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Cortina mit Umwegen | Juli 2015

Der Begriff Umweg hat erstaunlicherweise im Sprachgebrauch eine sehr negative Konnotation: Zur Arbeit – oder schlimmer in den Feierabend oder gar Urlaub – führt nicht der direkte, sondern ein längerer, unbequemerer Weg. Wenn das Ziel jedoch nicht so simpel und nah ist, wie die eigenen vier Wände im Bochumer Barock, können Umwege doch einen großen Reiz haben und das eigentliche Ziel vielleicht sogar in den Hintergrund rücken.

Auf meinem langen Weg nach Cortina gab es viele Gelegenheiten, die direkte Route zu verlassen und die Gegend zu erkunden. Vieles musste ich links oder rechts liegen lassen, ansonsten wäre die Tour in ein Jahresprojekt ausgeartet. Manche tolle Stopps ergaben sich vor und auch nach Cortina in insgesamt vier Ländern aber dennoch, die ich in den kommenden Wochen mit euch teilen werde.

Cortina mit Umwegen | Juli 2015

Überblick

Vom geliebten Ruhrgebiet ging es zunächst in die Tiefen des Bayerischen und Böhmerwaldes. Dort standen auf beiden Seiten der Grenze Zwischenstopps auf dem Programm.
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Nächste Station nach einigen anstrengenden Stunden im Auto: Die schöne Steiermark. Dort gab es mehr zu entdecken als erwartet.
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Sogar der Grazer Hausberg ist interessanter, als man anhand des Fotos glauben mag.
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Kurzer Besuch in der steirischen Landeshauptstadt.
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Der Höhepunkt der Reise: Das bei Lift-Freunden – zu Recht – vielbejubelte Cortina d'Ampezzo.
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Irgendwann hieß es auch dort Abschied nehmen. Wie gut, dass der Weg zum Brenner und Richtung Ruhrgebiet ein weiter ist.
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Hätte nicht gedacht, dass ich am Pässe-Kloppen Gefallen finden würde.
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Umwege können so schön sein: Mittenwald...
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...Ehrwald...
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...Biberwier....
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...Pertisau...
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...und zum Abschluss das tiefste Bayern.
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Cortina: Monte Cristallo | Juli 2015

Bisher waren es zwei kilometerreiche und mit Programm vollgestopfte Tourtage gewesen, zuzüglich Anreisetag Ruhrgebiet - Bayerischer Wald. Nun am vorläufigen Tour-Highlight angekommen, sollte es zur Abwechslung ein entspannter Urlaubstag werden: Am Vorabend früh im komfortablen Bett gewesen, Wecker erst um 8 Uhr, anschließend in Ruhe gefrühstückt - wenn auch die süße, italienische Variante - und dann in wenigen Minuten zur Liftkasse.

Das Wetter machte ein paar Mucken - kennt man ja - aber störte mich sonst eigentlich nicht weiter. Die Wolken wollten den Tag über nicht verziehen, es blieb aber trocken :) Leider hatte ich mich trotz aller guten Vorsätze doch vom Wettersorge-Syndrom anstecken lassen und fuhr also den Gondellift gleich als erstes an. Eigentlich hätte ich den Wagen den ganzen Tag stehen lassen und in einer großen Runde Cortina per Pedes erkunden wollen: Von der Unterkunft in wenigen Minuten zur Talstation Faloria, von dessen Bergstation entlang der Pian de ra Bigontina runter zur Rio Gere - Son Forca und rauf zum Forcella Staunies und retour; dann über Mietres zurück in den Ort, und ggf. noch die Bahnen auf die Tofana mitnehmen.
Tja: Hätt' der Hund nicht geschissen, hätt' er'n Hasen gefangen... So fuhr ich den Wagen nach dem folgenden Ausflug zurück zur Unterkunft und machte mich dann auf zur Faloria-Talstation.

