Besuch in Massada (Israel) - Pendelbahn zum Namensgeber der Beitrags-Rangliste

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talent
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Besuch in Massada (Israel) - Pendelbahn zum Namensgeber der Beitrags-Rangliste

Beitrag von talent »

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Bergstation der Pendelbahn nach Massada


Massada - irgendwie kommt einem dieser Name doch bekannt vor, oder? Nach über 12 Jahren kann man sich durchaus als Alpinforums-geschädigt betrachten. Trotzdem klingelt es nicht bei mir, als wir unseren Israel-Trip 2022 planten. Es klingelt nicht, als ich 3 Reiseführer zum Land von A bis Z verschlang. Es klingelt nicht, als wir die Route unserer Reise festlegten. Auch klingelt nichts bei mir, als wir Massada im November 2022 tatsächlich besuchten.

Erst als ich darüber nachdenke, ob ein paar Bilder der Pendelbahn Massadas ein Posting im Forum Wert sind, wird mir klar: Massada ist der Berg, welcher im Beitragsranking eines jeden Users erscheint, der zwischen 5 und 114 Posts verfasst hat. Im Alpinforum ist Massada (5m) also der Berg zwischen Meeresspiegel (0m) und Großer Müggelberg (115m).

In Israel dagegen ist Massada eine Art Nationalheiligtum - doch dazu später.

Die Höhenangabe von fünf Metern über dem Meeresspiegel mag geographisch stimmen, doch de facto türmt sich das Felsplateau Massada (wahlweise auch Masada) knapp 450 Höhenmeter über dem Westufer des Toten Meeres auf. Am Toten Meer wiederum liegt die tiefste, zugängliche Landstelle der Erdoberfläche, denn das Tote Meer liegt etwa 430 Meter unter Normalnull. Somit ergibt sich für den spektakulären Tafelberg Massada eine reichlich unspektakuläre Höhenangabe. Im Forum sind es 5m über NN, das Typenschild der Pendelbahn gibt 33 m ü. NN an.

Wenn man vor Ort ist, sind diese Fakten gänzlich egal. Entscheidender ist: vom Parkplatz des Nationalparkeingangs Massadas zum Gipfelplateau trennen uns etwa 300 Höhenmeter. Diese sind wahlweise zu Fuß, via dem "Schlangenpfad", oder per Pendelbahn zu bewältigen. Der Schlangenpfad heißt so, weil er sich den Berg hinaufschlängelt, und nicht weil man dort Reptilien antrifft. Trotzdem ist der Pfad wenig begangen, denn Massada liegt in der judäischen Wüste, sodass sommers die Temperaturen 35 oder gar 40°C erreichen.

Abhilfe schuf die Schweizer Firma Karl Brändle, die 1971 eine erste Pendelbahn errichtete. Nachdem diese an ihre Kapazitätsgrenzen stieß, kam abermals eine Schweizer Firma zum Zug. Von Roll ersetzte die ursprüngliche Bahn Ende der 90er durch eine neue Pendelbahn, die zum Millennium eröffnet wurde. Mit einer Kapazität von 80 Personen je Kabine können 1.200 Personen pro Stunde und Richtung befördert werden. Das ist auch notwendig, denn Massada erfreut sich großer Beliebtheit. Innerhalb einer (!) Ferienwoche meldete der Nationalpark kürzlich 32.000 Besucher und war damit unter den drei beliebtesten Nationalparks Israels. Günstig ist der Spaß übrigens nicht: Für den Besuch inklusive Berg- und Talfahrt zahlt ein Erwachsener 77,00 NIS, was momentan etwas mehr als 20,00 € entspricht.

Nach dieser etwas länger geratener Einführung noch ein paar geschichtliche Hintergründe zu Massada: Das Hochplateau war eine Palastfestung von König Herodes, dem von den Römern eingesetzten Herrscher Israels zu Jesu' Zeiten. Er nahm die Festung ein und baute sie aus. Es entstanden mehrere Paläste in römisch-hellenischer Architektur, dazu Tempel und sowohl militärische als auch zivile Bauten. Ein komplexes System aus Zisternen und Kanälen versorgte das Hochplateau mit Wasser. In den jüdischen Kriegen ab etwa 66 nach Christus fiel Massada an jüdische Gruppierungen, die sich der römischen Herrschaft widersetzten. Als letzter Ort des jüdischen Widerstands gegen die Römer fiel Massada vermutlich 74 nach Christus an die Römer. Zuvor belagerten diese den Berg monatelang mit etwa 4.000 Soldaten, die Lager, Wälle und Straßen errichteten. Der Eroberung diente ein von den Römern zur Rampe ausgebauter Felsgrat auf das Hochplateau, auf dem die Römer einen Belagerungsturm errichteten um die Mauern Massadas zu überwinden. Die jüdische Bevölkerung Massadas beging im Angesicht des römischen Sieges kollektiven Selbstmord. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Josephus starben 960 Bewohner, überlebt haben nur zwei Frauen und fünf Kinder, die sich versteckt hielten.

Nicht zuletzt auf diesem Widerstandsethos begründet sich der Mythos Massadas in Israel. Bis 1991 wurden dort auch Rekruten der Israelischen Armee (IDF) vereidigt, der Ort war und ist Schauplatz militärischer Zeremonien. Darüber hinaus ist Massada ein touristisches Top-Ziel sowie seit 2001 auch als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen.

Nun zu den Bildern:
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In der Talstation

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Blick zurück auf den Talstationskomplex mit Shop, Ticket Office, Museum (inkl. Audioshow), und unter alldem das Parkhaus

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Nochmals der Blick zurück

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Die Rampe am Fels entlang führt von der Bergstation auf das Plateau. Darunter erkennt man den Einstieg bzw. Ausstieg des Schlangenpfades

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Blick über das Tote Meer

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Technische Daten der Bahn

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Blick auf den Talstationskomplex vom Gipfelplateau

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Die Wadis hinter Massada

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Eine Zisterne Massadas, sicher 15-20 Meter hoch auch wenn das nicht deutlich erkennbar ist

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Von der "Rückseite" des Plateaus gibt es auch eine Materialseilbahn

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Dito

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Blick über das Plateau

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Die Rückseite bzw. Westseite Massadas ist etwas höhergelegen als die Talstation. Hier startet der Felsrücken, den die Römer als Rampe nutzten

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Totes Meer mit seltenem Schauspiel: Regen

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Reste von Herodes' Palast

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Grundmauern der Festungsanlage

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Grundmauern der Festungsanlage

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Zum Abschluss nochmal die Bergstation


Danke fürs Lesen!
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Re: Besuch in Massada (Israel) - Pendelbahn zum Namensgeber der Beitrags-Rangliste

Beitrag von br403 »

Ach, das war mir auch nicht bewusst. Ich war 2018 dort, lustig. Vielen Dank für Deinen Bericht!
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