Dieser Artikel hat mir ein bisschen zu denken gegeben:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-krise-2-1-millionen-deutsche-in-ihrer-existenz-bedroht-a-b1162e72-c371-4903-adc3-73275cecd2a9
2,6 Prozent der Deutschen erleiden dadurch existenzbedrohende finanzielle Verluste, also rund 2,1 Millionen Bürger
Das zeigt für mich, welche Dramatik und welche Not durch die Pandemie und ganz sicher auch durch Lockdown-Maßnahmen über viele Leute hereinbricht.
Auch unsere Moderator a.D. und freier Meinungsäußerer spricht ja im Zuge der Corona-Maßnahmen von "wirtschaftlichem Ruin" und "Armut".
Allerdings zeigt der Artikel auch ganz deutlich, in welcher Relation man das Ganze auch sehen kann.
2,6% existenzbedrohende finanzielle Verluste
4,2% erhebliche finanzielle Verluste
14,4% leichte Kürzungen
Diesen Zahlen zufolge haben fast 80% der Bevölkerung durch die Corona-Krise und den Maßnahmen überhaupt keine wirtschaftlichen Beeinträchtigungen. "Nur" jeder Fünfte leidet wirtschaftlich unter den Maßnahmen. Das sind deutlich weniger als die Angehörigen der Risikogruppe, die viele Maßnahmengegner ja so gerne als "Schutz" weg isolieren wollen. Oder noch drastischer: Der Anteil der Menschen, die überhaupt unter den wirtschaftlichen Folgen leiden ist viel kleiner als die Gruppe, die man beim Aufheben sämtlicher Schutzmaßnahmen der Gefahr einer sehr schweren Krankheit oder dem Tod aussetzen würde.
Der Anteil derer, die existenzbedrohende oder erhebliche Einbußen durch die Corona-Maßnahmen haben, ist außerdem im Verhältnis zu denen, die gar keine Einbußen haben, rechnerisch so gering, dass man über einen wie auch immer gearteten Soli spielend dafür sorgen könnte, dass
jeder nur minimialste wirtschaftliche Einbußen hat, wenn der große Teil ohne Einbußen nur auf ein bisschen verzichten würde und dies umverteilt würde. Gesamtwirtschaftlich wird auch in der Krise und auch in der schweren Rezension in einer Industrienation wie Deutschland bei weitem genug wirtschaftet, um auf einem Wohlstandsnvieau zu bleiben, um das uns 95% der Weltbevölkerung beneidet.
Meiner Meinung nach würde es uns viel weiter bringen, wenn wir endlich anfangen, konstruktiv darüber zu diskutieren, wie wir die wirtschaftlichen Folgen der Krise solidarisch und gerecht meistern können, ohne nach dem Gießkannenprinzip Hilfsgelder zu verschleudern und ggf unsolides Wirtschaften zu belohnen und gutes Wirtschaften zu sanktionieren. Das ist nämlich einen ziemlich schwierige Mammutaufgabe, aber immer noch viel besser als sich gegenseitige reine Panikmache vorzuwerfen.
p.s: Die Zahlen sind natürlich auf Deutschland bezogen und nicht auf die Schweiz. Allerdings kann ich mir nicht wirklich vorstellen, wo man in der Schweiz wirtschaftlichen Ruin und Armut aufgrund der Corona-Maßnahmen sehen will. Nach meinem Kenntnisstand wäre bspw das BIP in der Schweiz sogar nach einem pessimistisch angenommen Einbruch von 10% dieses Jahr immer noch auf dem Stand von etwa 2013. Einen Hungerwinter gab es da in der Schweiz sicherlich nicht. Und die sozialen Sicherrungssysteme sind in der Schweiz doch auch nicht so schlecht, oder?