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Verschandelung der Alpen

Fab schrieb:
Es macht mich persönlich auch immer stutzig, wenn die Flachländer ihr Kulturland aus ökonomischen Gründen überbauen. Wenn aber auf einer Geröllhalde im Gebirge eine Seilbahnstütze, die keine 25 m2 verbraucht, gebaut wird fallen alle in Ohnmacht.

Gut gesagt :top:
 
Ich lese das Thema hier stets mit und möchte nun auch mal meinen Kommentar dazu abgeben:

Am Ende regiert stets das Geld.
Skigebiete sind oftmals Unternehmen und die Aufgabe von Unternehmen ist es Geld zu verdienen. Ein Unternehmen kann nur Geld verdienen, wenn es gegenüber der Konkurrenz besteht, deshalb muss man aufrüsten um den Kunden etwas bieten zu können. Als Kunde nütze ich selbstverständlich das beste Angebot und somit neue, beschönigte Pisten in erster Linie. Erst wenn man sich vielleicht intensiv damit beschäftigt und auseinandersetzt lernt man die Schönheit der Nostalgie kennen. Solange der Wohlstand in den Alpentälern erhöht wird ist eine Verschandelung seitens der Regierung oft gedudelt, denn nur so kann ein hoher Lebensstandard gewährleistet werden.
Klar gibt es verrückte die sich in Nischen festsetzen und Erfolg haben. Diese sprechen aber nicht die große Masse an und die bringt nunmal das Geld mit sich.
Den Fortschritt nicht mitzunehmen ist meines Erachtens auch schon ein Rückschritt auf längere Zeit gesehen. Es sollte hierbei erwähnt werden, dass ich Fan bin von alten Liften und ähnlichem. Dennoch darf man niemand verurteilen der sich auf breiten, planierten und angepassten Pisten am wohlsten fühlt. Der Tourismus hat der Alpenregion einen enormen Aufschwung gebracht und ich denke niemand möchte auf diesen Aufschwung verzichten, denn wenn es um das eigene Geld geht drehen sich nahezu alle politischen Einstellungen.
 
Fab schrieb:
Es macht mich persönlich auch immer stutzig, wenn die Flachländer ihr Kulturland aus ökonomischen Gründen überbauen. Wenn aber auf einer Geröllhalde im Gebirge eine Seilbahnstütze, die keine 25 m2 verbraucht, gebaut wird fallen alle in Ohnmacht.
Ich bin einer aus den Bergen. Und eine Seilbahn besteht aus einer Stütze. Ja genau - was für ein Chabis.
 
ALPINERSPINNER schrieb:
Am Ende regiert stets das Geld.
So ist es und weil es nun knapp wird, regelt sich die technokratische weitere Aufrüstung von alleine.
 
Wie stellst Du (Illhorn) dir die Zukunft der Alpen vor? Ich kann teils zustimmen hinsichtlich der Natur. Dennoch ist das reine Bemängeln keine Lösung. Was sind die konkreten Ideen wie es trotz der Erhaltung des Wohlstandes vorangehen soll? Mich interessiert es wirklich. Was sollten Skigebiete in der Schweiz beispielsweise machen, den es wirtschaftlich nicht gut geht die aber eine tolle Landschaft haben?
 
Illhorn schrieb:
ALPINERSPINNER schrieb:
Am Ende regiert stets das Geld.
So ist es und weil es nun knapp wird, regelt sich die technokratische weitere Aufrüstung von alleine.

Ein weiterer Unsinn (oder Wunschdenken) von Deiner Seite. In Saas Fee mag das Geld ja knapp sein. Andere Destinationen sind aber weit davon entfernt und werden noch viele Jahre weiter bauen, verbinden und vergrössern. Wenn man nur schon die Projekte und Umsetzungen in nächster Zukunft anschaut, werden Dir wohl noch viele Jahre die Haare zu Berge stehen.
 
ALPINERSPINNER schrieb:
Was sind die konkreten Ideen wie es trotz der Erhaltung des Wohlstandes vorangehen soll? Mich interessiert es wirklich.
Wenn ich das genau wüsste, hätten mir sämtliche Tourismus-Direktoren des Wallis wohl längst die Türe eingerannt. Es interessiert mich eben auch sehr, weil es mir ganz klar ist, dass es so, wie bisher, nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf. Darum muss man nach breiten Lösungen und neuen Ansätzen suchen - und es ist gut, dass sich hier gehasste Unis (was für ein toller Populismus) sich auch mit diesen Fragen auseinandersetzen. Ich hatte vor längerer Zeit mal ein tolles Papier - leider finde ich es im Moment nicht mehr. Es hatte interessante Ansätze. Muss morgen nochmals suchen...
 
