Um kurz nach 12:15 Uhr ließ ich meinen Wagen am Parkplatz vor den beiden Zirbenliften auf rund 1600m Seehöhe ausrollen. Die vorangegangene Nahtoderfahrung durch drei vollbeladene Busse, die mich in den Serpentinen entlang der von Sirnitz kommenden Zufahrtsstraße ins Skigebiet beinahe dazu "überredet" haben, mein Auto huckepack zu nehmen und ihnen damit noch die letzten eineinhalb Meter meiner asphaltierten Fahrspur zu überlassen, gaben mir immerhin die Gewissheit, dass die meisten (Schul-)Skikurse für diesen Tag bereits beendet und die Pisten dementsprechend leer sind. So zeigte sich bei meiner Ankunft an der Talstation des Zirbenlift I die dazugehörige Hauptpiste beinahe menschenleer, auch der angrenzende Tellerlift (Zirbenlift II) erfüllte an diesem Nachmittag eher dekorative Zwecke.
Ich entschied mich zum Start für eine Auffahrt mit dem im Jahre 1980 vom Villacher Seilbahnkonstrukteur Andreas de Pretis konstruierten Zirbenlift Nummer 1, der heute den Haupteinstiegspunkt ins Skigebiet und Zubringer zu den übrigen Anlagen darstellt.
Nach den ersten Schwüngen über die blaue Zirbenpiste und einer erneuten Auffahrt mit dem Bügelschlepper ging es für mich weiter zum nordseitig gelegenen Stoichartlift, der mit Baujahr 2002 die jüngste Neuerschließung auf der Hochrindl darstellt.
Die dazugehörige Hauptpiste verläuft zwar genau parallel zum Schlepplift nach unten, bietet durch diverse Flach- und Steilstücke aber eine ordentliche Portion Abwechslung. Zu meiner Überraschung wurde der steile Schlusshang bei meiner ersten Abfahrt um kurz vor 13 Uhr gerade noch von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtet – absolute Nordhanglage! – wodurch sich die Piste zwar hart, aber wunderbar griffig präsentierte. Das Gefälle trägt wohl dazu bei, dass die Piste von Skikursteilnehmern und Kindern eher gemieden wird, womit sich die Menge an abgerutschten Stellen glücklicherweise sehr in Grenzen hielt.
Nach einer weiteren Wiederholungsfahrt wurde das untere Streckendrittel nun immer mehr vom Schatten verschluckt, was mich zu einem Wechsel auf die Sonnenseite des Skigebiets verleitete. Da man vom Stoichartlift nicht direkt zu den Sonnenabfahrten rund um die einzige Sesselbahn auf der Hochrindl gelangt, cruiste ich an der Bergstation des Zirbenlifts vorbei Richtung Kegelabfahrt. Dort angekommen musste ich erst einmal die herrliche Aussicht auf mich wirken lassen. Ja, ich weiß – mit dem Bergpanorama der Südtiroler Alpen oder den Gipfelerlebnissen in den Hohen Tauern kann Mittelkärnten nicht mithalten, aber der Fernblick bis ins vom Nebel verhüllte Klagenfurter Becken kann sich mehr als sehen lassen.
Obwohl ich den Kegellift immer eher als Verbindung zwischen den Skigebietsteilen Kruckn-/Sonnenlift und Zirben-/Stoichhartlift in Erinnerung hatte, ist die historische Bedeutung dieser seilgezogenen Aufstiegshilfe nicht zu unterschätzen. Immerhin handelt es sich bei dem 1968 als „Aichbichler-Lift“ (nach seinem Erbauer Otto Aichbichler) errichteten Schlepper um den ersten Skilift auf der Hochrindl. Im Laufe der Jahre wurde der Diesel- durch einen Elektromotor ersetzt und eine Überführung über die Landstraße, welche sowohl die Lifttrasse als auch die Piste kreuzt, gebaut. Nichtsdestotrotz erinnern heute noch diverse „Überbleibsel“ an die seilbahntechnischen Anfänge an diesem Hang – selbstverständlich mussten diese auch fotografisch festgehalten werden
Der am Plateau aufgestellte Seillift ist untypischerweise keine Übungsanlage für Beginner, sondern sorgt – in der Theorie – für einen raschen Wechsel vom Kegellift zu den Sonnenabfahrten am Südhang. Dass man in der Realität nicht allzu selten von skatenden Skifahrern überholt wird, sei dahingestellt. Als häufiger Begleiter eines Snowboarders sei einfach mal gesagt: Der Seillift hat seine Berechtigung
Insgesamt drei verschieden Pisten starten am 1740m hoch gelegenen Gipfel; vor der Überführung über die Landstraße vereinen sie sich allerdings zu einem breiten Ziehweg. Ursprünglich, sprich: vor der Errichtung der Überführung und des 4er-Sessellifts, war bereits oberhalb der Landstraße Schluss. Dort befand sich nämlich bis zur Jahrtausendwende der Vorläufer der heutigen Sesselbahn, damals noch in Form eines Schlepplifts mit leicht abgewandelter Trassierung und mit der Talstation oberhalb der erwähnten Landstraße. Um von da zum 1981 erbauten Krucknlift auf der anderen Talseite wechseln zu können, war früher noch ein Abschnallen der Ski vonnöten – dank der Überführung, die ausreichend Gefälle für eine entspannte Schussfahrt über den Ziehweg bietet, entfällt dies heutzutage glücklicherweise.
