Epilog
Wandern, das mache ich viel zu gerne und viel zu selten. Immerhin ein paar Touren pro Jahr gehen sich aus - und meine leidliche Kondition ermöglichen einigermaßen ausgedehnte Touren. Dabei konzentriere ich mich auf "normale" Wandertouren und Klettersteige, also keine Hochtouren. Schon seit langem möchte ich einen 3.000er erwandern, vom Tal aus. Das klingt unspektakulär, kommt man doch beim Skifahren oder dank Bergbahn öfters über 3.000m hoch hinaus. Daher liegt die Betonung auf "aus dem Tal erwandern". Letztes Jahr habe ich das mit dem Schnalsberg (3.004 m) neben der Stettiner Hütte in Südtirol schon knapp geschafft. Doch darum soll es in diesem Bericht nicht gehen.
Die offene Rechnung
In diesem Bericht geht es um eine offene Rechnung. 2017 fuhren wir schon einmal ins Unterengadin nach Scuol. Unser Plan war von Sur En auf die Lischanahütte aufzusteigen. Am zweiten Tag sollte es dann auf den Gipfel Piz Lischana gehen und durch die Uina-Schlucht zurück nach Sur En. Soweit der Plan.
Nicht nach Plan entwickelte sich das Wetter. Vor allem für den zweiten Tag kündigten sich Niederschläge und kalte Temperaturen an. Wir versuchten es damals trotzdem und wurden nicht belohnt. Schon auf der Hütte waren wir die einzigen Gäste. Eigentlich war die Hütte an jenem Wochenende ausgebucht, doch alle anderen Gäste hatten wegen des schlechten Wetters abgesagt. Ich erinnere mich noch an ein sehr gutes vegetarisches Abendessen, das wir zusammen mit den Hüttenwirten genossen.
Am nächsten Tag begrüßten uns 20 cm Neuschnee und dichtes Schneetreiben vor der Hütte. Doch trotzdem wollten wir nicht direkt absteigen. Den Gipfel zwar gaben wir auf, doch wir versuchten trotzdem zum Pass, der Fuorcla da Rims, aufzusteigen, in der Hoffnung, über die Uina-Schlucht absteigen zu können. Doch der Versuch scheiterte kläglich, da der Weg im Neuschnee nicht auszumachen war. Wir machten kehrt und stiegen über den selben Weg ab, den wir auch gekommen waren. Der lange, steile Abstieg durch Schnee und später Regen nach Sur En blieb mir im Gedächtnis hängen.
Ein neuer Versuch 2024
In diesem Jahr 2024 wollten wir die Scharte auswetzen und es nochmal versuchen. Wir buchten uns drei Betten in der Lischanahütte für Ende August und freuten uns auf die Tour. Doch auch dieses Mal spielte das Wetter nicht mit. Vor allem der Sonntag, unser geplanter Gipfeltag, drohte im Regen unterzugehen. Sollte es ein zweites Mal nicht klappen? Das wollten wir nicht zulassen und drehten unsere Tourenplanung kurzerhand um.
Eigentlich war geplant wie 2017 am ersten Tag von Sur En zur Hütte aufzusteigen (ca. 13km und 1.400hm). Am zweiten Tag war dann der Gipfel und der Abstieg geplant (etwa 22 km Strecke, 650 hm Aufstieg und >2.000hm Abstieg). Das wäre eine schöne Zweiteilung gewesen - erst ein steiler Aufstieg mit wenig Strecke - dann ein entspannter Gipfelanstieg mit langem Abstieg.
Unter dem Eindruck des Wetterberichts drehten wir die Planung um. Nun erwarteten uns am Samstag 2.150 hm Aufstieg bei 22 km Strecke und am Sonntag ein steiler Abstieg im Regen.
Der Samstag begann früh in unserer spartanischen Pension zwischen Landquart und Klosters. Die Wirtin war so nett und machte uns ein frühes Frühstück, neidisch beäugt von den polnischen Monteuren, welche die anderen Zimmer ohne Frühstück gebucht hatten.
Auf dem Flüelapass begrüßten uns die ersten Sonnenstrahlen, in Scuol ging es kurz in die Bäckerei und in Sur En stellten wir das Auto auf dem kostenlosen Parkplatz an der Innbrücke ab. Umziehen und Loslaufen war nun die Devise.
Morgens am Flüelapass zwischen Davos und Engadin
Nach wenigen Schritten ging es erstmal vorbei an den zähneputzenden Campern des gut gebuchten Campingplatzes Sur En.
