Also ich werde einmal versuchen euch eine Hitliste bezüglich Windanfälligkeit zu erstellen und werde zu Anfang einmal ein paar Basics vorausbringen:
1.) Form des Fahrzeuges:
Bereits früh erkannte man dass eine eckige Form von Seilbahnkabinen nicht optimal ist, da Sie dem Wind eine grössere Angriffsfläche bietet und zudem bei Stationseinfahrt leicht zu Verbeulungen des Wagenkastens führt. Die erste "stromlinienförmige Kabine" wurde 1938 bei der Pfänderbahn eingeführt.
Heute ist man zu Teil wieder von diesen frühen Erkenntnissen abgegangen und aufgrund der Einfachheit der Bauweise wieder der (fast) reinen Kastenbauform den Vorzug gegeben (Positive Ausnahme Conus Kabinen der CWA mit Seitenwindstabilität bis 80 km/h - laut Hersteller und damit deutlich besser als die Standard Omega Kabinen!)
2.) Gewicht des Fahrzeugs:
So paradox das klingt, aber das Gewicht spiet aufgrund der pendelnden Aufhängung nicht eine so grosse Rolle wie man annehmen möchte. Im Gegenteil. Bis in die Achtziger Jahre hinein versuchte man deutlich Gewicht zu reduzieren, um bei gleichbleibenden Anlagenverhältnissen mehr Leute zu transportieren (Bsp. Hahnenkammbahn 1932 - neue Leichtmetallkabinen anstelle der Holzkabinen erhöhten die Förderleistung um 4 Personen pro Fahrt.
3.) Gehänge:
Dieses spielt in Bezug auf die Windstabilität eine nicht zu unterschätzende Rolle, da von diesem das Drehmoment auf die Kabine wirkt. Bei einer "Einpunktauflagerung" ohne Stabilisierung setzt sehr leicht eine Pendelbewegung ein, die im Stützenbereich prolematisch ist. (EUB), wenn aber durch die Achse Tragseil/Zugseil eine gewisse Stabilisierung stattfindet, besteht zwar weiterhin eine Pendelmöglichkeit, diese wird durch die Achse aber wesentlich schneller unterbunden. Und in Bezug auf eine Doppeltragseilfahrbahn verstärkt sich dieser Effekt deutlich, weshalb diese Bahnen (3 S Bahn und Pendelbahn) eine sehr grosse Windstabilität haben.
Die grösste Windstabilität haben natürlich Funitels und Funifors, da diese nur ein verkürztes Gehänge haben und mit einer relativ breiten Spur (ca 3 m) fixiert sind. Nachteil. Die Kräfteeinwirkung wirkt nahezuauschliesslich auf Gehänge und falls vorhanden Klemmapperate, was zu stark erhöhten Seilbelastungen führt, die bei einer Pendelbahn nicht vorherschen. Eine interessante Zwischenlösung bildet hier die 1988 errichtete Gaislachkogelbahn II, eine DLM.
Resultierend lässt sich daraus sagen:
Je exponierter die Trasse einer Bahn ist (Schwebehöhe, fehlende Bewaldung) und je einfacher die Fixierung ist, desto windanfälliger ist das System. Das ist mit einer der Gründe, warum EUB meist recht nieder über dem Boden schweben und PB u.ä. (3 S Bahn Safari Express) bis zu 400 m über Boden absolut exponiert schweben können - ok 400 über Boden geht bei einer EUb alleine aufgrund der Spannweite nicht (200 - 400 m)
Daraus resultiert die Hitliste:
EUB (Eingriff durch das Fahrpersonal beschränkt, viele Stützen, schlechte Fixierung)
ZUB (Eingriff durch das Fahrpersonal beschränkt, weniger Stützen, bessere Fixierung)
PB mit einem Tragseil (Eingriff durch das Fahrpersonal jederzeit möglich, weniger Stützen, bessere Fixierung)
PB mit Doppeltragseil, 3 S Bahn (Eingriff durch das Fahrpersonal zum Teil jederzeit möglich (PB) zum Teil beschränkt (3 S Bahn), kaum Stützen, gute Fixierung)
Funitel (Eingriff durch das Fahrpersonal beschränkt, viele Stützen, sehr gute Fixierung)
Funifor (Eingriff durch das Fahrpersonal jederzeit möglich, kaum Stützen, sehr gute Fixierung)
Allerdings darf man auch nie die Betriebskosten eines Sytems ausser Acht lassen:
Von Billigsten zu Teuersten:
PB
ZUB
3 S Bahn
Funifor
EUB
Funitel
Und am allerbesten bleibt nachwievor ein bodengebundes System, wie die Standseilbahn, auch wenn dort zum Teil im Winter die Schneeräumung dazukommt (incl. eigefrorener Rollen - es sei den es gibt Rollenbatterieheizung, wie bei der Rosshüttenbahn) Schneeräumung entfällt wenn die Bahn aufgestämdert ist (z.B. Lizum) dann ist die Anlage aber etwas windanfälliger
Grüsse
Petzi aus Maishofen