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Coronavirus 2019-nCoV - *DAS GUTE*

Kris

Nebelhorn (2224m)
Hey, was sind denn eigentlich eure positiven Erfahrungen in diesen Coronazeiten?

Viel wird berichtet und reflektiert über negative Konsequenzen der derzeitigen Corona Infektionswelle: Unser individuelles und kollektives Leben hat sich schlagartig verändert wie vielleicht seit 75 Jahren nicht mehr.
Jedoch wird fast ausschließlich berichtet über die vielen zweifellos validen negativen Aspekte. Dass derzeit viele interessante weil einzigartig positive Beobachtungen und Erfahrungen möglich sind, scheint irgendwie keinerlei Daseinsberechtigung zu haben. Dies ist zum Teil nachvollziehbar, zum andern jedoch sollte das positive nicht fehlen, zumal dieses ja nicht allzulang Bestand haben dürfte.


Um sich an das Thema sinnvoll herantasten zu können, wäre zunächst eine Aufteilung in Objektive Grundbeobachtungen nötig, als Daten die auch empirisch zweifelsfrei erhoben werden können. Das wäre zunächst wertfrei, zB. wahllos einige Beispiele:
- Verkehrsdichte auf Strassen und Autobahnen,
- Umsatz im Lebensmittelhandel (mehr Selbstkocher?),
- Frequenz von ÖPNV,
- Phänomen Homeoffice
- Preis von Treibstoff
- Flugverkehrsdichte
- Ausgehregelungen
- Social Distancing Empfehlungen
uvm...

Obige Ausprägungen bewegen sich dzt. "ausserhalb der Norm", was jedoch nicht nur negativ sein kann, sondern ja nach persönlicher Situation auch positive Effekte hervorbringt.
So berichtete DerStandart in Österreich kürzlich von einer um 40% reduzierten Häufigkeit von Herzinfarkten (jedoch unterstreichend, dass dies an der Meidung von Krankenhäusern im Verdachtsfall liegen müsse, was ich nur zT. nachvollziehen kann).

Fest steht allemal, dass die zahlreichen ungowohnten Parametergrössen auch einen signifikanten Einfluss auf unser befinden haben, das Subjektive also.

Somit ein Subjektiver Eindruck von mir:
Spazierte ich zB. in der noch vor 10 Tagen nahezu völlig leeren Stadt (zum Büro), so war dies ein unvergessliches Erlebnis. Beispielsweise konnte das Unterbewusstsein Geräusche sinnvoll zuordnen: Ein seltenes Auto kündigt sich durch sein ortbares Geräusch aus einer konkreten Richtung an, kam näher, und entfernte sich wieder in die andere Richtung. Die Geräuschortung, fest in uns seit Jahrtausenden eingebaut, bekam in der Stadt wieder ihre Funktion.
Ich mag diese subtilen Erfahrungen. Ebenso drang das Vogelgezwitscher aus Bäumen hinab bis zu mir als Fußgänger in gefühlt wieder weiten Welten...
Üblicherweise gehen diese feinen Geräusche in der Stadt im Hintergrundlärm völlig unter. Ein Brei an unauflöslichen Hintergrundlärm, ein Band das in Summe (d.h. objektiv gemessen) unablässig und unausweichlich daherkommt, das letztendlich im Unterbewusstsein Stress erzeugt.

Kurzum, es lassen sich viele Dinge beobachten zur Zeit. Dinge die einzigartig und durchaus zuträglich sind im Sinne unveränderbarer menschlicher Grundkonstitution.

Was ist euch so aufgefallen an Anehmlichkeiten, kleine wie große?

Was sind eure subjektiven Eindrücke im Positiven? Auf welchen objektivierbaren Parametern beruhen diese?
Was bewirkt zB. "plötzliches" Selberkochen? Leere Straßen? Fehlen von büroüblichen "Disturbances" im Home-Office? ...


Soziologen, Psychologen, Philosophen etc. werden diese Zeiten noch über Jahrzehnte hinweg analysieren, so viel steht fest! :-)
 
Kris schrieb:
Hey, was sind denn eigentlich eure positiven Erfahrungen in diesen Coronazeiten?
Ich wollt erst schreiben "gar nix", aber es gibt doch was:
- Vorübergehende Aufhebung der Kurzparkzonen in Innsbruck und damit kann ich anstatt umweltbewusst mit meinem elektrischen Einrad nun wieder mit dem benzinbetriebenem Auto in die Arbeit fahren und bekomm locker vor 8 Uhr einen nahen Parkplatz (weil auch viele nicht arbeiten)
- günstige Benzinpreise (die einem aber nicht wirklich nützen)

So, damit komm ich auf (aufgerundet) 1% Positives gegenüber 99% Negatives.

