Im Spätsommer wird das letzte Teilstück der A 7 freigegeben
Direkt hinter dem Füssener Grenztunnel gibt es ab September keine Geschwindigkeitsbeschränkungen mehr.
Von Helmut Mittermayr
Füssen, Reutte – Für die einen ist es eine Erlösung, für die anderen das Brechen aller Dämme. Die Zukunftsdeuterei hat jedenfalls ein Ende. Bereits im Sommer wird das letzte 15 Kilometer lange Teilstück der deutschen Autobahn A 7 zwischen Nesselwang/Attlesee und Füssen fertig gestellt. Die A 7 ist mit derzeit 945,6 und bald 960 Kilometern die längste deutsche Autobahn und auch die längste nationale Autobahn in ganz Europa. Sie führt als Nord-Süd-Achse von der dänischen bis zur österreichischen Grenze.
Seit 2002 wird am Lückenschluss gearbeitet. Die Insolvenz eines Auftragnehmers und der Wechsel von Stahl auf Beton bei der Talbrücke Enzenstetten hat das Projekt um mehr als ein Jahr verzögert. Nun ist die Brücke aber auf der östlichen Seite fertig betoniert.
Die rechte, östlich gelegene Spur der Brücke
Enzenstetten ist fertig betoniert. Der
Verkehrstrom wird ab September vorläufig
im Gegenverkehr darüber geführt. Im
Hintergrund sind Tirols Berge zu erahnen.
Bild: Mittermayr
Kleine Orte atmen auf
Sobald die Schneefälle aufhören soll die Brückenausstattung wie Lärmschutzwände, Spannbewährung oder auch Asphaltierung aufgebracht werden. Michael Kordon, Dienststellenleiter der Autobahndirektion Südbayern in Kempten, glaubt, dass alle Arbeiten Anfang September abgeschlossen sein werden.
„Dann wird der Verkehr sofort freigegeben". Im fertigen Bereich der Brücke wird bis 2010 ein Gegenverkehrsabschnitt eingerichtet", weiß Kordon. Ab dann sei auch der zweite, westlich gelegene Brückenabschnitt befahrbar.
Seit 2002 endet die A 7 in der Nähe von Nesselwang beim Attlesee. Von dort wird der Verkehr über Landstraßen durch die bayerischen Gemeinden Seeg, Enzenstetten, Eisenberg und Hopferau geführt. Die kleinen, agrarische geprägten Ortschaften stöhnen seit Jahren unter der enormen Verkehrsbelastung. Für sie dürfte das Motorengedröhne im Spätsommer endgültig vorüber sein.
Verschiedene Erwartungen
Im Außerfern erweckt das Bauende – je nach Einstellung – Hoffnung oder Ängste. Für viele ist das „Gondeln" durch die Ortschaften endlich vorbei. Kempten ist dann von Reutte in nur 30 Minuten erreichbar. Eine Verkehrszunahme kann sich diese „Glaubensgruppe" überhaupt nicht vorstellen, schließlich würden zu den bisherigen 945 km der A 7 ja nur 15 km (umgerechnet 1,5 Prozent) dazukommen – eine vernachlässigbare Größe.
Im Bezirk Reutte gibt es seit Jahren auch warnende Stimme. Grüne und Umweltschutzgruppen befürchten durch das endgültige Heranführen des Highway an den Grenztunnel einen enormen Verkehrszuwachs im Außerfern, der auf Tiroler Seite den Phantasien über den Ausbau der Fernpassbundesstraße Aufschwung geben werde.