Ich gehe davon aus, das die CEN-Normänderung von den Betriebserfahrungen der 3S-Bahn in Sotschi abhängig gemacht wird. Ursprünglich war eine der in Sotschi zu bauenden Anlagen für Vmax = 7,5 m/s geplant; später hat man sich dann aber umentschieden, weil man eine Fahrzeit von 11 Minuten für die ca. fünfeinhalb Kilomter lange 3S-Bahn anstrebt. Jetzt wird die Anlage für 8,5 m/s gebaut und auch mit 8,5 m/s betrieben werden. Die CEN-Norm ist üblicherweise bei 3S-Bahnen sehr restriktiv. In Frankreich fahren 3S-Bahnen mit 7,5 m/s, obwohl die CEN-Norm Vmax = 7,0 m/s vorgibt, d.h. die CEN-Norm bleibt 0,5 m/s hinter der Praxis zurück. Wenn in Sotschi der Betrieb mit 8,5 m/s stabil läuft, dann ist es realistischer, dass die CEN-Norm auf 8,0 m/s angepasst wird, als auf 8,5 m/s.
Für den ÖPNV ist aber eine Geschwindigkeit von 8,0 m/s zu langsam. Da es beispielsweise aufgrund eines Bahnüberganges in Wolfratshausen erhebliche Schwierigkeiten gibt, die S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried Süd (ca. 9 km) zu verlängern, wird auch über eine 3S-Bahn von Wolfratshausen über Gelting, Geretsried nach Geretsried Süd nachgedacht. Bei einer Länge von ca. 8,5 km ist nach meiner Einschätzung aber eine 3S-Bahn nur realistisch, wenn sie für den ÖPNV weiterentwickelt wird.
Man wird abwarten müssen, wie sich die politische Diskussion entwickelt. Spannend würde es, wenn das Bundesforschungsministerium einen Entwicklungsauftrag vergeben würde, 3S-Bahnen für Vmax = 12 m/s weiterzuentwickeln.