Nein, man darf nicht anfangen, das Positive in dieser Krise zu sehen. Man sollte sich nie an Positives in Krisen- oder Kriegszeiten erinnern, sonst wünscht man sich das zurück.
 
starli schrieb:
Kris schrieb:
Hey, was sind denn eigentlich eure positiven Erfahrungen in diesen Coronazeiten?
Ich wollt erst schreiben "gar nix", aber es gibt doch was:
- Vorübergehende Aufhebung der Kurzparkzonen in Innsbruck und damit kann ich anstatt umweltbewusst mit meinem elektrischen Einrad nun wieder mit dem benzinbetriebenem Auto in die Arbeit fahren und bekomm locker vor 8 Uhr einen nahen Parkplatz (weil auch viele nicht arbeiten)
- günstige Benzinpreise (die einem aber nicht wirklich nützen)

So, damit komm ich auf (aufgerundet) 1% Positives gegenüber 99% Negatives.

Bezüglich Dir Starli fällt mir ein, dass Du Ideen umgesetzt hast, die wohl einzigartiger Natur sind: Mit dem elektrischen Einrad den Berg hinauf liften, um dann am Schnee abzufahren.
Das ist eine durchaus bewundernswerte Idee wie ich meine, mit einem starken Willen dahinter das auch umzusetzen. Und vielleicht etwas, was sich weiterdenken liesse irgendwann....

Ansonsten hoffe ich, dass Du (und Diene Liebsten) weiterhin bei guter Gesundheit und geregeltem Einkommen bist: Damit sind Dir jene wahrhaftigen Ingredienzen zuteil, um auch Deines Glücks eigener Herr sein zu können.
 
Seit Corona Beginn haben wir in Ostfriesland übermäßig viel Sonne abbekommen und gar keinen Regen. Das ist sehr ungewöhnlich hier oben. In den letzten Wochen habe ich die leeren Straßen genossen. Aber mit der Öffnung wird es wieder voller.
 
Das Positivste ist die klare Luft, die es jetzt selbst in Ballungsräumen gibt, der blaue Himmel ganz ohne Smog und Kondensstreifen. Und den Fluglärm vermisse ich auch nicht.
 
Marmotte schrieb:
Und den Fluglärm vermisse ich auch nicht.
Ich glaube den vermisst so ziemlich keiner ;-). Vielleicht nicht mal die Planespotter :?: Mir ist das extrem so seit sechs Wochen aufgefallen. Wir liegen in einer Haupteinflugsschneise (Lübeck - Hamburg) und ich habe seit sechs Wochen eigentlich kein Flugzeug mehr so bewusst gehört.
 
Ich finde im allgemeinen geht alles relaxter zu.
z.B. Ostersamstag lange Schlange vor einem kleinen Hofladen, alle warten geduldig mit Abstand und dabei hält man halt einfach mal n kleinen Plausch mit Vorder- oder Hintermann, ich stand da glaub fast ne halbe Stunde weil zwischendurch noch ein Lieferant kam. Selbst im Supermarkt, finde ich, geht alles etwas gemächlicher zu und man ist allgemein irgendwie auch freundlicher und rücksichtsvoller miteinander.
Beim Spaziergang hält man mal ein Pläuschchen mit Leuten an denen man sonst vielleicht gerademal grüßend vorbeigelaufen wäre, natürlich mit Abstand.
Das Ganze "ich muss noch dahin, dann dorthin und Abend ist noch diese Veranstaltung und am Wochenende diese Party", dieser ganze Alltagsstress ist erstmal weg.

Durch Betriebsurlaub und Kurzarbeit konnte ich mal testen wie es ist wenn man Rentner ist, ich glaub ich könnte mich gut daran gewöhnen, zumindest war ein Lagerkoller weit entfernt :-)
 
Also ich komm auf genau gar nix wirklich positives. Viel zu viele unnötige Einschränkungen. Mit der Jobsuche klappts ned, weil dzt. ja so viel unsicher ist, dass auch kaum welche einen Einstellen. Meine Saisonkarte, die ich auf Gewinn drin habe ist schon seit über einem Monat unbrauchbar und Fraglich ob ich da im Oktober wieder investiere, nur wenn man mal mehr weiß. Kaum noch vorhandene Grundrechte, und vieles mehr, das würde aber zu lang werden. Also ich komm auf mindestens 90% Negative und maximal 10% Positive Auswirkungen bei mir.