Das Uinatal war schattig, aber ein dankbarer Tourenbeginn. Recht konstant ansteigend, erst geteert, später geschottert führt die Straße das Tal hinauf. Rechts und links beeindruckt die spektakuläre und hier recht einsame Engadiner Bergwelt.
Wir sind flott unterwegs, die ersten 9 km bis zum Beginn des Steigs durch die eigentliche Uina-Schlucht laufen wir mit 15min je km. Davon kann uns auch nicht die malerische Uina Dadaint Alm ablenken, die am Morgen schon von Radfahrern und einigen Wanderern bevölkert ist. Abgesehen von etwas Gegenverkehr und einigen wenigen überholenden Radlern sind wir aber recht alleine.
Ein schattiger Aufstieg durch das Val d'Uina
Die malerische Alm Uina Dadaint - das Essen sah lecker aus, schon am Morgen war es hier gut besucht
Kurz vor dem Eingang zur Schlucht wird es nochmal sonnig
Die Uina-Schlucht ist dann sehr spektakulär. Der Steig ist in die senkrechte Felswand gehauen und führt hoch über der Schlucht immer am Abgrund entlang. Nur zwei Tunnel unterbrechen den Blick in die Tiefe. Der Rand ist durch ein Geländer recht gut gesichert, sodass man hier keine Angst haben muss. Die hier omnipräsenten Radfahrer steigen aber ab, alles andere wäre fahrlässig.
Blick vom Eingang der Schlucht zurück ins Uina Tal
Hier beginnt der in die senkrechte Felswand gehauene Steig
Neben dem Weg geht es dutzende Meter tief in die Schlucht
Der Steig ist gut gesichert
Am Ende der Schlucht weitet sich das Tal jäh auf, plötzlich steht man auf einer sattgrünen Wiese in einem breiten Hochtal.
Wir sind nach etwa 02:50 h Aufstieg und 1.000hm reif für eine Pause. Die machen wir ganz malerisch auf einem Findling an einem Bergbach. Die Radfahrer fahren geradeaus durchs Hochtal gen Italien und Sesvennahütte.
Plötzlich wird aus der engen und schattigen Schlucht ein breites und sonniges Hochtal
Blick zurück - zur Schlucht hin verengt sich das Hochtal immer mehr
Ein Wasserfall oberhalb des Tals
Wir dagegen biegen rechts ab, der Weg verlässt das Hochtal und zieht nun die Hänge hinauf. In der beginnenden Mittagssonne werden die Anstiege unerbittlich. Erst geht es über steile Wiesen und Felsstufen, bis später die Landschaft karger und flacher wird. Wir haben eine kupierte Hochebene erreicht, die wir in Windungen und kurzen Anstiegen durchlaufen. Es kommen Geröll und Felsbänder hinzu, ein paar Schneeflecken und kleine Bergseen zeigen sich. Einen der Seen nutzen wir um uns kurz abzukühlen, bevor wir vollends zur Fuorcla da Rims aufsteigen.
Nachdem wir aus dem Hochtal abgebogen sind ist der Weg nun einsam - wir sind die einzigen Wanderer
Einer der zahlreichen Bergseen
Blick zur Fuorcla da Rims, hier oben nun viel Geröll und etwas Schnee
Das letzte Schneefeld vor dem Pass
Auf der Fuorcla da Rims kommen wir nach weitere 02:15 h an. Dort legen wir die Rucksäcke ab, denn das letzte Stück zum Gipfel ist eine Sackgasse. Über Geröll geht es nun auf eine Kuppe und dahinter einen breiten Grat entlang. Der verjüngt sich und wird recht ausgesetzt. Vorsicht ist hier vor allem wegen dem rutschigen Gelände geboten. Immer wieder geht es direkt an steilen, felsdurchsetzten Abhängen entlang. Nach weiteren Kuppen kommt dann der Gipfel in den Blick. Von weitem er aus wie ein großer Block. Übrigens darf man nicht ganz hinauf, denn es droht seit Jahren ein massiver Bergsturz. Aber keine Sorge, auch der „Ersatzgipfel“ ist über 3.000m hoch. Das Gelände ist nun richtig ausgesetzt, mit Tiefblicken auf die 600 Meter unterhalb gelegene Hütte. Der letzte Anstieg zum Gipfel ist rutschig und steil. Doch oben werden wir mit tollem Wetter und einem wunderbaren Blick ins Engadin und über die Nachbarberge belohnt.
