Gedanken zum Zitat von Christa Schyboll
Geiz ist geil. Mit diesem Motto wächst bereits schon eine neue Generation auf, die früh lernt und weiß, wie man Preise drückt, vorteilhaft einkauft, sich mehr und immer mehr leisten kann. Das macht Spaß. Haben ist schön. Mehr haben ist noch schöner. Und wie teuer oder preiswert wo was zu bekommen ist, ist auf Knopfdruck in Sekunden verfügbar. Weltweit versteht sich. Wir sind also eine sehr preisbewusste Weltgemeinschaft geworden, der die Jagd nach dem Schnäppchen früh ins Blut gelegt wird.
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Es gab Zeiten, da wurde vor allem aus Armut und Not gestohlen. Da war es oft eine Frage des Überlebens, ob man die moralische Seite des Eigentums ernst nahm oder etwas lockerer sah, wenn man es von den Habenden stahl. Heute ist die Sache unter dem Einfluss einer ständigen Verführung zu einem globalen Massenphänomen ausgeartet, das keineswegs nur aus Hunger und Not geschieht, sondern aus Konsumsucht und Gier, die Arme wie Reiche gleichermaßen erfasst. Besonders perfide empfinden wir es deshalb auch, wenn es ausgerechnet die Reichen und Superreichen sind, die auf die eine oder andere Weise, legal, illegal oder halblegal "stehlen".
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Es sind traurige, unschöne Entwicklungen. Aber sie bergen zugleich auch eine Logik insofern, als sich die Massenmanipulation in Bezug auf Konsum- und Preisverhalten eben auch wirksam niederschlägt.
Konsumverhalten und mangelnde Wertschätzung
Doch wie wird es in Zukunft sein? Wo und wann ist die Grenze erreicht? Ich denke, dass dieses Phänomen der mangelnden Wertschätzung deshalb nur vorübergehend sein wird, weil es in sich ja eine zerstörerische Wirkung entfaltet. Es ist eine Frage der Zeit. Noch sind wir nicht auf dem Höhepunkt einer solchen Entwicklung, wo sich diese Tendenz schon ad absurdum führt, sondern noch profitieren wir gerne von den Segnungen des Preiskampfes zum Nachteil anderer Gruppen innerhalb dieses Gemeinschaftsprozesses Konsumverhalten. Es wird jedoch einmal die Zeit kommen, wo diese grassierende mangelnde Wertschätzung menschlicher Leistungen ein Maß erreicht, das die Menschen selbst unerträglich finden. Vielleicht sind derzeit noch zu wenige in diesem bösen Spiel betroffen. Die Gier nach immer mehr und immer billiger jedoch wird offenbaren, dass dieser Weg ein Trugschluss ist, der an sein ganz natürliches Ende kommen muss. Und dann? Das werden Umbruchzeiten, die vermutlich für alle wiederum schwierig werden und neue Härten abverlangen und dennoch nichts als menschengemachte Fehler sind.
Wir sehen es bereits jetzt: Dort, wo eine gerechte Wertschätzung für wahre Werte – seien es menschliche Leistungen oder auch die Achtung vor der Materie an sich in unserer Wegwerfgesellschaft - allein zugunsten von Konsum und Preisen zerbröselt , wird sich das positiv Bewährte nicht halten können.
Ist das Sterben von Werten und Tugenden am Ende vergleichbar wie mit dem Sterben der Arten, die auch nicht durch neue Arten schnell wieder ersetzt werden können, weil es doch eine endlos lange Zeit für ihre Entwicklung brauchte?
Werte verschwinden, weil das Preiswerte dominieren darf. - Das ist eine Entwicklung, die uns wegen der erfolgreich angestachelten Gier nach mehr und mehr Konsum und des gleichzeitigen Verschwindens der menschlichen Wertschätzung einmal besonders teuer zu stehen kommt.
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