Anfahrt: Imst - Jerzens ca. 40 Minuten
Wetter: Schön, -2°C bis +7°C
Schnee: Ca. 30-100 cm. Naturschneegrenze auf ca. 1600-1700m, darunter Kunstschnee. Pisten oben hart, unten feucht, gut zu fahren.
Anlagen in Betrieb: Alle
Wartezeit: Keine
Gefallen: Sinnvolle Erschließung, abwechslungsreiche Pisten auch für gute Fahrer, erstaunlich weitläufiges Panorama
Nicht gefallen: Nix
Bewertung:
Website: http://www.hochzeiger.com/
Pistenplan © http://www.hochzeiger.com (Ausschnitt):
Harzwinter's Familienskiurlaub 2011 führte mal wieder über den Fernpass nach Österreich. Als Lehre aus den Anfahrt-Katastrophen vor allem des Vorjahres erfolgte die Anreise diesmal nicht samstags, sondern bereits am Freitagnachmittag mit Übernachtung im Raum Imst. Da die Ferienwohnung natürlich erst am Samstagmittag bezugsfertig war, bot sich ein Zwischenziel auf dem Anreiseweg an. Da Klein Harzwinter der Skikunst noch nicht ganz mächtig ist, musste es eines mit Rodelmöglichkeit sein. Leider schied Hochimst hier schneemangelbedingt aus, so dass wir auf Jerzens und sein Skigebiet am Hochzeiger auswichen. Bislang hatte ich über dieses Skigebiet nur Positives gelesen und war entsprechend neugierig.
Jerzens hat das Skigebiet Hochzeiger in den letzten 10 Jahren grundlegend renoviert. Es gibt also vorwiegend moderne, schnelle Liftanlagen. Man hat es aber verstanden, zumindest eine ältere Sesselbahn und einen längeren Schlepplift stehen zu lassen. Das Kernskigebiet am Hochzeiger ist eine große, ideale Schneeschüssel auf ca. 2000-2400m Höhe samt Erschließung des Nachbargipfels Sechszeiger. Ergebnis ist ein abwechslungsreiches Höhenskigebiet mit breiter Genuss-Talabfahrt - für gute Fahrer ein schönes Tages-Skigebiet, für Fahrer, die es langsam angehen lassen, vielleicht sogar ein Ziel für eine Woche.
Dem Besucher fällt auf, dass der Ort Jerzens keinerlei Liftverbindung ins eigene Skigebiet hat. Dieses beginnt erst auf 1400m Höhe, also rund 300 Höhenmeter über dem Ort. Die Anfahrt der Feriengäste erfolgt zwangsläufig per Skibus oder Pkw. Im März 2011 führte die allgemein schwache Schneelage auf der Alpennordseite und im inneralpinen Raum zu einer Schneelagegrenze auf ca. 1600-1700m. Die Talabfahrt und die breite Skiübungswiese im Talstationsbereich waren durch Beschneiung trotzdem flächendeckend perfekt schneebedeckt - so selbstverständlich, als sei es nie anders gewesen. Eine tolle Leistung des Beschneiungsteams!
Die 6EUB zum Zeigerrestaurant bringt den Skigast zügig ins Skigebiet. Während Frau Harzwinter und Klein Harzwinter sich auf der Rodelbahn vergnügten, nahm ich das Skigebiet von links nach rechts unter die Kanten. Ungeduldigen Naturen wird die Fahrt in der alten DSB Sechszeigerbahn wenig Freude machen - hier sei gleich auf die 6KSB "Panoramabahn" verwiesen, die 200 Höhenmeter unterhalb der EUB-Bergstation am Hochzeigerhaus startet. Vom Kamm des Sechszeiger in Richtung Westen erschließt die 6KSB Zirbenbahn zwei lange, aussichtsreiche Pisten, nämlich die Panoramaabfahrt und die Zirbenabfahrt. Leider vefügt die Zirbenbahn über diese pseudomodernen Bubble-Hauben in ekligem Orange, die die Urlaubsimpression optisch beeinträchtigen und die zumindest bei mir dafür sorgen, dass sich beim Blick durch das wenig einfühlsam gefärbte Plexiglas der Magen umdreht. Bei gutem Wetter bleibt immerhin die Chance, die Haube geöffnet zu lassen ... Auch die 6KSB Panoramabahn mit Talstation an Hochzeigerhaus bzw. Stalderhütte bietet eine schöne, wahlweise carving- oder speedtaugliche Piste. Die eigentliche "Schneeschüssel" des Skigebiets Hochzeiger wird dagegen von 4KSB Rotmoosbahn und Zollberglift erschlossen. An der Rotmoosbahn befinden sich die sportlichsten Pisten am Hochzeiger. Schwarz ausgewiesen, sind Benni-Raich- und Rotmoos-Abfahrt in Wirklichkeit zwar bestenfalls rot, bieten aber trotzdem sehr hohen Spaßfaktor. Wegen der falschen (farblichen) Ausweisung bleiben sie erfreulicherweise relativ leer. Die ebenfalls schwarz ausgewiesene Verbindung "Kanonenrohr" von der Rotmoosbahn zum Zollberglift ist ein Hangziehweg mit wenigen steileren Beschleunigungsstücken, bestenfalls dunkelblau. Keine Ahnung, was diese "Verfärbung" im Skigebiet Hochzeiger bezwecken soll. Der Zollberglift mit seiner schönen roten, wenn auch nicht sonderlich langen Piste bietet letztlich ein Stück Skiklassik, das den Skitag am Hochzeiger abrundet.