Mit der Eröffnung der Sesselbahn „Sunjet“, deren Talstation direkt neben der des Krucknlifts zu stehen kam, wurde auch der kurze Rückbringer-Tellerlift (1-SL Alpl-Lift) vom Kruckn- zum ehemaligen Sonnenlift obsolet und kurz darauf abgetragen. Der Sessellift ist eine von nur drei jemals von de Pretis errichteten, fixgeklemmten 4er-Sesselbahnen und die letzte im Originalzustand sowie am Originalstandort.
Ich beschloss, ein paar Wiederholungsfahrten an den herrlich sonnigen Südhängen einzulegen. Mein Favorit war dabei die von unten aus gesehen linke Piste, die durch die Sonneneinstrahlung genau richtig aufgefirnt und schön griffig war, aber im Gegensatz zu den anderen zwei Abfahrten rechts vom Sessellift keine abgerutschten Stellen aufwies.
Da sich an diesem herrlichen Januar-Nachmittag so gut wie gar keine weiteren Wintersportler auf den Pisten aufhielten, kam ich direkt in den Genuss des heimeligen Charmes eines Privatskigebiets.
Anschließend stattete ich noch dem Krucknlift einen Pflichtbesuch ab. Normalerweise hätte ich auf den fast komplett im Schatten liegenden Hang verzichten können, aber wenn man schon mal hier ist… Schließlich möchte man ja doch mit jedem Lift zumindest einmal gefahren sein.
Am Gipfel, der mit über 1820m den höchsten Punkt im Skigebiet markiert, erwartete mich wieder ein absolut geniales Panorama über halb Unterkärnten. Während die schwarze Abfahrt oben noch angenehm in der Sonne lag, änderte sich das erwartungsgemäß schon nach wenigen Höhenmetern. Gottseidank ganz anders als erwartet entpuppte sich die Piste weder als pickelhart noch als eisig, auch abgeschobene Stellen kamen kaum vor. Auf etwas knolligem, aber wunderbar griffigem Untergrund ging es entspannt zurück ins Tal.
Die linke Sonnenabfahrt blitzte wieder verführerisch in der schön langsam untergehenden Sonne und meine Schenkel freuten sich auf etwas Erholung im Sessellift – ja, liebe Kritiker langer fixgeklemmter Sesselbahnen: Die gemächliche Fahrgeschwindigkeit hat durchaus ihre Vorteile, vor allem für ambitionierte Hobbysportler mit ausbaufähiger Kondition
Ein Blick auf die Uhr verriet mir: Die Kombi „Wadelbrennen am Kruckn + Powernap am Sessellift“ geht sich locker ein zweites Mal aus, und immerhin wartet ja noch die FIS-Trainingsstrecke rechts vom Lift auf einen Abstecher meinerseits. Gesagt, getan, hochgefahr’n.
Zwar lassen verdunkelnde Skibrillen und schattige schwarze Abfahrten immer das Gefühl in mir aufkeimen, dass ein erneuter Besuch beim Optiker in naher Zukunft vielleicht doch nicht so verkehrt wäre (geht’s da eigentlich nur mir so…?), aber trotz schwieriger Sichtverhältnisse kam ich die Piste gut runter.
Nach erneuten Wiederholungsabfahrten am Sonnenhang wurde es schön langsam Zeit, wieder Richtung Parkplatz aufzubrechen. Also glitt ich am Seil- und Kegellift vorbei und zurück zum Zirbenlift.
Mit je einer Fahrt am Teller- und am Bügelschlepplift ließ ich den Skitag gemütlich ausklingen, bevor es am Abend zu einem guten Abendessen nach Bad Kleinkirchheim ging.