Ich meine: Wer das Bekleben von Sitzbänken, Gipfelkreuzen, Heustadeln, Hinweisschiuldern etc. moralisch beurteilen will, möge sich doch nicht am Eigentumsbegriff orientieren. Hier sollte in Schule und Elternhaus doch eine etwas feineres moralische Wertegebäuder vermittelt worden sein?
Wichtiger erscheint mit der Respekt vor der Natur als einem der letzten halbwegs frei zugänglichen Räume, in denen Menschen sich der durchregulierten und dauerhaft umsorgten Alltagswelt entziehen können. Solche Landschafts- und Lebensräume sollten als schützenswerte Freiräume gelten, von "ganz innen heraus", ohne dass hier ein Eigentums-/Überachungskanon zu Wirkung kommt.
Man sollte sich dort erholen, sportlich fordern, Kraft schöpfen und allein oder mit anderen zur Ruhe kommen können. Ohne auch dort noch mit demselben ästhetischen und symbolischen Müll konfrontiert zu sein, der den Alltag bereits überall überzieht.
Gerade weil der öffentliche Raum sonst immer stärker "geschützte" werden durch Verbote, Absperrungen, Kameras und baulicher "Anti-Gratis-Aufenthalts" Abwehr, sollte in der Natur ein umso stärkeres Verantwortungsbewusstsein gelten. Wer dort eigene Spuren hinterlässt, ob Müll, Tags oder Aufkleber als ego-Botschaft, Weltanschauung oder Marken-Opfen, beschädigt den Charakter des Ortes selbst.
Naturräume in der Nähe von Städten wie München oder Innsbruck werden heute leider vielfach rücksichtslos verunstaltet: Felswände werden besprüht, Lackstift-Tags finden sich überall, und Aufkleber bedecken nahezu jede sichtbare Fläche. Ähnlich wie Tiere zum Markieren hinpinkeln oder k*cken, scheint ein Markierungsbedürfnis offenbar bei machen "modernen" Zeitgeinossen ebenso präsent zu sein. Unterschied zu tierischen Exkrementen ist jedoch, dass Aufkleber, Lackstifte, Sprühfarbe viele Jahrzehnte/Jahrhunderte überdauern. Und man meinen möge, dass ein Mensch über einen eigenen Verstand verfügt, der eigene Handlungen und deren Wirkung bewusst abwägen kann.
Das sich dieses Benehmen immer mehr in Naturräume hinein "verlängert", finde ich nicht nur schade, sondern auch unerquicklich und respektlos.
Hoffe ja stets, dass es sich "nur" um pubertäre Handlungen handelt. Vielleicht von 14-jährigen Kids, die ihre vermeintlichen Freiheiten mit Bier und Trotz erkunden. So sicher bin ich mir da jedoch nicht...