Passt in solch eine Welt überhaupt die Marktwirtschaft? Ich denke diese Form der Wirtschaft hat sich einfach als die sinnvollste Form erwiesen. Auch Skigebiete und die ganzen Regionen sind marktwirtschaftlich ausgerichtet und wollen stets am Markt bleiben. Der Kunde geht vorrangig dahin wo das Verhältnis von Preis und Leitung am besten ist. Was soll man nun also machen? Alles abbauen? Auch keine Lösung meiner Meinung nach. Man sollte das System frei lassen und es wird sich selbst regulieren.
 
weil es mir ganz klar ist, dass es so, wie bisher, nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf.
Tut es aber. Nur ein Beispiel von vielen: Die Wähler in Österreich resp Tirol und folglich dann die Politik haben es auch wieder bewiesen: Man will die Verbindung von Pitz- und Ötztal. Geld ist da das kleinere Problem. Der Massentourismus ist viel zu wichtig.
 
ALPINERSPINNER schrieb:
Was soll man nun also machen? Alles abbauen?
Von dem war von meiner Seite nie die Rede.
ALPINERSPINNER schrieb:
Man sollte das System frei lassen und es wird sich selbst regulieren.
Da wären wir dann wieder einmal beim "bewährten" System, wie Politik heute "funktioniert": Abwarten und aussitzen. Ja nichts machen, laufen lassen. Und in 30 oder 40 Jahren wird man fragen, warum da niemand was gemacht hätte. Eine wirklich tolle und eindrückliche Konstante der Menschheitsgeschichte.
 
Ich bin einer aus den Bergen. Und eine Seilbahn besteht aus einer Stütze. Ja genau - was für ein Chabis.
Was Fab hier macht, ist ein Vergleich. Inwieweit stören Seilbahnstützen Landschaftsbild und Ökosystem und inwieweit nützt die Infrastrukturverbesserung der Bevölkerung (Geld, Arbeit durch Tourismus).
Das ist eine Abwägungssache.

Die Alpen sind eine Wirtschaftsregion. Veränderungen hat es immer gegeben (Eiszeiten) und wird es auch immer geben. Wenn es hier um Naturdenkmäler, Landschaften oder besondere Ökosysteme geht, aber einfach so gegen jede Form der Bewirtschaftung (von Geröllfeldern und Grashügeln) zu sein...

Und die Entscheidungsträger sind nicht die Unternehmen, sondern Politik, Behörden,...
 
Da wären wir dann wieder einmal beim "bewährten" System, wie Politik heute "funktioniert": Abwarten und aussitzen. Ja nichts machen, laufen lassen. Und in 30 oder 40 Jahren wird man fragen, warum da niemand was gemacht hätte. Eine wirklich tolle und eindrückliche Konstante der Menschheitsgeschichte.
Und auch hier wird es Leute geben, die sagen, gottseidank ist es so geschehen.
 
Illhorn schrieb:
Immer mehr Touristen suchen die Qualität.
Richtig. Nur ist nicht für jeden Touristen Qualtät das Selbe. Der eine will am liebsten 10000km Pisten und der andre seine Ruhe.

Noch was zu Deinem Verständnis von Natur. Auch wenn ich jetzt wiederhole. Die Alpen sind eine Kulturlandschaft. Die sich über einige Tausend Jahre entwickelt hat. Und wenn Du das nicht glaubst, dann sieh doch mal, was mit der sogenannten Natur, den Alpweiden geschieht, wenn man die nicht mehr bewirtschaftet. Gutes Beispiel ist das Tessin und die Italienischen Alpen. Da wächst alles wieder zu, was nicht bewirtschaftet wird.
Zum Thema Landschaftsschutz. Ich denke einen Grossteil der Wintersportler ist es Wurst, wie es im Sommer an ihrem Skisport Ort aussieht. Weil sie im Sommer irgendwo am Mittelmeer sind. Genauso wird es ihnen Wurst sein, wie öde die Tourismusorte im im Winter am Mittelmeer sind.
 
