Jetzt bin ich gerade im Schreibflow, da kann ich gleich noch einen zweiten Sommerbericht nachschieben bevor die Skisaison endlich losgeht. Im Mai waren wir drei Wochen im Japan, ein langgehegter Traum ging damit in Erfüllung. Die Reise führte entlang der klassischen Touriziele auf der Hauptinsel Honshū, beginnend in Tokio, via Japanische Alpen, weiter nach Kyōto, Osaka und zum Abschluss Hiroshima.
Es stellte sich natürlich schon früh die Frage, wohin wir in den Japanischen Alpen wollen. Es gibt zahllose Touristenziele, beginnend mit der bekannten Stadt Nagano und ihren umliegenden Skiresorts. Letztendlich entschieden wir uns, den Hauptfokus auf Takayama zu legen, auch ein bekanntes Touriziel, und von dort aus die Gegend zu erkunden. Ein Aufenthalt in einem traditionellen japanischen Ryokan etwas abseits sollte die Tage in den Alpen abschließen.
Doch wie kommen wir von Tokio nach Takayama? Nachdem wir alle möglichen Optionen, mit Zwischenstopps und Ausflügen entlang der Routen, studiert hatten, entschieden wir uns für die Kurobe Alpine Route. Die Kurobe Alpine Route quert das Hauptmassiv der Japanischen Alpen mittels Busfahrten, Tunnels und Seilbahnen. Für Reisende mit Gepäck gibt es die Option, dieses separat transportieren zu lassen. Für uns hat es also gepasst, von Tokio via Kurobe Alpine Route in zwei Tagen nach Takayama zu reisen. Let's go!
Eine gute Übersicht über die Kurobe Alpine Route bietet deren Website: https://www.alpen-route.com/en/transport/fare.html
Der erste Tag beginnt früh morgens in Tokio. Von Ueno Station geht es mit dem Shinkansen nach Nagano. In Nagano laufe ich schnell zum Ticketschalter des Überlandbusses, da man deren Tickets nicht online vorbestellen konnte. Mit dem Bus fahren wir dann nach Shinano-Omachi. Dieser Zwischenstopp wäre eigentlich nicht nötig, da es auch direkte Expressverbindungen zum Startpunkt der Route gibt, allerdings kann man den Gepäckservice nur ab Shinano-Omachi buchen. Somit geben wir dort unser Gepäck ab, um dann einen weiteren Bus zum Startpunkt der Kurobe Alpine Route zu nehmen.
Auf dem Weg zu Ueno-Station
Dito
Im Überlandbus von Nagano nach Shinano-Omachi
Dort angekommen begrüßt uns ein imposantes Gebäude. Wir holen schnell und unkompliziert unsere Tickets, die wir ca sechs Wochen vorher gebucht hatten. Da unsere Tickets eine genaue Abfahrtszeit vorsehen, haben wir noch Zeit, die Station zu erkunden. Es gibt einen großen Souvenirshop und ein Restaurant, das von gefühlt hochbetagten Senioren betrieben wird.
Im Restaurant an der "Talstation" - komplett von hochbetagten Senioren betrieben
Zur Abfahrtszeit versammeln wir uns am Einlass und werden dann in die Oberleitungsbusse geleitet. Wie überall in Japan läuft alles geordnet und ohne Gedrängel ab. Überhaupt scheinen Japaner, Koreaner und Chinesen hier in Überzahl, europäische und amerikanische Touristen sind auf der Kurobe Alpine Route viel weniger vertreten als anderswo auf unserer Reise. Nach wenigen Kehren fährt der Bus in einen langen einspurigen Tunnel. Immer wieder gibt es Ausweichstellen um den Gegenverkehr passieren zu können. Die Fahrt endet in einer unterirdischen Busstation, von wo wir über zahlreiche unterirdische Treppen zum Kurobe Dam aufsteigen. Dieser in Japan sehr bekannte Stausee war wohl der ursprüngliche Grund für die Erschließung. Im Sommer kann man hier mit Booten zu verschiedenen Anlegestellen am See fahren, auch gibt es viele Wanderwege und einen bekannten und offenbar sehr ausgesetzten Steig vom Staudamm talabwärts durch die Schlucht bis zur Kurobe Gorge Railway. Das scheint wiederum eine sehr interessante Touristenbahn zu sein, die den unteren Teil der Kurobe-Schlucht erschließt und dabei an mehreren Onsen vorbeikommt. Durch ein Erdbeben ist ein Teil der Bahn jedoch beschädigt und derzeit geschlossen.
Nun geht es los - Blick aus dem Oberleitungsbus zurück.
Im Tunnel
Angekommen in der unterirdischen Endstation der ersten Busfahrt - von hier geht es über viele Treppen hinauf, raus aus dem Berg.
Ein erster Blick über den Kurobe Dam.
Massive Stahlbetonstrukturen und der erste Schnee der Reise
Die Bergwelt sieht schon fast aus wie daheim.
Der Damm ist ein imposantes Bauwerk...
Beton, Beton und noch mehr Beton.
Blick über den türkisfarbenen See...
...und zurück über den Damm, zur Station, an der wir eben ausgestiegen sind.
