Ram schrieb:
^^ Außerdem ist die häßlich, verschandelt die Landschaft und verschwendet Stahl.
Eine Pendelbahn dagegen...
Eigentlich wollte ich dir auf diese Aussage gar nicht antworten, Michael - wegen der Forum-Netiquette.
Hier aber die ganze Sache in Kürze.
Augenscheinlich hast du zwei Probleme,
1. die Ästhetik
2. die Bauweise.
Zu 1. lässt sich wahrlich trefflich streiten. Fakt ist, dass sich Berg- und Talstation in die vorhandene Wohnbebauung integrieren, diese nicht überragen und in der Art ihrer Ausführung dieser angeglichen sind. Zudem wurden die Schornsteine des ehemaligen Dampfantriebes in der BS extra in den "Zinnen" der BS versteckt.
Talstation:
Bergstation:
Die Strecke ist der Hangbebauung angeglichen, es stören keine Masten, die über die Höhe der Umgebungsbebauung hinausgehen.
Strecke:
Noch besser sieht man das Ganze, wenn man von der gegenüberliegenden Elbseite auf die Gesamtheit von Dresdens bekanntester Elbbrücke "Blaues Wunder", Dampferanlegestelle und Elbhang blickt. Dieses Foto muß ich erst noch einscannen, ich reiche es nach.
Zu 2. Da enttäuschst du mich mit deinen Aussagen, etwas mehr Sachverstand hätte ich gerade dir zugetraut. Hier ein kurzer Auszug aus der Lektion Pendelbahngeschichte. 1901 konnte man beim besten Willen noch keine klassische Pendelbahn erbauen, da deren Geburtsstunde erst am 30. September 1907 mit der Seilbahn in San Sebastian, errichtet von dem technischen Multitalent Don Leonardo Torres y Quevedo, schlug. Unter allen nahmhaften Seilbahnhistorikern ist unbestritten, dass dies die erste moderne Schwebebahn im öffentlichen Verkehr war.
Warum aber nun eine Bergschwebebahn mit Schienen und keine Standseilbahn? Dazu müssen wir in die Stadtgeschichte Dresdens eindringen. Hier gab es den Hofbuchhändler Warnatz, welcher entschieden gegen den Bau der 1895 eröffneten Standseilbahn war, da diese unmittelbar an seinem Haus entlangführte. Plötzlich stiegen jedoch die Grundstückspreise in diesem Gebiet und Warnatz kam der Gedanke zum Bau einer Bahn auch auf der gegenüber liegenden Seite des Loschwitzgrundes. Er schlussfolgerte, dass auch dort die Grundstückspreise mit dem Bau der Bahn steigen würden und witterte ein gutes Spekulationsgeschäft. Warnatz wollte die beim Bau der Standseilbahn aufgetretenen Fehler vermeiden, da kam ihm die Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen (Conti) aus Nürnberg gerade recht. Diese suchte zur damaligen Zeit als eine Tochtergesellschaft von Schuckert & Co. nach Anwendungsmöglichkeiten für die vom Kölner Ingenieur Eugen Langen erworbenen Rechte über das Einschienenbahnsystem. Am 29.2.1896 stellten Warnatz und die Conti gemeinsam ein Konzessionsgesuch. Innerhalb der sächsischen Regierung stand man dem Gesuch aufgeschlossen entgegen, bereits am 28. April besichtigte ein Regierungsreferent die Versuchsanlagen in Köln-Deutz. Die Conti verfolgte in Dresden übrigens noch ein zweites Projekt, den Bau einer Bahn nach Wuppertaler Vorbild vom Stadtzentrum entlang des Plauenschen Grundes bis nach Hainsberg. Leider scheiterte dieses Projekt an der Engstirnigkeit der städtischen Verwaltungsbeamten.
Zurück zur Schwebebahn. Warnatz hatte mit seinen Grundstücksspekulationen recht behalten, er hatte Grunstücke für 35 Pfennige je Quadratmeter erworben und verkaufte sie nun für 3-6 Mark. Sogar das Sächsische Innenministerium mußte sich mit dem Wucher befassen. Am 19.12.1898 gründeten Schuckert & Co. die Elektra AG als eine weitere Tochtergesellschaft, an diese ging am 16.6.1899 dann auch die Konzession
Eröffnet wurde die Anlage schließlich am 6.Mai 1901 wozu der Dresdner Anzeiger u.a. schrieb:
" Die Eröffnungsfeier gewann einen besonders feierlichen Charakter durch die Theilnahme Sr. königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich August" Der Direktor der Elektra, Regierungsbaumeister a.D. Petri ging in seiner Ansprache auf die Vorzüge des neuen Systems ein, "da es eine Entgleisung vollständig ausschließe...".
Dies ein kleiner historischer Exkurs, warum gerade dieses System verwirklicht wurde. In der ganzen Zeit ihres Bestehens gab es zwei kleinere Unfälle beim Überqueren des Veilchenweges, LKW hatten die Höhenbeschränkung ignoriert. Die Anlage steht in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz und ist integraler Bestandteil des Weltkulturerbes Dresdner Elbtal, dieser Titel wurde dem Gebiet in diesem Jahr von der UNESCO verliehen.
Pendolino