Bisher hat das aber aus vielen Gründen nicht geklappt. Letzten Sonntag konnte ich das Gebiet dann endlich besuchen.
Anfahrt:
Das Gebiet liegt im Osterzgebirge, nicht weit von CZ Mittelstädten wie Teplice oder Usti nad Labem entfernt auf einer Höhe von 589 bis 869 m.
Die Talstation auf 589m ist von CZ Seite einfach & schnell erreichbar. Von deutscher Seite kann man entweder oben am Berg auf kleineren Parkplätzen parken, welche aber ungeräumt oder belegt sein können. Wenn man zur Talstation möchte, ist die Anfahrt von Deutschland aus relativ mühsam. Vorallem verglichen mit den anderen Skihängen im Osterzgebirge. Anfahrts-Finale ist die 250 Höhenmeter überwindende Bezirksstraße 382, welche steil und im Erzgebirgsvergleich sehr kurvig ist. Bei Neuschnee ist diese "Passstraße" auch schon durchaus ein Erlebniss für sich. Letzten Sonntag war auf ganzer Länge fahren/rollen im 2. Gang nötig. Trotzdem bin ich kurz gerutscht.
Ankunft + rund um das Skigebiet:
Die Talstation des Skigebiets ist schon urig. Da es ein Keycard-System aus den 00er Jahren gibt und man mit Karte zahlen kann, ist der Bournak trotzdem nicht im letzten Jahrhundert stehen geblieben, sondern irgendwo in den 00ler Jahren. Genau in dieser Zeit lag offenbar auch die letzten richtig guten Saisons im Skigebiet. Zum einen gab es damals ein paar tolle Winter mit viel Naturschnee, zum anderen wurde 2005 ein neuer Doppelmayr Anker Schlepplift neben den Poma KSSL gebaut.
Seit 2010 - so wird es auf der eigenen Website gesagt - läuft es eher schlecht am Bournak. Ein Grund war mind. zwischen 2010 und 2013 eine ungewöhnlich hohe Landmiete von umgerechnet 40.000Euro/Jahr. Zusammen mit mehreren schlechten Winter ab 13/14 sieht das Skigebiet trotz neuem Investor im Jahr 2014 heute wahrscheinlich noch fast genauso aus, wie um 2005 herrum.
Talstation:
Der Weg vom Parkplatz zur Talstation ist sehr eben und sehr kurz. Dafür ist der Parkplatz leider auch sehr klein, wenn man ihn der maximalen Liftkapazität gegenüberstellt. Einen Skiverleih mit Skiservice gibt es natürlich auch. Mein Mitfahrer hat ein Board ausgeliehen, welches leider garnicht gewachst war. Das ist eigentlich auch mein größter Minuspunkt (obwohl es mich nur indirekt betraf).
Gekauft haben wir Lifttickets für den ganzen Tag, da ich davon ausging, dass nur die Slalomak Piste präperiert ist. Für den Tiefschnee wollten wir uns Zeit nehmen. Eine Mittagspause sollte natürlich auch noch drin sein. Sonst esse ich immer gern direkt im Lift. Das geht in einem Schlepplift Skigebiet natürlich nicht.
Preise:
Die Preise sind als eher hoch zu beschreiben (37Euro/Tag).
Dafür bekommt man bei guten Bedinugnen viel Platz auf der Piste, einen schnellen Schlepplift und viele Pistenvarianten.
Preisliste
geöffnete Lifte + Pisten:
Link Pistenplan
Lifte göffnet:
- A. Vlek Mikulov Doppelmayr (278hm)
- D. Vlek Údolíčko (37hm)
- E. Dětský vlek Bouřňák (9hm)
Lifte geschlossen:
- B. Vlek Mikulov Poma (280hm)
- C. Vlek Hrobská (143hm)
- der zweite Schlepplift am Südhang ist seit Jahren Lasp (ca. 210hm)
Pisten:
- (1) Slalomak; geöffnet + präperiert
- (2) Stará; Skiroute - fahrbar
- (3) Nová sjezdovka; geöffnet + präperiert
- (4) Pařezovka; geöffnet + präperiert
- (5) Turistická; Anfang und Ende geöffnet + präperiert (rest wegen Forstarbeiten geschlossen)
- (6) Hrobská; geschlossen
- (7) Údolíčko; geöffnet + präperiert
Beschneiung:
Nur Piste (7) hat eine Leistungsfähige Beschneiung, die diese Saison auch schon genutzt wurde.
Pisten (1) und (6) haben Schneekanonen, die aber meist als "Verstärkung" der gefallenen Naturschneemengen Schnee erzeugen.
Alle anderen Pisten sind reine Naturschneehänge.