Eine der wenigen KSBs meiner Tour, die Rio Gere - Son Forca, die mich mit ihren Skydancer-Sesseln zum Forcella Staunies-Lift brachte. Außer mir hatten sich bereits einige weitere Bergbegeisterte an der Talstation eingefunden.
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Die Leitneranlage in ihrer vollen Pracht. Wie bei vielen dieser im Forum begehrten Lifte, steckt auch hier viel Hype dahinter, angefüttert von einigen netten Hard Facts: Ersetzte 1968 einen Graffer-Korblift, dürfte die letzte Anlage mit diesen Gondelis gewesen sein, blaue Stützen, war - wem das wichtig ist - bei meinem Besuch dem Augenschein nach noch wenig modernisiert und so weiter... Außerdem bringt der Lift sämtliche Floskeln unter einen Hut: ur-Leitner, Italo-Trash, Oldtimer, steil-geiler Lift, stilecht, hat Pano... Und alles stimmt! Nicht umsonst wurde die Anlage in den letzten Betriebswochen von mehreren AFlern noch schnell gefahren und geknipst :)
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Gute 25 Minuten Liftglück - noch so eine Floskel - lagen vor mir.
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Nicht bequem, nicht wirklich vertrauenserweckend und sehr laut - ein Volltreffer für die, die sich dafür begeistern können.
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Eine Erschließung aus der Zeit, in der man solche Scharten erschloß, einfach weil man es konnte.
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War es diese Stütze, die für die im Juli ausgelaufene Gnadenfrist ausgebessert werden musste? Genau eine Woche nach meinem Besuch stand die Anlage dafür mehrere Tage still - Glück gehabt :o - und verlor dabei sicher einige originale Schrauben und damit natürlich ordentlich Bonuspunkte :roll:
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Schlicht, bunt, oll - so muss es wohl sein.
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Im Hintergrund das Faloria-Gebiet, in das es mich wenig später zog.
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Die Bergstation war (ist?) Ausgangspunkt für verschiedene Bergtouren. Wenn es wie hier auf beiden Seiten des Grats derart nach unten geht, ist das eher nichts für mich.
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Auch nicht der Versuch, das, was mal eine Treppe gewesen ist, hinabzusteigen, um unten nach vermuteten Resten eines Skilifts zu suchen. Auf die Bilder von unten bin ich jedenfalls gespannt, falls es tatsächlich mal jemand wagt :)
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Zeit für die Talfahrt. Ein toller Ort da oben, der jetzt um einiges einsamer ist.
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Brummend und unbequem fuhr ich dem weiteren Tagesprogramm entgegen.
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Na endlich bist in Cortina angekommen. Ist ja auch erst ein Jahr her...
Vielleicht wäre das auch mal was für uns im Winter? Bin ja nicht so der Sommer in die Berge fahrer.
Glückwunsch zu den Originalteilen, bist in meiner Gunst noch ein wenig gestiegen :D
 
Cortina: Faloria | Juli 2015

Nachdem ich den Wagen zur Unterkunft zurückgebracht und dann per Pedes in wenigen Minuten zur Talstation der Faloria-PB gelaufen war, ging es dort mit der alten Agudio-Bahn (Bj. 1977) hinauf. Selbstredend hat es hier bereits einen Vorgänger gegeben (C&T, 1939) - die Erschließungsgeschichte von Cortina ist inklusive zahlreicher Scans bei den Kollegen im Sommerschi ausführlich dokumentiert. Auf bergbahnen.org heißt es gar, dass die C&T-Bahn lediglich von Agudio revisioniert worden sei. Unabhängig davon, wie viele Schrauben womöglich noch original sind: Die PB hat was :)

Talstation der Faloria-Bahn: Zwischen Fahne und Balkon ist die Trasse zu erkennen.
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Hier gibt es noch die alten, klobigen Kabinen :)
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Die PB verläuft zunächst gemütlich zur Station Mandres. Dort wird umgestiegen (4-Kabinen-Betrieb); dann zieht die Bahn ordentlich hinauf zur Bergstation.
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Von der Bergstation hat man einen super Blick auf Cortina und die gegenüberliegende Tofana. Trotz der zahlreichen Wolken an diesem Tag hab ich mir dann doch nen kleinen Sonnenbrand zugezogen...
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In Bildmitte mit dem größeren Parkplatz befindet sich die ehem. Mittelstation der Mietres-ESL Staulin, zu der ich vom Faloria-Gebiet runterwanderte. Mit Einkehr, vielen Fotostops und einer kurzen Verirrung dauerte es knapp 5,5 Stunden, bis ich dort ankam. Eine willkommene und längst überfällige Abwechslung nach der vielen Autofahrerei der vergangenen Tage.
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Gleich hinter der Bergstation der Faloria-PB befindet sich die Talstation der ehemaligen zweiten Sektion: Faloria - Tondi. Laut den Kollegen von bergbahnen.org eine 2S von C&T, die demnach zunächst mit 4 versetzten Gondeln à 6 Personen und später in Gruppen betrieben wurde: klick für einige alte Fotos und weitere Daten.
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In Bildmitte oben steht die ehemalige Bergstation - mein nächstes Ziel. Der SL rechts, Tondi di Faloria, hatte einigen Fundamentresten in der Wiese nach zu urteilen wohl auch einen Vorgänger.
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Auf dem Weg dort hoch schweifte der Blick immer wieder auf den Monte Cristallo, an dem ich kurz vorher noch unterwegs gewesen war. Von hier sieht die Trasse in der Scharte links noch spektakulärer aus.
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Die beiden parallelen Nascivera-DSBs Girilada, von denen die eine (linke?) bereits lsap sein soll. Mit diesen DSBs oder der neueren 4-KSB Vitelli gelangt man zum höchsten Punkt im Gebiet.
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Nach schweißtreibendem Aufstieg an deren Bergstationen angelangt. Ich war fröhlich am knipsen, als sich die rechte Anlage plötzlich in Bewegung setzte und ich erschrocken einen guten Satz nach hinten machte. Der Grund: Revisionsarbeiten im unteren Streckenabschnitt, wie ich beim Abstieg später feststellte.
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Kurz vor dem Ausstieg gibt es eine nette Viererkombination. Hinter den Stützen der linken DSB verbirgt sich die Tofana sowie unten die Bergstation der Faloria-PB.
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Einige Meter unterhalb steht die Bergstation der ehem. 2S Faloria - Tondi. In den 1980ern soll es laut funiforum an der Anlage einen "Vorfall" gegeben haben. Weiß jemand hierzu näheres?
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Der google-Übersetzer eines Posts bei den italienischen Kollegen gibt zumindest den wagen Hinweis, dass ein Träger gebrochen und jemand ums Leben gekommen sein soll:
Ricordo bene quell'impianto, purtroppo e' stato smantellato per la rottura della portante durante una corsa di servizio, uccidendo il gestore del rifugio Tondi. (purtroppo non ricordo il riferimento bibliografico di Quota Neve)
Sono anche salito diverse volte su quella funivia, l'ultima nel marzo 1977.
Si trattava di una pulsee, riconvertita a va e vieni con due grappoli di cabine quadriposto, nelle stazioni era molto evedente la presenza della rotaia di girostazione. Mi ricordo le vibrazioni delle cabine e la assoluta mancanza di oscillazioni laterali al passaggio sull'unico sostegno, anche perche' avveniva molto vicino alla stazione a monte.
Se non ricordo male la rottura della portante (una fune di tipo ercole molto rigida) avvenne proprio alla fine della scarpa del sostegno.
Ciao
Enrico
In der Folge hat man die Anlage wohl in den 1980ern demontiert.

