Lord-of-Ski schrieb:Und wie willst die Kapazität der SSB steigern wenn das Grünwalder weiter ausgebaut wird? Ich glaube kaum, dass es bei 18.000 auf Dauer bleiben wird. Für die 1. Liga ist das zu klein.
Eine Erhöhung der Besucherzahl über 18000 hinaus ist nicht möglich, da dann der Bestandsschutz entfiele.
Der Deutsche Fußballbund (DFB) will eigentlich nicht, dass gleichzeitig drei Profimannschaften derselben Liga in demselben Stadion spielen. Aufgrund der Sachzwänge hat der DFB nun zähneknirschend zugestimmt, dass die drei Drittligisten 1860 München, FC Bayern München II und Türcgücü München alle im Grünwalder Stadion, also am Wettersteinplatz, spielen werden. Mathematisch geht das, denn man kann das so planen, dass an den beiden letzten Spieltagen (37 und 3
Als 1860 München aus der 1. Liga in die 2. Liga abstieg, wurde von 1860 München der sofortige Wiederaufstieg angekündigt. Nach mäßigen Leistungen in der 2. Liga wurde aber der Aufstieg von der 2. Liga in die 1. Liga immer wieder verpasst und irgendwann war 1860 München so schlecht, dass es dann sogar noch weiter abwärts in die 3. Liga ging. Die Ankündigungen von 1860 München, sofort wieder in der 1. Liga zu spielen, hören die Münchner nun schon seit über 15 Jahren und erinnern vom Optimismusgehalt dann doch etwas zu sehr an manche Aussagen Donald Trumps.
Die Rückkehr von 1860 München in die 1. Liga sehe ich auf absehbare Zeit erst einmal nicht. Sollten die doch irgendwann einmal wieder in der 1. Liga spielen, dann könnten sie wieder im Olympiastadion spielen. Da passen 70000 Zuschauer rein.
In der Verkehrsplanung sollte man sich dann doch an realistischen Szenarien orientieren und nicht an irgendwelchen Luftschlössern.
Relevant ist, dass von den 18000 Zuschauern etwa 10 % mit der Standseilbahn fahren würden, also 1800 Personen.
Wenn nun beispielsweise von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr gespielt wird, dann würde man bis 12.00 Uhr wie üblich alle 10 Minuten fahren, von 12.00 Uhr - 14.00 Uhr alle 7,5 Minuten, von 14.00 Uhr - 16.00 Uhr alle 10 Minuten, von 16.00 Uhr - 18.00 Uhr alle 7,5 Minuten und nach 18.00 Uhr wieder im 10-Minuten-Takt.
Damit werden in diesen Zeiträumen jeweils vier zusätzliche Fahrten angeboten, also 1600 zusätzliche Plätze pro Richtung. Die übrigen 200 Personen können leicht von den bestehenden Kapazitäten abgedeckt werden, da selbstverständlich nicht mit 100 % Auslastung geplant wird.
Da bei der Standseilbahn - anders als bei der U-Bahn - keine Rangierfahrten nebst Stärken und Schwächen der Züge möglich sind, ist bei der Standseilbahn sehr wohl darauf zu achten, dass man nicht die ganze Zeit mit großen Überkapazitäten fährt.
Züge mit einem Fassungsvermögen von 600 Personen bedeuten höhere Leistung, mehr Stromverbauch, höherer Unterhalt und dann auch noch dickere Seildurchmesser, weswegen man dann auch noch wesentlich größere Antriebsscheiben und Gegenscheiben bräuchte. Ein Zugseildurchmesser von 70 mm bedeutet dann, dass die Antriebsscheibe und die Gegenscheibe jeweils 5,60 m Durchmesser haben müssten.
Eine U-Bahn hat eine Beschleunigung von 1,0 m/s^2; bei den dynamischen Seilkräften der Standseilbahn ist das eine Illusion bei einer über 3,5 km langen Anlage mit solchen Beschleunigungen zu arbeiten. Die U-Bahn fährt 80 km/h, also 22,22 m/s; da führt bei einer Standseilbahn auf absehbare Zeit kein Weg hin. Wir können froh sein, wenn die 16 m/s bei der CEN-Normänderung bewilligt werden.
Es ist völlig klar, dass es im Skigebiet nicht notwendig ist, mit der Standseilbahn 16 m/s zu fahren. Aber im ÖV gelten, was Geschwindigkeit, Betriebszeiten, Kapazitäten, Zuverlässigkeit usw. angeht, bei weitem höhere Anforderungen als im Skigebiet.
Wenn im Skigebiet wenig los ist, dann fahren die Anlagen durchaus auch mal langsamer. Im ÖV geht das keineswegs. Es gibt einen Fahrplan und nachts fahren die Züge oder U-Bahnen genauso schnell wie tagsüber. Es sind Anschlüsse zu bedienen und die Fahrgäste wollen nachts genauso schnell am Ziel sein wie tagsüber. Der ÖV-Fahrgast ist wesentlich anspruchsvoller als der Skifahrer, der es akzeptiert, dass eine EUB, wenn wenig los ist, von 6 m/s auf 5 m/s abgeregelt wird.
Ein Punkt noch zu den Investitionsaufwendungen:
Da die U-Bahn von den Investitionsaufwendungen her dreimal teurer ist als eine unterirdische Standseilbahn, muss man dann auch bereit sein, den einen oder anderen punktuellen Nachteil der Standseilbahn in Kauf zu nehmen. Eine U-Bahn zwischen Siemenswerke, Hellabrunn und Wettersteinplatz würde ca. 500 Millionen € kosten. Da kann man nicht erwarten, das eine Standseilbahn für 165 Millionen € die U-Bahn 1 : 1 ersetzt. Niemand wird erwarten, dass er im 1-Sterne Hotel, wo er ein Drittel des Preises im Vergleich zum 5-Sterne-Hotel bezahlt, denselben Service zu bekommen.
Andererseits scheidet eine Straßenbahn aus, weil der Harlachinger Berg mit 13 % für die Straßenbahn viel zu steil ist. Abgesehen davon ist der Radius von 13,50 m nach BOStrab nicht genehmigungsfähig.
Technisch müsste man also die Straßenbahn mit aufwendigen Tunnelbauwerken teilweise neu trassieren.
Zwar könnte man die 13 % am Harlachinger Berg fahren, wenn die Straßenbahn mit Zahnstange ausgerüstet wäre. Aber ein Siemens Avenio mit Zahnstange wäre eine komplette technische Neuentwicklung. 1928 war zwar von der Landeshauptstadt München eine Straßenbahn am Harlachinger Berg geplant, aber aufgrund der Sachzwänge hat man das Vorhaben dann aufgegeben.