wetterstein schrieb:
So, der Link zum Ärzteblatt war nun doch mal einer, für den ich mich nicht in meiner Browser-History oder (noch schlimmer) in meinem Google-Werbe-Cookie schämen muss. Danke dafür.
Der Einstieg über die UN-Konvention der Kinderrechte ist natürlich recht steil, da wünsche ich mir zukünftig von der Ärzteschaft, nein besser der gesamten Gesellschaft, mehr Aufmerksamkeit. Kinderrechte werden häufig mit Füßen getreten, man denke an die ganzen Kinder in Deutschland, die ihr Dasein bis zur Duldung ihrer Eltern in Ankerzentren fristen müssen und nicht beschult werden. Ob mit oder ohne Corona.
Interessant am Artikel ist auch, das eigentlich alle anderen Studien nur über Literaturverweise gekennzeichnet wurden, lediglich Herr Drosten wird namentlich erwähnt.
Aktuell zeigten Drosten und Kollegen in einer Studie, dass bei Kinder und Erwachsenen mit SARS-CoV-2-Nachweis die Viruslast in den oberen Luftwegen quantitativ vergleichbar ist (23). Allerdings ist der Rückschluss – Kinder und Erwachsene seien somit vergleichbar infektiös – nicht zulässig.
Ich nehme an, der Hauptautor wird als erster angegeben? Komisch, der Hauptautor des referenzierten Papers ist ein anderer, aber der kommt von Professor Drostens Lehrstuhl, da ist er auch verantwortlich. "Terry C. Jones uns Kollegen" wäre außerdem beim der populärwissenschaft zugeneigten Leser auch weniger catchy - so eine Verkürzng ist also in Ordnung. Überdies ist dann der Artikel in Google leichter zu finden, sowohl für die Fans von Professor Drosten als auch für die, die ihn nicht so mögen.
Die Expertise des Erstautors des Ärzteblatt-Artikels Herrn Doktor Schober stelle ich nicht in Frage. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und es gibt absolut keinen Grund für mich zur Annahme, ich könnte ihm meine Kinder nicht anvertrauen, sollte es nötig werden. Außerdem hat er promoviert - und das immerhin über 66 Seiten in Schriftgröße 14 (sorry, couldn't resist...). Es kann aber sein, dass das in der Medizin so üblich ist (es gibt ja auch viele hochqualifizierte Ärzte, die keine Doktoren sind) und obwohl ich nun einiges über den Herzschlag von Mäusen gelernt habe, kann ich den Inhalt selbstverständlich nicht verstehen.
Und selbst wenn das Team der Fachärzte, die den wirklich sehr lesenswerten Artikel geschrieben haben einen Fehler begangen hätten, wäre das wahrscheinlich ihrem Chef, Herrn Prof. Dr. Johannes Hübner aufgefallen - der ist nämlich auch noch Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und scheint sich mit Impfstoffen ganz gut auszukennen. Ab und zu gibt er auch ein Interview im Regionalfernsehen und macht auf mich einen sehr unaufgeregten, seriösen Eindruck.
In einer viel beachteten Studie aus der Schweiz wurden in der aktuellen Pandemie nicht-pharmazeutische Maßnahmen international empirisch verglichen – auch Deutschland wurde dabei untersucht. Schulschließungen hatten mit elf Prozent den geringsten Effekt der untersuchten Maßnahmen (32).
Nun ja, wenn das die 11% sind, welche die Triage verhindern?
Was nehme ich noch für mich aus dem Artikel mit?
Im ganzen Artikel habe ich keine einzige Stelle gefunden, an der die Maßnahmen zu Abstand und Hygiene in Frage gestellt wurden. Es wird sogar vorsichtig davon gesprochen, dass ein MNS sinnvoll sein könnte:
Zunehmende Evidenz gibt es hingegen bezüglich der Wirksamkeit des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes (42).
Jetzt habe ich solange mit dem Ärzteblatt verbracht, dass ich den Rest den ich schreiben wollte gar nicht mehr ins Forum bringe... vielleicht noch ein bisschen....
extremecarver schrieb:
(...)
