noch mehr Geld für die Sicherheit ausgegeben, wenn gleichzeitig täglich Leute auf dem Fussgängerstreifen überfahren werden ?
 
Gerade bei den neuen Sesselbahnen gibt es sicher mehr Sicherheitsvorkehrungen und -maßnahmen als wie bei alten Sesselliften, auch wenn bei diesen einiges nachgerüstet wurde. Von daher glaub ich, dass das kein Problem sein dürfte.
Und die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall zu sterben ist sicherlich auch größer als die, in einem Sessellift abzustürzen. Das soll zwar keine Erklärung sein, dass überhaupt keine Gefahr besteht, aber überall im Leben lauern immer Gefahren, und diese gehört ja wohl zu den ganz kleinen. Zumal man es ja selbst schon vorsehen kann und ja nicht mit besonders windexponierten Liften bei Sturm fahren muss.
 
Im Foto oben sieht man schön wo das Seil im Seilfangschuh lang lief.

Die Seilfangschuhe müssen eingentlich so konstruiert sein, das die Sesselklemme diese passieren kann.
Sonst würde ja bei einer Seilentgleisung der Sessel an der nächsten Stütze hängen bleiben.

So ein Sessellift hat ja auch einen Bremsweg.
 
Die Jungfrauzeitung veröffentlicht einen Leserbrief:

Leserbrief | 10. Januar 2008
Hätte das Unglück vermieden werden können?
Zum tödlichen Unfall beim Fallboden-Sessellift

Hätte das Unglück mit dem Fallboden-Sessellift vermieden werden können, wenn die Bahn rechtsherum gelaufen wäre? Die von Süden herabstürzenden Föhnböen treffen die Bahn mehr oder weniger immer von rechts (in Fahrtrichtung). Meine Theorie: Wäre die Bahn rechtsherum gelaufen, hätte die Föhnböe das Seil zum Mast hin geworfen, wo es wohl auf dem Mastträger hängengeblieben wäre. Stattdessen drückte der Föhn das Seil vom Mast weg. Ein mögliches Nachwippen (Hebeleffekt) durch den sofortigen Bremsvorgang in Verbindung mit dem lokal enormen Winddruck nach aussen liess das Seil dann auch aus den kleinen, seitlich an den Rollen angebrachten Fanghaken gleiten. Das Seil knallte unverzüglich mit den drei nächsten Sesseln gegen den Boden.

Diese Folgerung ist lediglich die Vermutung eines absoluten Laien. Und trotzdem darf man als treuer Kunde der Jungfraubahnen eine Massnahme erwarten, welche die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung eines solchen Unfalls klar reduziert. Wer nicht selber mal die Wirkung einer solchen Föhnböe erlebt hat, kann kaum nachvollziehen, welche Kräfte hier wirken. Weil solch starke Föhnböen unvermittelt und auf kleinstem Raum auftreten können, muss mit entsprechender Konstruktion ein Herausspringen des Seils vom Mast weg verhindert werden. Selbst frühzeitigeres Stoppen der Bahn kann keine ausreichende Lösung sein. Warum nicht jetzt nach diesem Ereignis die sicherere Infrastruktur des doppelt so schnellen Wixi-Lifts zum Fallboden verschieben und beim Wixi-Lift einen neuen 4er-Sessellift planen? Mit dem Bau des neuen Eigernordwand-Sessellifts, der das «Skikarussell Kleine Scheidegg» erst richtig ermöglicht, wird der alte 2er-Wixi-Lift ohnehin zum Nadelöhr.
Manfred Braun, Grindelwald

Quelle: http://www.jungfrau-zeitung.ch/artikel/?cq_*ca4040f7=ivxPU=879873jf


Den Kerngedanken des Autors - was wäre passiert, wenn die Auffahrseite rechts gewesen wäre und gäbe es hier nicht ein Verbesserungspotential - finde ich durchaus interessant.

Wie es sich der Autor jedoch vorstellt, "die sicherere Infrastruktur des doppelt so schnellen Wixi-Lifts zum Fallboden [zu] verschieben", kann ich nicht nachvollziehen. Zumal sich sofort die Frage aufdrängt, warum der Wixi sicherer sein soll?

Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, warum "mit dem Bau des neuen Eigernordwand-Sessellifts [...] der alte 2er-Wixi-Lift ohnehin zum Nadelöhr" werden sollte. Immerhin hat der 1400 P/h Kapazität, die vom Fallboden noch dazu zu rechnen. Die anderen 4KSB rund um die Kleine Scheidegg haben auch nur 1800. Da ist das doch eigentlich recht ausgewogen.

Was sagen unsere Experten dazu?
 
Warum nicht jetzt nach diesem Ereignis die sicherere Infrastruktur des doppelt so schnellen Wixi-Lifts zum Fallboden verschieben und beim Wixi-Lift einen neuen 4er-Sessellift planen?

Weil das die CEN-Normen vielleicht verunmöglichen? Ok, mann könnte den Lift nachzertifizieren, aber obs das bringt...
 
aber gilt das auch für die schweiz?
 
Laut Liftangestellten (kam live im Schweizer fernsehen) von hoch Ybrig sind die ´deutschen` Urlauber schuld ..die buchen den Urlaub und wollen das die Bahnen bei jedem Wetter laufen... (SO EIN SCHMARN)!!!
 
BlauschneeSäntisälbler schrieb:
Laut Liftangestellten (kam live im Schweizer fernsehen) von hoch Ybrig sind die ´deutschen` Urlauber schuld ..die buchen den Urlaub und wollen das die Bahnen bei jedem Wetter laufen... (SO EIN SCHMARN)!!!

Erzähl bitte nicht solche Lügengeschichten.
Im entsprechenden Beitrag wurde einzig gesagt, dass es für Leute, die einen langen Weg hinter sich haben und bereits bezahlt haben, schwierig zu verstehen ist, wenn sie vor geschlossenen Bahnen stehen. So hätten sie Gäste aus Deutschland, die 2, 3 Stunden Anfahrtszeit hinter sich haben. Wenn die Bahnangestellten nun sagen, es laufe nichts, sei dies manchmal schwierig zu verstehen.
Es hat überhaupt niemand gesagt, dass irgendwer will, dass die Bahnen bei jedem Wetter laufen, und schon gar nicht, das Deutsche schuld seien! Also bitte...
 
Die Jungfrauzeitung hat einen neuen Artikel online, von dem ich hier einen Teil zitiere (der Rest bringt keine neuen Infos):

[...]
400 Seilbahnen wären betroffen

Wie ein Sprecher des Bundesamtes für Verkehr (BAV) einen Bericht des Zürcher «Tages-Anzeigers» bestätigte, wird seitens dieser Aufsichtsbehörde nicht ausgeschlossen, dass es wegen des Unglücks am Fallboden-Lift Massnahmen bei weiteren 400 Sesselbahnen braucht. Habe sich hier doch technisch etwas ereignet, das in der Schweiz bislang noch nie passiert sei. Die Spezialisten des BAV stellten fest, dass beim Mast Nummer 11 die sogenannte Überschlagsicherung brach, als der Wind das Zugseil aus den Sicherungen fegte. Die Überschlagsicherung ist ein mehrteiliges Metallelement, das die Seilrollen umgibt. Dieses soll verhindern, dass die Rollen allzu stark ins Schwingen geraten, wenn die Sessel darübergleiten. Bei Windböen ist dieses Element somit besonders wichtig. «Der Fall ist auch für uns neu und entsprechend zentral», sagt diesbezüglich Istvan Szalai, technischer Leiter der Garaventa AG, welche die Bahn im Jahr 2002 umgebaut und renoviert hat. (fb)

Quelle: http://www.jungfrau-zeitung.ch/artikel/?cq_*d09a948a=ivxPU=879873jr
 
Der Berner "Bund" widmet dem Thema Sesselbahnsicherheit gleich die ganze Seite 2. Ihr könnt die Texte hier einsehen (Überschrift "Thema").

Die ganze Seite im Original als PDF (600 KB) gibts hier.
 
BlauschneeSäntisälbler schrieb:
Laut Liftangestellten (kam live im Schweizer fernsehen) von hoch Ybrig sind die ´deutschen` Urlauber schuld ..die buchen den Urlaub und wollen das die Bahnen bei jedem Wetter laufen... (SO EIN SCHMARN)!!!

es war von Urlaubsgästen die Rede nicht von Deutschen !! :nichtzufassen:
 
Wenn der Lift anderstrum gelaufen wäre, dann wäre das Seil an der Talfahrseite herausgesprungen.
Vermutlich schon frühzeitiger, da diese Seite mit weniger Gewicht beladen war.
 
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