Skitag
(4)
Erste Liftfahrt 9:45Uhr. Die Liftspur wurde natürlich nicht präperiert, sondern wird klassisch von den Skifahren eingefahren. Oben ausgestiegen ging es direkt nach rechts auf die Turistika, um zu den roten Pisten zu gelangen. Durch den Ausstieg des Anker Schleppers musste man erstmal ca. 200m lang auf die andere Bergseite queren, bevor die eigentliche Turistika beginnt. Der KSSL hingegen würde den Skifahrer direkt zum Turistika Einstieg bringen. Ich wollte zunächst zur (4) - Pařezovka rüber. Dort die Überraschung: sie war komplett gewalzt! Leider nicht wirklich schön zum schnellen fahren, aber dafür gab auch quasi keine braunen Stellen. Ein paar Tiefschneeecken waren dort auch zu finden. Landschaftlich ist diese Abfahrt aber auf jedenfall ein Traum. Das Höhenprofil ist auch nett. Zunächst ~80hm enge blaue Waldabfahrt mit kurzem Abstecher auf die Hochebene hinterm Bournak. Dann folgen über ~160hm breite, rote Abfahrt, welche im Tal flach ausläuft. Diese Piste kombiniert Erlebniss und Genussskifahren. Für Mittelgebirge ist man eine ganze Weile unterwegs (>1800m), ohne dass es nach dem Skateingstück am Gipfel erneut zu flach wird.
(3)
Zweite Liftfahrt; direkt wieder zur Turistika rüber gequert, um die (3) Nova sjezdovka zu fahren. Diese Piste splittet sich im oberen Teil nochmal in zwei Varianten auf, was man auf dem Pistenplan nicht sieht (auf Opensnowmap etc. hingegen schon). Einmal gibt es die direkte Abfahrt vom Gipfel. Diese ist oben ziemlich breit & im Vergleich zur Slalomak definitiv Windanfälliger. Dadurch kam an sehr vielen Stellen der oberen (3) der Dreck durch. Deshalb sind wir zunächst weiter zum zweiten Beginn der Piste gefahren. Dieser liegt am oberen Waldende. Dort beginnt nach rechts abzweigend ein ca. 100m langer "Steilhang". Dadrauf folgt eine 90Grad Kurve zurück in den Wald. Dannach folgen 100m auf einem engen Waldabschnitt. Bevor sich die Piste mit der anderen oberen Variante vereinigt, kommt ein kurzer Steilhang, gefolgt von einer kleinen Mulde mit etwas Gegenanstieg. Diese vielen Elemente auf nichtmal 400m Piste gefallen mir sehr. Durch die kleine Kompression nach dem Steilhang musste man außerdem Schuss fahren, da auf fast ganzer Breite Dreck und Steine lagen.
An diesen ersten Teil schließt sich eine sehr schöne schmale Waldabfahrt mit mittlerem Gefälle an, die wirklich gut präperiert war und sich toll fahren ließ. Obwohl die Piste eigentlich sogar etwas quer zum Hang verläuft, fühlt es sich an, als würde man in einer Mulde fahren. Zur rechten der Hang und Bäume, zur linken Seite aber auch dichter Wald. Man fühlt sich tw. allein mitten im Wald, weit weg von Zivilisation, obwohl man auf einer präperierten Piste steht.
Carvingschwünge über die ganze breite der Piste waren hier auch ohne Probleme (Absätze, einpräperierte Buckel ...) möglich. Sprich; man hat die 40cm Naturschnee innerhalb kürzester Zeit Top verarbeitet. (am 29.11.2023 war noch garnichts präperiert gewesen.)
Nach dem ~100hm überwindenden mittleren Abschnitt schließt sich das breitere Schlussstück der Piste an. Dieses ist zunächst etwas steiler, läuft dann aber unten ebenfalls flach in die Talebene aus. Außerdem liegt dieser Pistenteil in einer richtigen Mulde, wodurch dort sichtbar mehr Schnee als anderswo lag.
Alles in allem ist die Nova eine Top Abfahrt. Ich denke auch, dass sie meine Lieblingspiste am Bournak ist & bleibt, selbst wenn die Slalomak Tadellos präperiert wäre.
(1)
Nun aber auch mal zur Slalomak. Die Präperation erfolgte im mittleren Teil nicht auf ganzer Breite. Das ist nicht schlimm, da die Piste dort wirklich sehr breit ist. Die Piste selbst wurde wahrscheinlich vor dem Samstag das einzige mal präperiert. Oder aber man ist vor dem Skibetrieb Sonntags noch einmal drüber gefahren & hat aufgefahrene Hügel mit einpräperiert. Ich glaube sogar eher, dass noch eine schnelle Präperation am morgen stattfand, die die Buckel einpräperiert hat. Trotzdem war noch klar spürbar, dass die Unterlage "klassisch" gewalzter Naturschnee war. Meine Freeride Ski waren meiner Meinung nach so trotzdem noch die beste Wahl für den Skitag dort. Ich konnte Abstecher in den zerfahrenen Tiefschnee machen und außerdem "schnitten" meine Ski nicht tief in die Weiche Unterlage hinein. Eingentlich perfekt, um ohne viel Kraftanstrengung ein paar Kurzschwünge zu fahren. Der starken Rockerform der Ski sei Dank.