Die Horror Stories welche man verbreitet hat von bleibenden Schäden auch ohne schweren Verlauf bzw halt mindestens Krankenhausreif - von denen liest man quasi gar nichts mehr. Das dürften eher Panik-Artikel gewesen sein um die Bevölkerung zu verängstigen.
(...)
Puh... solche "um zu"-Relationen finde ich ja schon gewagt. Wenn das so ist, dann tippe ich auf einen Verleger, der seinen Angestellten sagt, es wäre schön, wenn die Klick-Zahlen irgendwie hoch gingen, damit die Werbe-Einnahmen steigen. Ich glaube die Überschriften bei Tychi, der Bild und dem Fluss sind auch manchmal so...
extremecarver schrieb:
Es gab keine Untersuchungen aus Innsbruck von einem Taucharzt! Das war eine Zeitungsente - und basierte auf Aussagen von Ärzten aus Wuhan - welche allerdings dies nur als Punkt zum beobachten berichtet haben - von Einzelfällen!
Und liest man den Artikel komplett - so sind nur Patienten die Krankenhausaufenthalt benötigten - von längerer Erholungszeit betroffen! Das Zitat ist verwirrend oder absichtlich Panik schürend!
Herzlichen Glückwunsch - 100% Deiner Sätze sind von Ausrufezeichen infiziert. Ich hoffe es werden ein paar genesen und nicht alle sterben.
christopher91 schrieb:
Einfach vollkommen sinnfrei, was die Regierung dort empfehlen will. Ich hoffe noch weitere Bundesländer folgen Sachsen und Thüringen.
Die Bundesregierung legt lieber noch weiter Gaststätten und Geschäfte lahm in der Hochsaison und verbietet gewisse Sportarten mit der Verlängerung quasi, nur mehr unsinnige Schäden durch die Maßnahmen.
Versammlungen bis zu 100 Leute in der Schweiz erlaubt, davon kann man in Deutschland wohl leider nur träumen.
Zum Thema Föderalismus bin ich ein wenig ratlos. Hat man in Deutschland nicht vor einigen Wochen das Krisenmanagement in die Bundesländer delegiert (Putin-Style...) und jetzt regt man sich auf, wenn ein Bundesland diese Freiheit nutzt? Das ist ja komisch. Das die Bundesregierung aber ein Fan davon sein sollte Geschäffte und Gaststätten in der Hochsaison lahm zu legen, entbehrt doch etwas der Logik. Wie muss ich mir das vorstellen im Kabinett?
"Du Olaf, schon doof mit den vielen Steuereinnahmen - können wir da was machen?"
"Ja klar, wir legen einfach die Gaststätten und Geschäft in der Hochsaison lahm, schon klappts!"
"Oh ja prima, und dann lass uns gleich noch das Kurzarbeiter-Geld verlängern und Tripstrilliarden an Hilfsprogrammen beschließen, dann klapppts auch endlich auf der Ausgabenseite."
WAS FÜR EIN BLÖDSINN
(sorry, kleinbuchstaben waren aus. ach ne... da sind doch noch genug)
Was ich übrigens ganz fantastisch finde sind die Forscher von der Sorbonne:
Süddeutsche Zeitung schrieb:
Die französischen Wissenschaftler hatten zweimal pro Woche in fünf verschiedenen Kläranlagen im Großraum Paris Proben entnommen. Bereits mehrere Tage bevor es in der Stadt zu ersten Todesfällen durch Covid-19 kam, entdeckten sie dabei erhöhte Mengen an Viren-RNA. Der Anstieg der Virenlast im Abwasser ging dem Anstieg der Erkrankungen demnach immer um einige Zeit voraus.
Hinter einer Paywall (ja, ich zahle für Journalismus), evtl. aber in den nächsten Tagen auch umsonst: "Alarm aus dem Klärwerk". Das könnte doch mal echt ein preiswertes Frühwarnsystem sein. Schade, dass in Ischgl nichts untersucht wurde...
Zu Gummihandschuhen und den anderen Dingen der letzten Posts sag ich jetzt mal nix.