Naja doch zwei positive Kleinigkeiten gibts, ich komm öfter dazu meinen Oldtimer zu benutzen (Kein Auto, sondern ein Röhrenradio von 1955)
Der Fluglärm geht mir aber bei dem Ostwind dzt. irgendwie nicht ab, so ruhig wars bei mir schon seit ich im Kindergarten war nimmer und das ist 26 Jahre her (da wurde ja der Flughafen erst ein, zwei Jahre vorher eröffnet). Ich lieg ja noch ziemlich in der Einflugschneise vom Münchner Flughafen und da ist normal bei Ostwind viel los in der Luft. Aber andernteils auch bescheiden, weil das hier neben den Autobauern in München einer der größten Arbeitgeber im Umkreis ist.

mFg Widdi
 
Bei mir steht der Fluglärm auch ganz oben, auch wenn einem in einer richtigen Einflugschneise (sorry Maba04, aber bei euch sind das ja im Vergleich nur Flugplätze :wink: ) jetzt die Einzellärmereignisse (vor allem die Frachtmaschinen) mehr auffallen. Insgesamt habe ich aber schon das Gefühl, dass ich vor allem Morgens besser schlafe.

Der Arbeitsweg geht schneller und mit niedrigerem Kraftstoffverbrauch.

Mein Sohn ist ohne die Auseinandersetzungen mit einigen Klassenkameraden deutlich entspannter, obwohl wir dafür mehr Zeit miteinander verbringen 8O :wink:

Ich fahre mehr Fahrrad.

Obwohl ich ganz regulär auf der Arbeit bin, fühle ich auch eine gewisse Entschleunigung und Entspannung :?
 
Es gibt gar nichts positives. Selbst die niedrigen Benzinpreise nützen nichts, weil ja alle lohnenswerten Ziele (=Skigebiete) geschlossen sind.
 
Auch ich finde das Leben ohne Fluglärm äusserst angenehm. Auch wenn ich gut 30 Kilometer von Zürich entfernt wohne, ist es doch massiv ruhiger. Auch die täglichen Helikopter-Kontrollflüge entlang der Grenze können dies nicht kompensieren.
Auch die beinahe schon täglichen Mountainbike-Touren sind ganz angenehm. Da spielt das Wetter aber auch bestens mit.
 
Jens schrieb:
Ich finde im allgemeinen geht alles relaxter zu.
z.B. Ostersamstag lange Schlange vor einem kleinen Hofladen, alle warten geduldig mit Abstand und dabei hält man halt einfach mal n kleinen Plausch mit Vorder- oder Hintermann, ich stand da glaub fast ne halbe Stunde weil zwischendurch noch ein Lieferant kam. Selbst im Supermarkt, finde ich, geht alles etwas gemächlicher zu und man ist allgemein irgendwie auch freundlicher und rücksichtsvoller miteinander.
Beim Spaziergang hält man mal ein Pläuschchen mit Leuten an denen man sonst vielleicht gerademal grüßend vorbeigelaufen wäre, natürlich mit Abstand.
Das Ganze "ich muss noch dahin, dann dorthin und Abend ist noch diese Veranstaltung und am Wochenende diese Party", dieser ganze Alltagsstress ist erstmal weg.

Durch Betriebsurlaub und Kurzarbeit konnte ich mal testen wie es ist wenn man Rentner ist, ich glaub ich könnte mich gut daran gewöhnen, zumindest war ein Lagerkoller weit entfernt :-)
Bis auf den letzten Absatz alles auch hier,

Zusätzlich das Zusammenrücken (im nicht körperlichen Sinne) in der Nachbarschaft, nacheinander schauen, sich helfen, ein gutes Gemeinschaftsgefühl.
Lagerkoller hatte ich in der Quarantäne schon, war ja in "richtiger" für eine gute Woche - das hat genervt.

Leere Straßen, gute Luft, Ruhe. Radfahren macht richtig Spaß gerade.
 
Ein interessanter Diskussionsansatz wie ich finde, dessen Intention es sicher nicht ist, sich die derzeitige Situation gedanklich schön zu saufen, sondern einfach mal einen anderen Blick auf Dinge zu werfen. Können banale Dinge des Alltags sein, wo einem durchaus positive Dinge auffallen, wie schon angeklungen. Ein entspannterer, weniger ruppiger Umgang im Alltag miteinander ist mir ebenfalls aufgefallen. Das mag eventuell daran liegen, dass viele derzeit mit einem gesteigerten Ernst durchs Leben gehen und mit Ihren Gedanken bei wesentlicheren Dingen sind und Ihnen die Situation irgendwie unheimlich oder auch unwirklich vorkommt, was sie ja auch irgendwie ist.
Oder, ganz banal, dass es schlicht überall leerer ist und die Leute sich nicht so schnell auf den Keks gehen.
Selbst zur Rushhour in der Münchner U-Bahn ist social distancing ja gerade kein Problem.