Die Aussicht dort oben ist einfach fantastisch!
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Vor der Stationseinfahrt muss es eine wuchtige Stütze gegeben haben: klick. Im Rifugio links kehrte ich dann ein und gönnte mir eine italienische Pasta-Spezialität :D
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Entlang der SB-Kette (Girilada/Vitelli, Pian de ra Bigontina, Rio Gere - Pian de ra Bigontina) stieg ich hinab Richtung Rio Gere, von wo aus die Forcella Staunies-Bahn zu erreichen ist und ich am Morgen geparkt hatte. Wäre die Wetterprognose besser gewesen, hätte ich den Tag ganz ohne Auto zugebracht. Hier zu sehen der Grund für das plötzliche Anfahren der einen Girilada-DSB. Leider dürfte auch die linke DSB nur mehr selten als Verstärker der weiter links verlaufenden 4-KSB Vitelli in Betrieb sein. Oben rechts zu sehen ist übrigens wieder die alte Bergstation der 2S.
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Irgendwann mündete der Abstieg endlich einen schön trassierten, gemütlichen Wanderweg ein. Bis dahin war ich größtenteils auf Pistenflächen unterwegs gewesen, die im Sommer bekanntlich wenig attraktiv zu begehen und anzusehen sind. Irgendwann erreichte ich den Parkplatz Rio Gere und begann die nächste Etappe: Die Erkundung des lsap-Gebiets Mietres/Staulin.
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Cortina: Mietres/Staulin | Juli 2015

Nach dem kleinen Rundgang durch das Faloria-Gebiet verbrachte ich die nächsten Stunden damit, die lsaps im Bereich Mietres/Staulin abzugrasen.

Zur Übersicht ein Zoom, den ich von der Faloria aus gemacht hatte: Nach dem leichten Abstieg aus dem Faloria-Gebiet entlang der SB-Kette (und zufällig über die alte Piste Faloria normale) kam ich von rechts (oberhalb des Wasserzeichens) parallel zur Straße (ist die SR48, die östlich aus Cortina hoch zur Talstation Rio Gere - Son Forca verlässt) ins lsap-Gebiet und suchte dort nach dem SL Malga Lareto (7).
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^Legende:
1: SL Guargnè (Graffer, 1996)
2: DSB Guargné - Col Tondo (Graffer, 1995)
3: Col Tondo - Mietres (Graffer, 1995)
= allesamt noch bestehende Anlagen im Gebiet Mietres; die DSBs auch mit Sommerbetrieb, leider nicht als ich dort war.

4: ESL Alverà-Staulin (SACIF, 1965)
5: ESL Staulin-Piera (SACIF, 1962)
6: SL (?) Gancio Grande (hier bin ich mir beim Namen nicht ganz sicher. Auf Funivie wird von Gancio Grande und einem kurzen Übungslift "Gancio Piccolo" daneben gesprochen. Edit: Der lange SL hieß wohl Pierosà und der kürzere Campetto Pierosà.)
7: SL Malga Lareto (Leitner, 1967) - wohl nicht in der Kurven-Variante (orange)
= alles lsap

Die beiden Sesselbahn-Ketten (2&3, 4&5) existierten wohl jeweils mit ESLs zeitgleich. Die Staulin-Kette (4&5) wurde dann irgendwann aufgegeben und die Mietres-Kette (2&3) durch die heutigen DSBs ersetzt. Der SL Malga Lareto (7) ist auch zwischendurch (Anfang der 1980er?) verschwunden.

Hier ein Pistenplan, auf dem alle Anlagen mit Ausnahme des ESL Alverà-Staulin (4) noch eingezeichnet sind: klick (eingekringelt ist der SL Malga Lareto(7)).