Die Talabfahrt vom Zeigerrestaurant hinunter zur Talstation ist eine der schönsten mir bekannten. Breit und mit optimalem Gefälle bietet sie endlos viel Platz und lädt eher zu Wiederholungsfahrten als zum Abschluss des Skitages ein.
Für die Einkehr können wir unterhalb der EUB-Talstation die unscheinbar gelegene "Egger Lounge" empfehlen, in deren Außenrestauration sich offenbar wenige Mittagsgäste verirren (man lebt hier wohl eher vom Après Ski-Betrieb). Das Essen ist unschlagbar lecker!
Fazit:
Das Skigebiet Hochzeiger kann ich wegen gut abgestimmten Erschließungskonzepts, abwechslungsreicher Pisten und erstaunlichen Panoramas nur empfehlen. Befürchtungsweise lässt das vor kurzem verliehene ADAC-Prädikat "Aufsteiger des Jahres 2010" eher auf ein langweiliges, übererschlossenes Sicherheits-Skigebiet schließen. Nach Jerzens kann man ruhigen Gewissens "trotzdem" kommen, ohne enttäuscht zu werden.
Fotos:
Talstationskomplex EUB Hochzeiger.
EUB-Ausfahrt aus dem Talstationskomplex.
EUB-Überflug über die top präparierte Talabfahrt. Links am Bildrand erkennt man, wie es hier ohne Beschneiung aussähe.
DSB Sechszeiger mit Zeigerrestaurant. Wer es eilig hat, lässt diese DSB besser aus. Sie fährt nicht nur sehr bedächtig, sondern bleibt auch oft stehen.
Sechszeiger-Abfahrt hinüber zur Zirbenbahn.
6KSB Zirbenbahn. Ersetzte den Kalbenalmlift.
Die Zirbenbahn mag ja eine gute Skifahrer-Massenschaufel sein ... aber was sollen diese geschmacklosen gelben Bubbles? Eklig.
Panoramaabfahrt Hochzeiger. Großes Tiroler Skikino. Frühösterliche Landschaftsimpression Anfang März. Links unten im Inntal liegt Imst.
Übergang der Panoramaabfahrt in die Zirbenabfahrt. Gegenüber der Venet, der Hausberg von Landeck.
Blick vom Gipfel des Sechszeigers auf die Oberinntaler Bergwelt. Hinten (durch die Pillerhöhe zwischen Pitztal und Kauner-/Inntal gesehen) das Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis mit dem Furgler. Die weiße Fläche hinterm Lattenjupp ist wieder der Venet über Landeck.
Teilansicht Skigebiet Serfaus-Fiss vom Sechszeiger gesehen. In der Bildmitte links erkennt man die Waldabfahrt vom Serfauser Alpkopf. Links oberhalb der Bildmitte die Komperdellalpe. Oberhalb der Bildmitte rechts das Fisser Skigebiet am Schönjoch. Auf dem Kamm rechts die Fisser Frommesabfahrt.
Niederjöchl-Abfahrt der Panoramabahn. Großer Pistenfahrspaß.
Panoramabahn mit Hochzeigerhaus und Venet.
Hochzeigerhaus. Schul-Skistation von Frau Harzwinter Ende der 1980er Jahre.
Nochmal die Niederjöchl-Abfahrt.
Die Schneeschüssel des klassischen Hochzeiger-Skigebiets mit Rotmoosbahn und Zollberglift. Schöne Pisten aller Schwierigkeitsgrade (wobei Hochzeiger-Schwarz real Rot ist).
4KSB Rotmoos, die vorwiegend "schwarze" Pisten erschließt, welche real eher rot sind.
Rotmoosabfahrt. Hier kann man's krachen lassen!
Zollbergabfahrt des letzten längeren Schlepplifts im Skigebiet Hochzeiger.
Skilift Zollberg. Hoffentlich wird er nicht auch noch durch eine xKSB ersetzt. Ein Skigebiet wie der Hochzeiger braucht einen Schlepplift.
Skilift Zollberg vor dem frühlingshaft grünen, vorderen Pitztal. Der weiße Strich auf dem Hang oberhalb der Bildmitte ist das Skigebioet Hochimst.
Talabfahrt im Zoom.
Talabfahrt ... wenn doch jede so schön wäre!