j-d-s schrieb:
Man könnte auch den Güterverkehr auf die Schiene verlagern, das machen andere Länder auch und ist im Gegensatz zu Elektromobilität auch technologisch ausgereift, aber in D politisch nicht gewollt.
Die kleinen Leute sind immer die Blöden, denn die Spediteure haben eben ne Lobby...
Bitte beschäftige Dich mit dem Thema bevor Du so einen Nonsens schreibst. Die Spediteure haben eine sauschlechte Lobby und sind für alles Mögliche der Sündenbock/der Schuldige: Kaputte Straßen, Stau, Luftverschmutzung ... Es liegt niemandem ferner als dem Wunsch zu entsprechen, mehr Güter auf die Schiene zu bringen, aber leider gibt es eine Vielzahl an Gründen, die dagegen sprechen:
- Heruntergewirtschaftete Infrastruktur
- Personalmangel Lokführer
- Personenverkehr hat Vorrang vor Güterverkehr
- Schienennetz heute schon überlastet
- schlechte/zu lange Laufzeiten entsprechen nicht dem Bedürfnis
- Je nach Destination teurer
- Letzte Meile wird NIE mit der Bahn funktionieren
- Ausbauprojekte scheitern an Klagen (z.B. wegen Lärm)
- usw.
Fazit: In Deutschland ist das Thema "Güterverkehr auf die Bahn verlagern" alles andere als ausgereift und einem industriellen Land wie wir es sind - und uns gerne zur Weltspitze zählen - unwürdig!
Das heutige Resultat ist Folge einer jahrelangen Misswirtschaft im Verkehrssektor und rein politisch verschuldet. Dafür nun die Spediteure zum Sündenbock machen ist genau der falsche Weg. Diese können auch nur mit dem arbeiten, was ihnen zur Verfügung gestellt wird. Das ist eben ein nicht funktionierendes Schienennetz für eine geforderte massive Verlagerung der Güter auf die Schiene, ein marodes Straßennetz und gleichzeitig aber von ALLEN eine Forderung nach sofortiger Verfügbarkeit von Lebensmitteln aus der ganzen Welt, Ersatzteilen für den privat-PKW, welcher am liebsten sofort repariert sein muss, weil auf Mobilität nicht verzichtet werden kann, Onlinebestellungen am Abend mit Lieferung am nächsten Morgen und dies ganz speziell zu Weihnachten, weil gefühlt 75% der Leute es nicht mehr hinbekommen sich jetzt schon um Geschenke zu kümmern und am 23.12. bemerkt wird "ist ja schon Weihnachten" (Zitat Franz Beckenbauer). Hier muss sich jeder selbstkritisch vor den Spiegel stellen und erkennen, das wir selber auch einen Teil zu dieser Situation beitragen und es eben nicht passt, dass "die kleinen Leute immer die Blöden sind" sonden eben auch die Ursache. Hier denke ich auch an die mittlerweile gängige Praxis wie blöd im Internet zu bestellen und wenn es nicht passt/gefällt wird es zurückgeschickt ... theoretisch kostenfrei.
Den größten Anteil an der heutigen Situation trägt natürlich das herstellende Gewerbe bei, wo es heute keine Lagerhaltung mehr gibt und Rohstoffe/Erstatzteile von mehreren Millionen Euro liegen. Das Lager ist heute die Straße, der LKW, der auf dieser fährt. Just-In-Time nennt sich das, bezahlt wird erst bei Lieferung, geringere Kapitalbindung. Oder anders ausgedrückt, hat man die Lagerhaltung outgesourct. Warum? Kosten sparen zu Lasten anderer, in diesem Fall der Infrastruktur. Just-In-Time wirst Du aber NIE mit der Schiene erreichen können, wenn es kein Umdenken aller am Prozess Beteiligten gibt. Damit meine ich alle Parteien in der Supply Chain ... also beginnend vom Rohstofflieferanten über den Produzenten des Endproduktes und den Handel bis zum Endkunden!
Und eines möchte ich am Ende noch sagen: Solche Ausagen wie Du sie triffst rücken den Logistiksektor in ein ganz falsches Licht! Wir alle sollten froh sein, dass trotz der ganzen schlechten Vorzeichen noch die Prozesse am Laufen gehalten werden können. Deine Denkweise haben leider unzählige Mitmenschen, dabei die LKW-Fahrer ausbremsen und als unnötiges Übel ansehen, Angestellte an Warenannahmen, die LKW-Fahrer wie den letzten Dreck behandeln, weil sie nicht pünktlich eingeroffen sind oder sowieso der letzte Abschaum der Gesellschaft sind. Das sind u.a. die Gründe, warum es einen massiven Fahrermangel gibt. Wenn dies so weiter geht, werden wir und bezüglich Warenverfügbarkeit in Zukunft umgucken, Just-In-Time wird dann mal gewesen sein. Und dann wird sich auch ein j-d-s umgucken, wenn der PKW halt mal eine Woche in der Werkstatt steht, weil die Ersatzteile aus irgendeinem europäischen Land mit der Bahn geliefert werden müssen.
Ich für meinen Teil habe meine Hochachtung vor den LKW-Fahrern, welchem Stress sie heutzutage ausgesetzt sind und welche Verantwortung sie tragen. Das wird leider vom Großteil der Bevölkerung missachtet und wohl erst wertgeschätzt, wenn mal für eine Woche alle LKW-Fahrer in Europa streiken würden und kein LKW auf den Straßen rollen würde. Du würdest Dich freuen, freie Autobahn mit 300 kmh bis zur nächsten Tankstelle ... oh, geschlossen ... keine Treibstoffe mehr da, können leider auch nicht geliefert werden. Auto stehen lassen und zu Fuß zum nächsten Bahnhof. Ach herrje, ausgedünnter Fahrplan, weil für die notwendigen Wartungen der Züge die Ersatzteile fehlen. Diese befinden sich noch in einem Zug, der durch Europa fährt. Aber was solls, wenn man die Verlagerung der Güter auf die Schiene fordert, muss man halt einen Tod sterben. Holt j-d-s sich am Kiosk die Bild-Zeitung und setzt sich in den Bahnhof und wartet auf den nächsten Zug ... wie jetzt? Keine Bild-Zeitung? Ach ja, wird ja ab Druckwerk mit LKW verteilt ... aber wie soll j-d-s sich denn jetzt bilden? Shit happens ...