Auf dem Weg zum lsap #7. Hier muss ich mich auf einer alten Strassentrasse befunden haben.
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Anhand vom Google-Luftbild hatte ich eine grobe Ahnung, wo die ehem. Talstation des Malga Lareto-SL zu vermuten war. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit hätte ich fast gemeint, dass der Lift eine Kurve hatte. Dem war wohl aber nicht so.
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Von der Trafostation hatte ich mir Hinweise auf die ehem. Talstation erhofft - der Jackpot war dann jedoch der Verschlag links daneben :D Die Gondel der Faloria-PB gesellt sich ebenfalls ins Bild.
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Antriebsstation des SL Malga Lareto (7), (Leitner, 1967)
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Fraglicher Trassenverlauf: Hinauf in den Wald oder ab der Wiese nach rechts weg? Den Infos auf sommerschi.com zufolge wohl geradeaus durch den Wald.
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Gleich unterhalb der Talstation geht diese Schneise Richtung Cortina weg. Ich vermutete hier eine ehemalige Abfahrt, womöglich eine Verbindung zur ehem. ESL-Kette Staulin (4&5). Beflügelt vom jüngsten Fund schlug ich diese Richtung blindlings ein. Laut Übersichtsfoto wäre eine Anbindung von dort an die Mittelstation möglich gewesen. Ich wollte jedoch zunächst zur Bergstation des ESL Staulin-Piera (5). Irgendwo auf dem Weg dorthin verlor ich im Wald - knietief im Gras und Morast stehend - die Orientierung und endete irgendwo und vor allem bereits viel zu tief unten, wo ich nicht hin wollte. Mit dem Ende der Roaming-Gebühren oder einer größeren Mini-SB fürs Handy sollten sich solche Blindflüge dann bald endlich erledigt haben.
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Nach einer gefühlten Ewigkeit und einem erneuten Anstieg war ich dann auf der richtigen Fährte und die ehem. Bergstation kam in Sicht. Auf den Luftbildern ist sie noch gut zu erkennen und dank eines Winterberichts von starli wusste ich, dass es hier etwas zu sehen geben würde. Gleich hinter dem Gebäude verläuft eine Piste des Mietres-Gebiets, die Beschilderung ist zu erkennen.
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Ein Hoch auf die italienische Entsorge-Trägheit :D Die Sessel waren miteinander verkettet, dass man sich bloß keinen im Rucksack mitnehmen kann.
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Blick auf die ehem. Trasse und Piste von der Bergstation aus. Dort ging es dann für mich hinunter.
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Genau in Bildmitte am Waldrand die Bergstation der ersten und Talstation der zweiten Sektion. Oberhalb auf der Wiese das Bergstationsfundament des Gancio Grande-SL (6).
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Nochmal aus der Nähe. Das Z markiert eine alte Talstation :wink: Links oberhalb ist das Spanngewicht des SL Gancio Grande (6) zu sehen.
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Bergstation der ersten Sektion Alverà-Staulin (4). Leider verrammelt - aber trotzdem ein willkommener Fund.
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Die Suche nach der Talstation der ersten Sektion verschob ich auf später, wurde an der vermuteten Stelle dann aber nicht fündig - möglich, dass ich am falschen Ort suchte. Stattdessen lief ich die Trasse des Gaccio Grande (eigentlich Pierosà) SL (6) hinab. Vorne rechts zu sehen ein Fundament (Portalstützen) und unten das Talstationsgebäude. Laut funivie.org gab es zwei Generationen: Einen Graffer-SL, dessen Talstationsgebäude mit dem Turm noch zu sehen ist. Danach dann wohl einen Leitner-SL, der auf leicht versetzter Trasse geführt wurde. Außerdem hat es links daneben wohl auch noch ein oder zwei SL (Pierosá oder Gancio Piccolo?, Nascivera; hieß: Campetto Pierosà) gegeben.
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Talstation ehem. Graffer-SL, der wohl von einem Leitner ersetzt wurde.
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Blick ins Innere des Graffer-SL: Schräger, fixer Antrieb, von der Ausführung her also wahrscheinlich ein SL - oder ein ur-ESL mit Katapult-Einstieg :) Vom Leitner-Nachfolger fand ich nichts mehr, vermutlich stammen aber die Fundamente in der Wiese von ihm.

Ziemlich geschafft pausierte ich erstmal eine Weile. Für eine Fahrt auf die Tofana war es bereits ohnehin zu spät und so ließ ich den Tag in Cortina gemütlich ausklingen - stilecht erneut mit einer Pizza. An die Qualität der Pizza vom Vortag kam sie nicht ran, geschmeckt hats aber trotzdem :wink:

Edit: Korrekturen/Ergänzungen eingepflegt
 
Spannend, spannend!
Danke für den wirklich umfangreichen und sehr nett verfassten Reisebericht. Es ist immer wieder verblüffend, wie steil manche Hänge von der Vis-a-Vis-Seite anmuten, von wo aus man oft überhaupt nicht glauben kann, dass dort eine Schi-Abfahrt möglich sein soll. Gilt für die Forcella Staunies genau so wie für die ehemalige Abfahrt Sci 18 von der Faloria, bin schon beides gefahren, sind wirklich steil, aber von gegenüber sehen sie eigentlich unfahrbar (für Normalverbraucher) aus.
 
Mietres steht ja auch immer wieder in Gefahr, komplett stillgelegt zu werden. Weiß gar nicht, ob die 2. Sektion nicht sogar mal eine Zeitlang (oder aktuell) geschlossen ist? Jedenfalls schade um die dort fehlenden Lifte, die einen Wiederholungsbesuch des Gebiets sinnvoller erscheinen ließen.
 
Besten Dank für diese tolle Reportage aus einer meiner Lieblingsgegenden! Besonders die Erkundung des Gebiets Malga Lareto + Staulin + Mietres hat mich sehr angesprochen.
Nur eine kleine Anmerkung: "Gancio grande" und "gancio piccolo" waren lediglich Spitznamen. Der große SL hieß offiziell "Pierosà" und der kleine "Campetto Pierosà".
 
