Da diese großartige Tour genau heute vor 15 (!) Jahren begonnen hat, ergänze ich k2ks Bericht mal ab heute und in den Folgetagen mit meinen Eindrücken und ein weiteren Bildern bzw. Bildern in einem etwas zeitgemäßeren Format...
1. Tag: Donnerstag, 4. August 2005 - Ein gemütlicher Anreisetag, der aus mehreren Gründen doch noch spannend wurde
Da k2k um 14.30 Uhr in Landeck mit dem Zug ankommen sollte, sind wir drei in Mün-chen erst um 10.00 Uhr ganz gemütlich losgefahren, wenig Verkehr, auch am Fernpass. In Imst haben wir dann Mittagspause gemacht, sind nach Hoch-Imst hinauf ge-fahren (die 18%-Straße möchte ich bei Glatteis nicht fahren) und haben den Alpin-Coaster schnell getestet. Hier hat sich mal wieder gerächt, dass ich fast immer aus der Skifahrerperspektive denke, denn an der 2-KSB war nichts los und deshalb dachte ich nicht an Wartezeiten an der Rodelbahn, die aber sich doch auf ca. ½ Stunde belaufen haben. Schön, dass der Coaster so ein Erfolg ist, aber auf diese Weise mussten wir uns dann doch ziemlich beeilen pünktlich in Landeck zu sein. Der Coaster hat uns sehr gut gefallen, die Strecke ist lang und abwechslungsreich, der Fahrspaß enorm, vor allem da man tatsächlich nicht bremsen muss, aus der Kurve fliegt man ja nicht.
Das Treffen in Landeck hat bestens geklappt und k2k und Ich waren sehr froh uns nach fast drei Jahren Forum und ca. 5.500 Posts des jeweils anderen endlich persönlich zu begegnen.
Wir sind dann weiter in Richtung Oberinntal gefahren, schließlich nach links ins Kaunertal abgebogen, das doch einen deutlichen Kontrast zum viel intensiver be-siedelten Ötztal und zum steileren und engeren Pitztal darstellt. Der Hauptort Feichten ist so unscheinbar, dass man an der Mautstelle (19 €) gar nicht realisiert schon vorbeigefahren zu sein. Die Straße zum Weißseeferner ist tatsächlich landschaftlich sehr schön und auch schön zu fahren (außer vielleicht die größtenteils einspurige Traverse des Gepatsch-Stausees). Aber es zieht sich, bis man auf 2.750 m am Parkplatz steht.
Eigentlich wollten wir ja am Gepatschhaus auf 1930 m parken und dann zur Rauhen-Kopf-Hütte auf 2730 m aufsteigen. Die nur 30 Schlafplätze bietende Hütte war allerdings schon überbelegt und deshalb haben wir die Planung zwangsweise etwas um-stellen müssen. Statt von Nordosten wollten wir nun von Südosten von der Weißkugelhütte und den Richterweg aufsteigen. Zu diesem Zweck mussten wir folglich ins Südtiroler Langtauferer Tal wechseln und zwar über das uns allen wohl bekannte Fal-ginjoch, wo die beiden SLte Weißseeferner I und II enden.
Das Wetter war den Tag über eigentlich gut, mehr Sonne als Wolken, ab und an ein paar Regentropfen. Bis wir uns aber umgezogen haben zieht es zu und beginnt zu schneien, für einige Teilnehmer ein für August ungewohntes Phänomen.
Eigentlich war der Aufstieg entlang der Schlepplifte und der Skipiste alpinistisch mehr als banal, mit dem Schneefall und dem dichten Wolkenvorhang reichte die Sicht kaum mehr als 50 Meter. Deswegen waren wir recht froh um die Orientierung bietenden Masten. Aus Übungsgründen, aber auch zum leichteren Vorankommen sind wir mit Steigeisen gegangen, was einige Technik-bedingte Verzögerungen induzierte und uns zur Schlussfolgerung veranlasste, dass Riemen-Bindungen für Steigeisen einfach Mist sind. Die Steigeisen erwiesen sich im steilen Schlusshang unterhalb des Falginjochs noch als bitter notwendig. Wegen der diffusen Sicht und da wir die Spaltengefahr auf dem Trainingshang nicht einschätzen konnten folgten wir weiterhin sehr direkt den Liften, was wegen der ordentlichen Steilheit bei schönen Eisbedingungen in Richtung leichte Eiskletterei ausartete. Besonders spannend gestaltete sich dann die schön ausgeprägte Randspalte, die wir auf einer soli-de aussehenden Brücke überschritten. Eigentlich hätten wir hier mit Seil sichern müssen, was aber wieder viel Zeit gekostet hätte und in der steilen, fast blanken Flanke ohne Standplatzbau wiederum unsinnig gewesen wäre. So verließen wir uns auf unsere Standfestigkeit auf Frontalzacken und Eispickel und passierten diese unangenehme Stelle sicher. Ein Dutzend Meter stand ich als Vorausgehender dann plötzlich auf einer Vlies-Matte – die Abdeckung des Bergstationsbereichs. Also querten wir kurz nach links auf die Piste und standen auf 3100 m (der Gletscher hat hier auf einige Meter verloren, zum Joch sind es noch 10 Hm Fels) am Falginjoch bei recht ungemütlichen Bedingungen: eiskalter Wind, Schneefall, überzuckerte Felsen und ein Steilabstieg über eine 200 Hm hohe Felsflanke.
Man sieht zwei Teilnehmer auf dem "Weg" vom Falginjoch ins Langtauferer Tal.
Glücklicherweise fanden wir gleich den Einstieg in den markierten Abstiegsweg ins Langtauferer Tal. „Weg“ ist hier schon arg euphemistisch – es gibt maximal leichte Spuren und alle 10 Meter eine von oben schwer einzusehende Markierung. Das Gelände ist eine der übelsten „Klamotten“- und Bruchhaufen, die mir je begegnet sind. Alles bewegte sich. Beim Felshalten an einem Block hatte man diesen fast sofort in der Hand, bei einem Schritt abwärts löste sich sofort eine kleine Geröllrutschung und dazu war alles von frischem Neuschnee überzuckert, was den Grip auf dem Fels nicht wirklich verbesserte. Wir ließen die Steigeisen schlauerweise an und kamen gut unten im Karboden an und schafften es tatsächlich durch weite Abstände uns gegenseitig keine Steine auf den Schädel zu donnern, wobei es einmal allerdings knapp war. Aber es kostete ordentlich Zeit bis wir in der trostlosen Blockwüste des obersten Falgintales standen und in einer paradiesischen Vision in den Wolkenfetzen die grünen Matten und Wälder des Langtauferer Tals hinauf grüßen sahen.
Die Hauptschwierigkeiten waren nun überwunden, aber die meiste Wegstrecke zur Hütte lag noch vor uns, weshalb wir erst gegen 21 Uhr (Abmarsch war etwa 16.30 Uhr am Parkplatz) die Weißkugelhütte (CAI, 2544 m auf ital. Refugio Pio XI) erreichten und erst mal von der netten Wirtin einen gscheiden Schnaps eingeschenkt bekamen, danach noch drei Gänge opulentes Abendessen (Halbpension mit Übernachtung 35 €).