Blick über den Gratweg hin zum Gipfel des Piz Lischana (3.105m)
Hier ist der Gipfel links im Bild, rechts sieht man das Dorf Sent
Tiefblick vom Gipfel ins Unterengadin, am rechten unteren Bildrand die Hütte Chamonna Lischana (SAC), wo wir heute übernachten
Blick zurück Richtung Fuorcla da Rims und Vinschgau
Nochmal der Blick ins Inntal
Nach einer kurzen Pause geht es zügig zurück, denn inzwischen ist es später Nachmittag. Mit den Rucksäcken steigen wir durch das Tal ab zur Hütte, wo wir gegen 17:30 Uhr, nach 7:30 Gehzeit zzgl. 2:00 Pause ankommen. Heute ist es deutlich voller als 2017, wenn auch wieder einige Betten der ursprünglich ausgebuchten Hütte leer bleiben. Glück für uns, denn wir haben zwar nicht die Hütte, aber immerhin das Zimmer für uns alleine.
Zum Essen gibt es leckere Tomatensuppe und Pizzoccheri, die Getränkepreise sind überraschend kulant und das Wetter noch lange gut. Ein denkwürdiger Tag geht zu Ende.
Nun sind wir schon auf dem Rückweg und passieren Geröllhalden mit Steinmännern
Das Val Lischana oberhalb der Hütte - früher gab es hier mal einen Gletscher, der die Hütte mit Wasser versorgte
Blick über das Val Lischana Richtung Scuol
Ein Blick hinauf zu den Gipfeln
Die Hütte, unser Tagesziel, kommt endlich näher
Endlich da - die Fassade leuchtet in der Abendsonne
Die Abendsonne über dem Tal - die Hütte bietet einen tollen Ausblick
Seitenansicht der Hütte - das SAC-Haus bietet 44 Betten und ist entsprechend überschaubar.
Der Hüttenwirt ist neu und sehr nett, das Essen reichlich und gut.
Am nächsten Morgen regnet es Bindfäden, aber das kennen wir ja von hier. Der steile Abstieg durch den Regen von der Hütte nach Sur En ist ein Déjà-vu und noch länger, als ich ihn in Erinnerung habe. Lang ist dabei weniger der steile Weg nach unten zum Talboden als der zähe Marsch am Inn entlang - Sur En liegt doch ein ganzes Stück flussabwärts. Einmal angekommen ziehen wir glücklich und zufrieden die pitschnassen Klamotten auf dem Parkplatz aus. In frischen Kleidern und dem trockenen Auto geht es über den Flüela zurück gen Heimat. Die gelungene Tour beschließen wir bei Tapas in Bad Ragaz.
Ein morgendlicher Blick zurück zur Hütte, die majestätisch auf einem Fels thront
Der Blick geht ins Tal - es regnet Bindfäden
Danke für's Lesen!
Sommer-Recap: Eine Augustwanderung im Unterengadin - Piz Lischana
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Sommer-Recap: Eine Augustwanderung im Unterengadin - Piz Lischana
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Saison 24/25: Ischgl-Samnaun, Sonnenkopf, Hochlitten, Hochoetz, Kühtai, Kitzbühel, Arosa-Lenzerheide, Vals Dachberg, Adelboden-Lenk, Tschentenalp, Elsigenalp, Lenk-Betelberg, Elsigen-Metsch, St. Moritz Corviglia, Corvatsch
Saison 23/24: Ski Dubai, Serfaus-Fiss-Ladis, Ski Arlberg, Grasgehren, Ifen & Walmendinger Horn - Heuberg, Lermoos & Wettersteinbahnen, Crans-Montana, Grimentz-Zinal, St. Luc & Chandolin, Vercorin
Saison 22/23: Ladurns, Kronplatz, Gitschberg-Jochtal, Grimentz-Zinal, St. Luc & Chandolin, Malbun, Kühtai, Ratschings, Stubaier Gletscher, St. Moritz Corviglia
Saison 24/25: Ischgl-Samnaun, Sonnenkopf, Hochlitten, Hochoetz, Kühtai, Kitzbühel, Arosa-Lenzerheide, Vals Dachberg, Adelboden-Lenk, Tschentenalp, Elsigenalp, Lenk-Betelberg, Elsigen-Metsch, St. Moritz Corviglia, Corvatsch
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