Kaliningrad schrieb:
Nur eine kleine Anmerkung: "Gancio grande" und "gancio piccolo" waren lediglich Spitznamen. Der große SL hieß offiziell "Pierosà" und der kleine "Campetto Pierosà".
Danke für den Hinweis. Hast du noch weitere Informationen zum Pierosà-Vorgänger von Graffer? Hier tät mich vorallem das Baujahr interessieren und warum man den Lift ersetzt hat (Kapazität?).

Im heute sonst so auf Anbindung erpichten Dolomiti Superski erstaunen mich die (zugegeben frühen) Stilllegungen im Mietres/Staulin-Gebiet. Mietres existiert jetzt nur noch als kleines Insel-Gebiet. Mit einem weiteren Lift wäre doch die Anbindung bis zum Rio Gere und damit ein Einstieg Richtung Staunies und Faloria möglich gewesen?
 
Zottel schrieb:
Hast du noch weitere Informationen zum Pierosà-Vorgänger von Graffer? Hier tät mich vorallem das Baujahr interessieren und warum man den Lift ersetzt hat (Kapazität?).

Der erste Pierosà-SL von Graffer stammt gefühlt aus dem Zeitraum 1951-1955. Untenstehende Karte ist von 1956:

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Keine Ahnung warum er so früh ersetzt wurde (der Leitner Nachfolger-SL ist von 1965, wenn ich mich nicht irre). Wahrscheinlich aber aus Kapazitätsgründen, wie Du vermutet hast. Solche verfrühte Erneuerungen von Liftanlagen waren keine seltene Erscheinung im Italien des Skibooms der 1960'er Jahre. So wurde z.B. auch der Graffer-Korblift in zwei Sektionen auf die Staunìes-Scharte 1968 nach nur 11 bzw. 12 Jahren ersetzt.

Zottel schrieb:
Mietres existiert jetzt nur noch als kleines Insel-Gebiet. Mit einem weiteren Lift wäre doch die Anbindung bis zum Rio Gere und damit ein Einstieg Richtung Staunies und Faloria möglich gewesen?

Ja, eine solche Anbindung wäre durchaus möglich gewesen. Warum sie nie verwirklicht wurde, sei aber mal dahingestellt. Kurioserweise kursieren ab und an Gerüchte über den Bau einer Seilbahn, die die Tofana-Geländekammer mit Rio Gere via Mietres verbinden soll. Persönlich hoffe ich, dass ein solches Vorhaben nie zu meinen Lebzeiten in Erfüllung gehen wird ...
 
Cortina: Belvedere/Pocol | Juli 2015

Nach zwei Nächten in Cortina zog es mich weiter. Schon bei der Abfahrt von der Unterkunft - mit Blick auf die Tofana - bereute ich es, dort nicht noch mehr Zeit eingeplant zu haben. Leider ließ sich kurzfristig nicht mehr umdisponieren, die nächste Unterkunft war bereits gebucht und hinten raus war ich zeitlich auch nicht flexibel. Also machte ich mich nach einem kleinen Frühstück mit viel zu süßem Kaffee aus einem Vollautomaten, dafür aber bei bestem Wetter, auf den Weg Richtung Gröden. Bis zum ersten Ziel, der ehemaligen Pendelbahn Cortina - Belvedere/Pocol waren es aber erst einaml nur wenige Autominuten.

Die Pendelbahn dürfte die erste Seilbahn Cortinas gewesen sein und wurde 1925/26 von Ceretti&Tanfani erstellt. Stillgelegt wurde sie irgendwann in den 1970ern oder '80ern. Erneut beziehe ich mich hierbei auf die umfangreiche Dokumentation auf Sommerschi sowie auf eine kurze Historie (it.) der Erschließungen in Cortina. Wie sollte es auch anders sein, gibt es im Funiforum eine eigene Gallerie mit historischen Aufnahmen der Pendelbahn sowie einem weiteren, moderneren SL im Umfeld. Soweit ich das nachvollziehen kann, gab es in diesem Topic des Funiforums auch eine längere Besprechung zur Pendelbahn.

Bei youtube gibt es von der Anlage sogar noch bewegte Bilder von 1929!