Als durchweg positiven Effekt sehe ich für mich persönlich als Münchenpendler die Arbeit im Homeoffice. Ich arbeite im öffentlichen Dienst des Freistaates Bayern in einem großen Münchner Universitätsklinikum und Homeoffice war bei uns bisher sowas von böse. Schon das Anliegen geradezu unverschämt. Ist ja quasi nur bezahlter Extraurlaub. Und siehe da, auf einmal geht’s doch. :surprised:
Funktioniert natürlich nicht in allen Bereichen, aber in meinem Arbeitsbereich lässt sich da vieles problemlos organisieren und ich könnte mir durchaus vorstellen, auch in Zukunft 1-2 Tage/Woche zuhause zu arbeiten. Und ich würde mir wünschen, dass diesbezüglich endlich mal ein generelles Umdenken stattfindet – so als positiver Effekt für die Arbeitswelt nach dem Ganzen.
Derzeit spare ich knappe drei Stunden Pendelweg/Tag und mir wird mehr und mehr bewusst, was da eigentlich zu normalen Zeiten an Lebensqualität auf der Strecke bleibt - zumal ich jemand bin für den öffentliche Verkehrsmittel die reine Pest sind und selbst wenn es (mal) reibungslos läuft einen Stressfaktor darstellen.

Sicher trifft das nicht auf die zu, die derzeit erzwungener Maßen von daheim aus arbeiten und gleichzeitig die Betreuung des Nachwuchses wuppen müssen.
HO als Kinderbetreuung und Kitaersatz funktioniert nicht. Da bleibt entweder das eine oder das andere auf der Strecke – und als erstes wahrscheinlich das Nervenkostüm der Eltern.
Aber subjektiv betrachtet für mich momentan nicht das schlechteste, war schon lange nicht mehr so entspannt wie derzeit… 8)
 
Die Entschleunigung tut unheimlich gut. Das Leben als solches ist plötzlich viel entspannter - in allen Bereichen. Anstehen im Bau- oder Supermarkt? Egal. Ein Schleicher vor mir auf der Straße? Sowas von egal. Kommendes Wochenende nicht wie geplant im Europapark? Völlig wurscht. Und selbst die Frage, ob es einen Sommerurlaub geben wird? Auch egal.
Vieles, was man schon lange vor sich herschiebt, jetzt erledigen können? Nicht egal, sondern super. Sich über Kleinigkeiten freuen können? Nicht egal. Morgens aufwachen, blauen Himmel und Sonnenschein sehen? Nicht egal. Jeden Tag bewusst leben, erleben, genießen? Unbezahlbar. Zu diesen gefühlten psychischen positiven Auswirkungen gäbe es noch so viel mehr Beispiele.

Ansonsten... Nüchtern betrachtet ( :biggrin: ) läuft der Bierhandel, trotz Wegfall der Gastronomie und Fassware, saugut.
Und auch im Beruf fällt auf, dass die meisten Menschen sich sehr schnell an die Situation angepasst haben. Im Wesentlichen mehr miteinander, freundlich, entspannt...

Also unterm Strich finde ich die Entschleunigung in allen Bereichen tatsächlich überaus positiv. Hoffentlich bleibt davon dauerhaft etwas erhalten.
 
Pistencruiser schrieb:
j-d-s schrieb:
Es gibt gar nichts positives. Selbst die niedrigen Benzinpreise nützen nichts, weil ja alle lohnenswerten Ziele (=Skigebiete) geschlossen sind.

Billiger Sprit und freie Autobahnen - das sollte doch dein größter feuchter Traum sein! :lach:

Also wenn schon Krise und dabei der Ölpreis sogar ins negative (-> Meine Damen und Herren, die Kriese fängt erst richtig an...) fällt, dann sind 1€ für Diesel an der Tankstelle immer noch zu viel!
 
maba04 schrieb:
Marmotte schrieb:
Und den Fluglärm vermisse ich auch nicht.
Ich glaube den vermisst so ziemlich keiner ;-). Vielleicht nicht mal die Planespotter :?:
Aber sowas von! Ein GE90 ist kein Lärm, ein GE90 ist Musik! :D Meine wöchentliche Dosis hole ich mir daher aktuell hier:


Ansonsten: man hat halt einfach mal Zeit für Sachen, für die man sonst keine hatte. Wohnung bis ins letzte Eck aufräumen, Fotoarchiv sortieren, und Radfahren macht auch Spaß, ja.
 
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