Nach einer Pause überquerten wir die Staumauer zu Fuß, um dann wieder in ein Tunnelsystem hineinzulaufen. Hier startet eine unterirdische Standseilbahn zur Station Kurobedaira. Nun sind wir im Schnee angekommen. Der Komplex ist quasi die Mittelstation auf dem Weg weiter nach oben, hier gilt es in eine Pendelbahn umzusteigen. Von deren Bergstation sehen wir Freerider abfahren.
Eine Standseilbahn ist unser nächstes Transportmittel.
Einige hundert Höhenmeter weiter oben angekommen.
Wir sehen das erste Paar Ski
Blick von der Mittelstation hinauf zur Bergstation. Ein Schild warnt vor Bären und im Hang sind Freerider zu sehen.
Wir warten auf die Kabine.
Die Technik ist augenscheinlich schon alt - mein Vertrauen ist dennoch groß, wir sind ja in Japan
Und da kommt sie endlich!
An der Bergstation angekommen genießen wir die Aussicht auf den Kurobe Dam, bevor wir ein weiteres Mal einen Elektrobus durch einen Tunnel nehmen müssen. Auf der anderen Seite stehen wir im zentralen Komplex der Route, und leider plötzlich mitten im Nebel. So sehen wir dummerweise herzlich wenig von der Murodo-Hochebene am Mt. Tateyama. Der Berg ist vulkanisches Gebiet, hier gibt es heiße Quellen und kleinere Krater.
Blick zurück zum See...
...und aus der Gondel...
...oben angekommen ist das Wetter noch gut.
Seitenblick zur Bergstation. Die Schneemassen sind hier schon erkennbar.
Wir steigen in einen weiteren Tunnel-Oberleitungsbus.
Und finden uns an dessen Endstation im Getümmel wieder. Hier ist richtig was los!
Die Architektur ist jetzt weniger überzeugend.
Aufgrund des Nebels besichtigen wir nur die "Hauptattraktion". Hier beginnt bzw endet eine lange Hochalpenstraße, die sich in zahllosen Kehren von Westen heraufschlängelt. Jetzt - im Frühjahr - liegen hier noch Unmengen an Schnee, sodass die Schneewände rechts und links der Straße aktuell bis zu 13m hoch sind. Für uns Touristen ist ein Weg entlang der Straße abgesperrt, um Bilder machen zu können. Dieser ist reichlich überlaufen, aber die Schneehöhe ist jetzt, Mitte Mai, schon spektakulär. Wir befinden uns immerhin auf "nur" 2.450 m Seehöhe.
Besagter Weg zu den Schneewänden entlang der Straße. Tourigruppe um Tourigruppe ist hier unterwegs, fast alle sind Asiaten.
Dennoch imposant hier...
...und nochmal.
Nun steigen wir in einen der bereitgestellten Reisebusse und fahren wenige Minuten talwärts, bis zur Tengudaira Hut. Das ist eine Mischung aus Berghütte und -hotel. Wir haben schöne Doppelzimmer ohne Bad. Dafür geht es in den eigenen Onsen, mit brutal heißem Wasser aus der vulkanischen Quelle einige hundert Meter weiter oben. Man kann von hier aus zu Skitouren oder im Sommer zu Wanderungen aufbrechen. Wir sind nur zum Übernachten (und Essen) hier - und das hat sich schon vollkommen gelohnt. Die Hütte ist wahnsinnig entspannt, nur spärlich gebucht, das Essen ist super und wir erholen uns gut.
Abfahrt zur Hütte - alles gesittet und geordnet.
Der Onsen - da niemand drin war, ausnahmsweise mal auf Foto.
Top Abendessen!
Ein abendlicher Rundgang um die Hütte.
Und hier das Frühstück - auch sehr gut.
Am nächsten Tag steigen wir wieder in den Bus und fahren die zahllosen Kehren über ca. 1.300hm gen Tal. Die Landschaft wandelt sich, der Schnee wird weniger und die Welt wird wieder grün. Wahnsinn, was das für Skihänge wären, wenn es hier Lifte gäbe. Auf ca. 1.000m Seehöhe steigen wir um in eine letzte Standseilbahn, die uns in den Talort Dentetsu Toyama bringt. Dort gäbe es auch so manches zu sehen, von Museum bis Wasserfall.
Am nächsten Morgen ist bestes Wetter.
Tolles Gelände rund um die Hütte mit sanfter Neigung - hier könnte man viel machen.
Und nochmal
Die Straße ist noch leer.
Ein paar Meter weiter steht noch ein zweites Haus.
Und nochmal die Straße.
Nach einer langen Busfahrt sind wir am letzten Umstieg - hier wieder in eine Standseilbahn - angekommen.
Los geht's!
Blick auf die Strecke durch den Wald.
Dito.
Der zweite Waggon im Gegenverkehr.
Und dann sind wir schon im Tal
Doch wir fahren mit der Regionalbahn in die Stadt Toyama, schon fast wieder am Meer gelegen. Dort erhalten wir unser Gepäck, machen ein bisschen Sightseeing und fahren dann weiter, in ein anderes Tal, zurück in die Berge, nach Takayama - fast ein "japanisches Oberstdorf". Aber das ist eine andere Geschichte
Der Zug bringt uns durch ein grünes Tal raus aus den Bergen in Richtung Meer, zur Küstenstadt Toyama.
Noch ist es sehr bergig...
...dann beginnen die obligatorischen Reisfelder...
...zwischendurch ein morbide anmutender Bahnhof...
...und dann sind wir in Toyama.
Danke für eure Geduld und fürs Lesen!