Irgendwie war ich so fixiert darauf, der Bergstation einen Besuch abzustatten, dass ich nach der Talstation zu suchen beinahe vergessen hätte. Schon dabei den Ort zu verlassen, drehte ich mich um und entdeckte sie sofort. Das Gebäude steht gleich neben der Kirche im Ort, wo ich am Abend zuvor noch vergnügt unterwegs gewesen war, ohne auf die Idee zu kommen, dort nach der Station zu suchen. Na wenigstens blieb mir jetzt noch Zeit für einen Schnappschuss, einen Parkplatz fand ich auf die Schnelle nicht mehr und fuhr dann gleich weiter zur Bergstation.
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Für viele sicher unspektakulär, für mich hatte die Auffahrt nach Pocol aber große optische wie fahrerische Reize. Das sollte auf dem weiteren Weg nach Gröden noch mehrfach übertroffen werden :)
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Die Bergstation ist nicht zu verfehlen, steht sie doch neben einem Sendemast und hat gleich nebenan irgendeine Party-Hütte. Außer mir war niemand dort. Das machte die Parkplatzsuche leicht.
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Die Holzkonstruktion - wie überhaupt die gesamte Architektur - versetzt einen doch gleich in ein anderes Jahrhundert :) Insgesamt scheint alles sehr gut erhalten zu sein. Ob man den Perron und das Drumherum mal instandgesetzt hat?
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Beim zweiten Hinsehen ist die Talstation neben der Kirche schnell ausgemacht :wink:
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Anderer Blickwinkel. Ob sich im Innern noch Reste der Technik befinden, war nicht festzustellen. Offenbar wird die ehemalige Schalterhalle im gemauerten hinteren Gebäudeteil als Möbellager benutzt.
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Dort drinnen gab es einst die Fahrkarten bei einem sicherlich Uniformierten am Schalter zu kaufen. Daneben stelle ich mir eine Wartehalle mit Holzbänken vor. Bei mancher Seilbahn aus ur-Zeiten gibts das heute noch (z.B. in Montserrat, Bleichert 1930).
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Irgendwann war es dann genug der Schwärmerei, schließlich galt es noch einige Pässe zu überqueren.
 
^ Tal- und Bergstation sind erstaunlich gut erhalten, in Anbetracht des langen Zeitraums der Schließung. Mir war auch gar nicht klar, dass man mit dem Auto zur Bergstation fahren kann. Sonst hätte ich mir das wohl schon mal notiert gehabt ;)
 
Kaliningrad schrieb:
Zottel schrieb:
Mietres existiert jetzt nur noch als kleines Insel-Gebiet. Mit einem weiteren Lift wäre doch die Anbindung bis zum Rio Gere und damit ein Einstieg Richtung Staunies und Faloria möglich gewesen?

Ja, eine solche Anbindung wäre durchaus möglich gewesen. Warum sie nie verwirklicht wurde, sei aber mal dahingestellt. Kurioserweise kursieren ab und an Gerüchte über den Bau einer Seilbahn, die die Tofana-Geländekammer mit Rio Gere via Mietres verbinden soll. Persönlich hoffe ich, dass ein solches Vorhaben nie zu meinen Lebzeiten in Erfüllung gehen wird ...

Schlechte Nachrichten aus Cortina (Mietres macht vorerst dicht?)

Quelle
 
Kaliningrad schrieb:
Kaliningrad schrieb:
Zottel schrieb:
Mietres existiert jetzt nur noch als kleines Insel-Gebiet. Mit einem weiteren Lift wäre doch die Anbindung bis zum Rio Gere und damit ein Einstieg Richtung Staunies und Faloria möglich gewesen?

Ja, eine solche Anbindung wäre durchaus möglich gewesen. Warum sie nie verwirklicht wurde, sei aber mal dahingestellt. Kurioserweise kursieren ab und an Gerüchte über den Bau einer Seilbahn, die die Tofana-Geländekammer mit Rio Gere via Mietres verbinden soll. Persönlich hoffe ich, dass ein solches Vorhaben nie zu meinen Lebzeiten in Erfüllung gehen wird ...

Schlechte Nachrichten aus Cortina (Mietres macht vorerst dicht?)

Quelle
Puh, der google-Translator spuckt schwer verständliche Interpretationen über das aus, was wohl in der genannten Quelle steht. Jedenfalls waren die beiden Mietres-DSBs demnach den gesamten Sommer über nicht in Betrieb (vormals wenige Wochen Betrieb in der Hauptsaison). Auch wird eine Anbindung Mietres - Rio Gere angesprochen – mit welchem Ergebnis habe ich allerdings nicht verstanden. In der Gebietsübersicht für 2016/17 sind die drei Lifte zumindest noch eingezeichnet.

(nebenbei gefragt: Was für eine Publikation ist die verlinkte Quelle eigentlich? Liest sich nach dem google-"Transkryptor" mehr wie ein Kommentar denn wie ein Bericht.)

Waren die beiden DSBs am Mietres eigentlich Occasionen oder hat Graffer 1995 noch neue DSBs gebaut?
 
Zottel schrieb:
Waren die beiden DSBs am Mietres eigentlich Occasionen oder hat Graffer 1995 noch neue DSBs gebaut?
Graffer hat bis zu seiner Involvenz vor ein paar Jahren neue SL und SB (2-4SB) gebaut. Und so viel älter schauen die da in Mietres auch nicht aus, also werden's wohl eher keine gebrauchten sein.
 
Kaliningrad schrieb:
Schlechte Nachrichten aus Cortina (Mietres macht vorerst dicht?)

Nun wurde es bestätigt :(

Mietres, gli impianti resteranno chiusi
Laconico Enrico Ghezze: «Non possiamo continuare a perdere 100 mila euro l’anno per ciascuna delle due seggiovie»

«Abbiamo provato ad evitare la serrata», rivela Ghezze, «ma è mancata anche un po' di collaborazione. Avevamo per anni chiesto alle varie scuole sci di tenere in considerazione gli impianti di Mietres e di portare su queste piste i loro clienti. Per i maestri evidentemente è più comodo sciare altrove e quindi non abbiamo mai avuto grossi numeri nei passaggi. Le seggiovie di Mietres, che partono da Guargnè, erano collegate con il centro da un servizio skibus gratuito, ma anche questo non è servito a portare tantissima gente. Poi le piste erano molto condizionate dal meteo essendo tutte al sole ed a bassa quota».