Im untersten drittel der Slalomak war die Piste fester und ohne feste Buckel. Dafür mit einigen Steinen + Dreck bestückt. Hier ließ es sich am einfachsten zügig fahren, man musste aber wirklich auf Steine achten.
Alles in allem ist die Slalomak natürlich mit Abstand der längste Steilhang im Erzgebirge. Es gibt nur ein kurzes Flachstück zu Beginn, sowie den Auslauf im Talboden bzw. den Weg zu den Drehkreuzen. Bei perfekten Bedingungen könnte man hier locker weit über 10000hm nur mit Schleppliften überwinden.
(2)
Da ich Neugierig war & es die Schneelage zuließ, bin ich auch noch die Skiroute (2) gefahren, die wohl mal eine Piste war oder es werden sollte.
Fazit: sehr steil - ähnlich wie der Beginn der Slalomak. Dazu war sie sehr eng (oft unter 5m, manchmal 10m) und meistens auchnoch stark hängend. Hier und da wuchsen schon Büsche. Aber sie war trotzdem fahrbar. Meine Einschätzung ist, dass die 40 bis 50cm, die an Schnee lagen, schon mind. nötig sind. Alles in allem aber auch ein sehr interresanter Abfahrtsverlauf. Ich glaube ja, dass sich nur eine Person alle Pistenverläufe am Bournak ausgedacht hat. Da hatte jemand genaue Vorstellungen, wie eine Skipiste zu sein hat und auch wie man diese Vison im Gelände des Bournaks umsetzt.
(5)
Die blaue Turistika (5) war ja teilweise gesperrt. Deshalb kann ich nur sagen, dass der obere Teil bis zur Piste (4), sowie der Talabschnitt, gut präperiert waren. Sehr einfach zu fahren sind sie auch, obwohl es oben kurz ziemlich schmal wird. Ich denke aber, dass das mittlere Stück der Abfahrt deutlich schwerer ist (für Anfänger). Sie ist wahrscheinlich nicht breiter als 5m, hat aber über 13% Durchschnittsgefälle im mittleren Teil. Ein steiler Ziehweg ist auch eher nix für Beginner.
(6)
Piste (6) Hrobská bin ich zwar am 3.12. nicht gefahren, dafür aber kurz vorher am 29.11.23 bei einer Skitour. Dieser Hang an der Südseite vom Bournak hat ein wesentlich entspannteres Gefälle, als die Pisten im Nordosten. Die Breite, niedrigere Schwierigkeit und hohe sonnige Lage haben diesen Hang zum Lieblingshang vieler Bournak Besucher gemacht (wird schnell klar, wenn man sich im Gebiet bzw. auf Sozialen Medien umhört). Bei einem hellroten Gefälle von knapp um 25% kann man dort sicher super lernen zu Carven. Durch die Breite der Lichtung bleibt dort sicher auch einiges unpräperiert, z.B. um die ersten Tiefschnee Erfahrungen zu sammeln.
(7)
Die Piste Údolíčko bin ich nicht gefahren. Nicht nur, weil sie so kurz ist. Vorallen, da Lift D nicht ohne einen kurzen Aufstieg von Lift E erreichbar ist. Das sehe ich schon als großen Mangel, da eine Anfängerpiste bis zur Talstation der Hauptlifte deutlich attraktiver wäre, als die derzeitige Lösung. Auch, da man diese Saison bisher NUR diesen Bereich um Lifte D und E beschneit hat. Von dieser beschneiten Pistenfläche im Tal wird aber nur ca. die obere Hälfte wirklich für Wdh. Fahrten genutzt.
meine Abfahrten im Überblick
Fazit:
Das Skigebiet hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Die Slalomak ist so Steil wie vermutet, aber das Restliche Skigebiet bietet nochmal deutlich mehr, als gedacht. Die beiden roten Pisten sind toll ins Gelände gelegt und mit der Route hatte ich außerdem ein Erlebnis, dass ich dort vieleicht nie weider machen werde. Mit der Turistika und einem offenen, präperierten Südhang gäbe es sogar beim nächsten Besuch noch neue Pisten zu erkunden.
Die fehlenden Schneeerzeuger und Absperrungen etc. geben großen Teilen des Skigebiets einfach einen schönen rauen, urigen und verlassenen Vibe. Im Talstationsbereich läuft Musik der 60er bis 90er Jahre. Kein Schnickschnack. Keine Imbissbuden. Dafür aber tatsächlich zwei Resturants mit Top Bewertungen direkt unten am Parkplatz. Alles in allem ist es das wohl speziellste Skigebiet im Erzgebirge. Nur für Anfänger, Sesselliftfahrer und Liebhaber perfekter Pistenpräperation nicht zu empfehlen. Ansonsten solltet ihr jede kommende Chance für einen Skitag dort nutzen, vl. gibt es nichtmehr viele. (Ich will nicht negativ Stimmung machen, eine Stilllegung des Gebiets würde mich aber auch nicht überraschen.)
P.S: am besten schnell nochmal hin. Heute Abend ist Nachtski und am kommenden Samstag werden sicher noch gute Bedingungen herrschen.