Es war das Paradoxe an der ersten Corona-Welle: Während am Genfer Universitätsspital auf dem Höhepunkt der Krise Anfang April über 500 Covid-Patienten gleichzeitig behandelt wurden, verzeichnete das Thurgauer Kantonsspital sechs Corona-Fälle. Die Klinikleitung musste für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit anmelden.
Damit sich dieses Szenario in der zweiten Welle nicht wiederholt, haben die Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) und der Koordinierte Sanitätsdienst des Bundes im Sommer nun vorgesorgt: Sie haben die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega beauftragt, das Betten-Management im Ernstfall zu übernehmen.
Um die Patienten bestmöglich verteilen zu können, wurde die Schweiz in sieben Grossregionen aufgeteilt: Region Genfersee, Espace Mittelland, Nordwestschweiz, Kanton Zürich, Ostschweiz, Zentralschweiz und Tessin. Vorgesehen ist ein Modell mit vier Stufen, wie Pargger erklärt.
Die erste Stufe bedeutet weitgehend Normalbetrieb. Die Spitäler einer Grossregion koordinieren sich untereinander. Die zweite Stufe tritt ein, sobald in einer der Regionen die Intensivstationen zu 80 Prozent ausgelastet sind und ein Fünftel dieser Betten mit Corona-Patienten belegt sind. Es wird langsam eng. Ab dieser Stufe regt die Rega Patientenverlegungen in andere Grossregionen an. In der dritten Stufe sind die Intensivstationen schon zu 90% ausgelastet, wobei die Hälfte auf Corona-Patienten entfällt. Vereinzelt werden zusätzliche Betten in Betrieb genommen. Ab Stufe vier werden die Notfallkapazitäten weiter hochgefahren, und die Rega koordiniert auch das Management dieser Ad-hoc-Betten.
Hierzu muss man wissen, dass schweizweit rund 1000 Intensivbetten inklusive Personal, Beatmungsgeräten und Medikamenten bereitstehen. Bei Bedarf könnten aber 500 zusätzliche Betten mobilisiert werden. Diese wären qualitativ immer noch top, allerdings sind sie nicht zertifiziert, genügen also nicht den gleich hohen Standards.
Das Konzept sieht zwar den Einsatz dieser Ad-hoc-Betten vor. Ziel sei aber, zu verhindern, dass Spitäler auf nicht zertifizierte Betten zurückgreifen müssten, sagt Pargger: «Dank der nationalen Koordination sollte es möglich sein, dass die 1000 regulären Intensivbetten ausreichen.» Pargger betont, die Richtwerte im Stufenmodell seien derzeit noch unverbindlich. «Letztlich steht es jedem Spital frei, die Hilfe der Rega anzufordern oder nicht.»