Quelle
 
^ Hm, schade, insbesondere, dass man es nicht geschafft hat, die Skischulen da rüber zu kriegen. Einfache Pisten, nix los - ideales Gelände für Skischulen, müsste man meinen. (Außer für zu kleine Kinder, die dann nicht alleine mit den DSBs fahren dürfen..)
 
Cortina mit Umwegen: Passo Giau | Juli 2015

In südlicher Richtung machte ich mich auf zum nächsten Ziel: Am Passo Giau - dem ersten von mehreren Pässen an diesem Tag - führt die Leitner-DSB Fedare-Forcella Nuvolau (Betriebsinfos) aus dem gefühlten Nichts am Pass in das rückwertig gelegene 5-Torri-Gebiet. Keine Ahnung, ob es 'die letzte mit roten Schrauben' oder sonst einer Besonderheit ist. Jedenfalls lag sie an einer der beiden möglichen Strecken und wurde dann unterwegs mitgenommen. Bis zur Passhöhe und auch im weiteren Verlauf hatte ich Glück, dass auf meinem Weg verkehrsmäßig so gut wie nichts los war. Denn schwach motorisiert, wie ich unterwegs war, hätten mich sonst sicher einige Drängler mit der Stoßstange-an-Stoßstange-Technik hochzuscheuchen versucht. So aber fuhr ich Pass-auf und Pass-ab ungestört mein geringes Bremsen- und Motor-schonendes Tempo und kam stressfrei an den jeweiligen Zielen an.

Heute hieß es Pässe-Kloppen. Den Anfang machte ich am Passo Giau.
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Mit viel Zeit und wenig PS ging es vom letzten Ziel in etwa 20 Minuten rauf zur Passhöhe - erst mit leichter Steigung, dann in Serpentinen.
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Eine der unzähligen Stellen, von denen aus man das geniale Dolomiten-Panorama genießen kann :) Ohne störenden Verkehr (zu dem ich aus Sicht der PS-Hengste auch gehört hätte) eine tolle Strecke.
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Wie es sich für einen italienischen Pass gehört, hat es hier oben - neben der noch bestehenden DSB - einige Skilifte gegeben, die man aber mittlerweile wohl vollständig abgetragen hat. Vermutlich waren es insgesamt drei Skilifte rund um die Passhöhe. Bei den Kollegen vom Funiforum finden sich einige Fotos. Auch ist dort dieses Übersichtsfoto verlinkt, das im Vordergrund den SL Passo (Giau) (2) zeigt, sowie den Kurven-SL La Lastia (4) an der DSB (1) und den den Lift La Gusel(l)a (3).

Aus der Vogelperspektive (google.maps) muss das Skigebiet in etwa so ausgesehen haben. Die Trassen werden nicht bis ins Detail korrekt sein - insbesondere beim Kurvenlift bin ich mir mit dem Verlauf unsicher:
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Auch hierfür kennt das Funiforum genaue Details (Lift 1 ist die DSB):
piri229 schrieb:
2: Sciovia: Del Passo
Costruttore: Leitner
Lunghezza: 1108 m
Portata: 623 p/h
Committente: centro turistico Colle S. Lucia
Anno di costruzione: 1971
Motore: Diesel

3: Sciovia: La Gusella
Costruttore: Leitner
Lunghezza: 453 m
Portata: 700 p/h
Committente: centro turistico Colle S. Lucia
Anno di costruzione: 1971
Motore: Diesel

4: Sciovia: La Lastia / IABALT
Costruttore: Leitner
Lunghezza: 887 m
Portata: 720 p/h
Committente: centro turistico Colle S. Lucia
Anno di costruzione: 1974
Neben den technischen Details gibt es dort auch einen Exkurs zur Geschichte des Skigebiets. Demnach sei es bereits Ende der 1970er - wenige Jahre nach der Erschließung; der Kurvenlift soll nur 2 Jahre gelaufen sein - zur Schließung gekommen. Als Gründe werden die Abgeschiedenheit und schlechte Anbindung des Gebiets genannt sowie die zunehmende Konkurrenz in der näheren Umgebung. Während die DSB ebenfalls für rund 20 Jahre bis in die 1990er eingemottet wurde, lief der Skilift Passo Giau (2) weiter und wurde dann erst 2002 oder 2003 stillgelegt und schließlich abgetragen. Die DSB wurde zwischenzeitlich an das 5-Torri-Gebiet angeschlossen und ist bis heute in Betrieb.