ALPINERSPINNER schrieb:
Ich denke diese Form der Wirtschaft hat sich einfach als die sinnvollste Form erwiesen.
Das ist allerdings angesichts der Vielzahl der zum Teil gegensätzlichen Strömungen innerhalb der Marktwirtschaft und der verbrannten Erde, die so manche Auswüchse marktwirtschaftlicher Strömungen hinterlassen, eine sehr gewagte These. (Neo-) Feudalismus, Massenarmut, Kriege, Flucht und Vertreibung sind auch Folgen einer bestimmten Form von Marktwirtschaft :wink:

Um noch mal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen:
Illhorn schrieb:
So ein Projekt [Anm: die Verbindung der Skigebiete von Z und Saas Fee] müsste unbedingt unmöglich sein - ausser als U-Bahn. Oder will man die Natur und Landschaft noch mehr verschandeln und das Kapital des Tourismus endgültig zerstören?
Was denkst Du, wie viele Menschen die von einer solchen Seibahn betroffene unberührte Natur jedes Jahr erleben und deswegen in die Region fahren? 100? Mehr als 100 oder eher weniger? Ski-Chrigel ist sicher einer von ihnen, weil er regelmässig mit seinem Flugzeug drüber fliegt. :wink:

Ich bin auch der Meinung, dass man nicht um jeden Preis Wachstum braucht und grundsätzlich mal darüber nachdenken sollte, ob es immer so weitergehen soll und kann wie bisher. Man muss aber auch die Relation sehen. Ein einzelner Bergsturz wie der von Randa oder demächst Mossfluh verschandelt die Landschaft mehr als der Bau von zig Seilbahnen nebst der dazu gehörigen Pisten. Von einer vollständigen Zerstörung des naturbelassenen Kulturraums Alpen (Vorsicht, Ironie) sind wir meiner Ansicht nach sehr weit entfernt. Daher erschließt sich der Eifer, mit dem manche Naturschützer jedes Seilbahnprojekt bekämpfen, nicht wirklich.
 
Da muss ich direkt an den Nordschwarzwald denken. Hier wird ein hässlicher aufgeforsteter Fichtelwald als Naturpark vermarktet. :cool:
 
Auch als begeisterter alpinskifahrer, der gerne Pisten und schnelle Liefte benutzt muss ich @Illhorn recht geben.

Gegen einen in Maßen statt findenden Ausbau bestehender Skigebiet ist sicher nichts einzuwenden.
Aber muss man denn wirklich jedes Skigebiet mit einem anderen Skigebiet zusammenschließen?
Müssen wir als Skifahrer wirklich immer größere Skigebiete haben? Oder kann nicht ein kleineres Skigebiet weit mehr Spaß machen?
Wird nicht Rodel, Winter wandern oder Pferdeschlittenfahren für viele nicht immer mehr zur Alternative? Hier sind doch neue Konzepte gefragt.

Natürlich gibt es keine Allgemeingültigkeit. Manchmal kann auch eine neue Bahn zur Naturentlastung beitragen. Weniger Verkehr durch Busse und Autos dient auch der Natur.
Man muss sich einfach mehr an Gedanken machen. Und wenn eine unterirdische Bahn vorgeschrieben wird, dann hat sich das von selbst erledigt. Oder es wird eben das Geld aufgebracht.

Neue Konzepte sind wichtig. Ein einfaches weiter so, sollte es nicht geben.


Gruß!
der Joe
 
abseits der Verschandelungsfrage bringen Pistenerweiterungen und Skiebietszusammenschlüsse einen grossen Sicherheitsgewinn. Es ist nicht mehr so brechend voll auf den Pisten. und für jeden nicht getöteten Menschen befürworte ich die Masten.
 
schwarzwaelderski schrieb:
Da muss ich direkt an den Nordschwarzwald denken. Hier wird ein hässlicher aufgeforsteter Fichtelwald als Naturpark vermarktet. :cool:

...und gleichzeitig der Atomausstieg vorangetrieben wird bei dem niemand die "Alternativen" bei sich im Sichtfeld stehen haben möchte. Auch hier regiert der Tourismus und gibt den Takt vor aus Angst, der Tourist fühlt sich gestört wenn auf den Mittelgebirgshügel Windräder gebaut werden. Im Kern das gleiche Thema wenn auch in total anderer Art und Weise.
 
jo26861 schrieb:
abseits der Verschandelungsfrage bringen Pistenerweiterungen und Skiebietszusammenschlüsse einen grossen Sicherheitsgewinn. Es ist nicht mehr so brechend voll auf den Pisten. und für jeden nicht getöteten Menschen befürworte ich die Masten.
Theoretisch ja, praktisch passiert aber genau das Gegenteil: Nach Skigebietsverbindungen wird es in den Skigebieten meistens deutlich voller.

Ich sehe es als problematisch, dass mit den aktuellen Seilbahnen die Pisten einfach überfordert sind. Und dann natürlich auch deren Benutzer. Ich glaube vor allem in der wichtigen Weihnachtssaison haben in den letzten Jahren Viele Touristen ihren Urlaub verflucht. Wer will sich das denn ernsthaft antun, auf einem völlig überfüllten eisigen Kunstschneestreifen abzurutschen? Wer da ehrlich zu sich selbst ist, muss einsehen, dass das keinen Spaß macht. Und die "ruhigen Ecken", die es in den Großskigebieten noch gibt, wo man wenigstens 1-2 gute Abfahrten am Tag machen könnte, werden auch nach und nach mit Hochleistungsbahnen verbaut und damit skifahrerisch entwertet. Und das geht ja nicht nur an Weihnachten so zu, wer mal die Berichte über die ganze Saison verfolgt hat - es war in den Großskigebieten oft zu voll und damit die Pisten nicht mehr gut.

Dieses Jahr war dabei von der Schneelage wohl noch eine positive Ausnahme, aber ich glaube der Trend geht eher zu dem Zustand, den wir in den 2-3 Jahren davor erlebt haben. Skifahren ist dabei aber eine der teuersten Möglichkeiten, seinen Urlaub zu verbringen. Wer an Weihnachten fährt und mehrmals richtig schlechte Bedingungen antrifft, der wird sich schwer überlegen, ob er nochmal so viel Geld für einen Skiurlaub ausgibt oder doch mit dem Billigflug irgendwo in den Süden.

Was würde es denn bedeuten, wenn deshalb plötzlich ein großer Teil der Touristen nicht mehr kommt? Wenn 1/3 weniger Leute kommen, wären die Pisten auch noch nicht angenehm leer. Aber dank der tollen neuen Anlagen, die abbezahlt werden müssen, muss das Geld irgendwie trotzdem reinkommen. Das würde also deutlich höhere Skipasspreise bedeuten. Das können sich dann viele einfach nicht mehr leisten und kommen deswegen nicht mehr und die jetzt noch super erfolgreichen Bergbahnen bekommen ernsthafte Probleme.

Zusammengefasst: Ich sehe moderne Bahnen eher als Qualitätsverschlechterung als Verbesserung, mit der Ausnahme wenn tatsächlich eine Bahn viele Pisten erschließt. Und ich sehe das als finanzielles Risiko.

Beim Thema Verschandelung sehe ich bei Seilbahnen selbst eigentlich gar kein Problem, weil sie sich meist komplett "spurlos" wieder entfernen lassen. Viel schlimmer sind exzessive Pistenbauten. Manchmal sind sie eben nötig, manchmal aber auch ziemlich übertrieben, was dann wirklich schade ist.
 
Latemar schrieb:
............Müssen wir als Skifahrer wirklich immer größere Skigebiete haben? Oder kann nicht ein kleineres Skigebiet weit mehr Spaß machen?.....
Da sprechen aber die Zahlen eine eindeutige Sprache - groß schlägt klein.

.

"Illhorn" ist ja, außer mich wg. meines Vergleiches Kulturland/Geröllhalde zu bepöbeln, nicht auf meine Aussage eingegangen dass die Anzahl der Skifahrer aus div. Gründen nicht mehr steigt. Wenn man ein wenig Vertrauen in Marktmechanismen hat, dann kann man auf die schon beobachtbare Neujustierung warten. Wenn man eher auf Anordnungen von oben samt 5-Jahresplänen setzt
Illhorn schrieb:
....man muss der Menscheit beibringen...
gibt es ja Gelegenheit die dortigen Umwelt-Paradiese zu besichtigen.

Manche erschlossene Alpengebiete wurden auch nicht "verschandelt". Manche bekannte Destinationen waren unattraktive, von Menschen schon nahezu vollkommen verlassene Geröllhaufen - was niemand sehen will kann man auch nicht verschandeln.
Ich bin ein langjähriger Zermatt-Tourist. Da gab es was zu verschandeln - und bei aller erkennbarer Bemühung infrastrukturmäßig die Auswüchse zu begrenzen (kaum Pistenplanierungen), es wurde verschandelt. Wäre ich in Z Entscheider gewesen, der "Matterhorn-Express" wäre nicht frontal vor dem Matterhorn gebaut worden. Die Mehrkosten via Furgg waren akzeptabel.

Illhorns "Verschandelungspanik" kommt eh Jahrzehnte verspätet. So ab den 70ern, da wurde wie närrisch gebaut. Aber zum aktuellen "Wettrüsten" - da wird halt ein alter durch eine neue, komfortable Anlage ersetzt. Kein wirkliches Problem. Wie gesagt, die Neuerschließungen sind Vergangenheit, die Anzahl der Skigebiete sinkt.
 
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