Von Cortina kommend stand etwa auf Passhöhe rechts als erstes Lift 3 La Gusela oder Gusella (Leitner, 1971), von dem zumindest noch die Hütten im Tal und vermutlich auch an der Bergstation stehen sowie die Fundamente vorhanden sind.
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Bis zur DSB geht es dann wieder einige Höhenmeter hinab. In Fahrtrichtung links der Straße gab es Lift 2, von dem auch noch die Hütten da sind. Im Vergleich zu älteren Bildern von starli hat man dort aber schon gewerkelt. Ohnehin hatte ich den Eindruck, dass gerade in den Dolo-Super-Ski-Gebieten die lsaps penibel beseitigt werden.
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Lift (2), Passo oder Passo Giau (Leitner, 1971): Die Hütten sind noch da, die Fundamente wohl nicht mehr.
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Seichte Trasse zurück Richtung Passhöhe. Für eine genauere Erkundung nahm ich mir vor Ort nicht die Zeit, sondern fuhr gleich zur DSB.
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Auch wenn auf dem Pass nichts los war, war der Parkplatz an der DSB bereits voll. Neben der geringen PS-Zahl hatte mein Gefährt den Vorteil, auch in kleine Parklücken zu passen. So quetschte ich es in die letzte freie Fläche und ging gleich zur Sesselbahn: Eine schöne Leitner-Anlage von 1973, die gleich an der Talstation drei Portalniederhalter und rote Rollen hat :wink: Da stören auch die blauen Sessel nicht weiter.
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Der Kurvenlift La Lastia (4) muss hier rechts irgendwo parallel verlaufen und dann nach seiner Kurve rechts abgeknickt sein.
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Steinige Angelegenheit - im Winter gibt es aber tatsächlich eine rote Piste, die im oberen Bereich aber recht modelliert ist.
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An der Bergstation wartet wieder eine Portalstütze mit massiven Fundamenten. Rechts könnte man im Rifugio Averau einkehren, wenn man wollte.
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Schöner Italo-Kitsch mit Marmolada im Hintergrund.
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Hinter der Leitner-Bahn schließt sich das 5-Torri-Gebiet an, das über Umwege und den Falzarego-Pass auch von einigen Kerngebieten der Sella-Ronda erreicht werden kann. Bis 2011 gab es hier noch einen ESL (Sacif, 1979), der mittlerweile leider von einer Standard-DSB ersetzt wurde.
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In der ehemaligen Bergstation lagern noch einige alte Sessel, mehr gab es nicht mehr zu sehen.
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Deutlich fotogener war dann doch wieder die Leitner-Anlage :wink:
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Wer genau hinsieht, erkennt links der Sitzfläche Fundamente des Kurven-SL La Lastia / IABALT (4), der die DSB mit den anderen Liften am Pass verbunden hat. Auf Funiforum gibt es natürlich auch ein Foto. An der orangenen Absperrung oben war die Talstation des SL Passo Giau (2).
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Nach einem kurzen Blick in die Talstation ging es wieder zum Auto und weiter im Programm. Bis zu meiner Unterkunft in Seefeld am Abend waren es schließlich noch einige Kilometer und Pässe :wink:
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Ok, also die Sessel sind noch die gleichen wir vor ein paar Jahren, nur hat man blaue Polster zusätzlich auf die roten Plastikflächen draufgetan.
 
Cortina mit Umwegen: Passo Fedaia | Juli 2015

Er gilt bei vielen Nostalgikern im Forum als eine der dollsten Kult-Anlagen in Mitteleuropa und sein Betrieb steht regelmäßig auf der Kippe: Also wurde es auch für mich Zeit, dem Graffer-Korblift Fedaja - Pian di Fiacconi (Bj. 1974) einen Besuch abzustatten.

Die Anfahrt zum Passo Fedaia führte mich - bergauf, bergab - sehr abwechslungsreich über teils schmale Straßen durch die Dolomiten. Hier befinde ich mich bereits beim Anstieg hinauf zur Passhöhe.
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Links geht es per Pendelbahn in drei Sektionen auf die Marmolada. Auf dieses - im Sommer sicher nicht unerschwingliche - Vergnügen verzichtete ich und fuhr weiter den Pass hinauf.
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Hier habe ich die Passhöhe auf rund 2.000 m sowie die DSB-Ruine schon hinter mir gelassen und es ergab sich der erste Blick auf den Korblift, der diese tolle Landschaft oberhalb des Stausees erschließt.
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Als Einstimmung auf den Lift-Oldtimer, der so gar nicht in das sonst so moderne Skiliftkarussel des Dolomiti Superski passt, erfolgt die Anfahrt zur Talstation über die gepflasterte Staumauer.
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Bei der Parkplatzsuche hatte ich erneut Glück, so dass ich mein Gefährt direkt gegenüber der Kasse abstellen konnte. Ansonsten war es rund um den Stausee recht voll - ist ja auch landschaftlich eine schöne Ecke dort. An der Liftkasse hingegen war gerade nichts los und ich nahm einen der nächsten Körbe.
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Hype oder Pflichtziel? Beides - der Korblift erschließt einen wirklich schönen Teil der Dolomiten. Das ewige hin und her was Betrieb oder Stilllegung betrifft, stilisiert die Planung einer Tour zugegeben künstlich zum Abenteuer.
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Hinten grüßt der Langkofel, den ich später noch aus nächster Nähe sehen würde.
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Die Bergstation ist nach rund 20 Minuten erreicht. Ich nahm mir hier ein wenig Zeit zum Herumlaufen und wäre gern noch länger geblieben - mein altes Zeitplan-Dilemma...
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Um die Erschließung dieses Kleingebiets ranken sich viele offene Fragen, die manch einer gern auch mal als Anlass zur Mystifizierung nimmt. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an Fundamenten abgebauter, ersetzter oder nie fertiggestellter Seilbahnen. Eine ausführliche Dokumentation haben die Archäologen im Sommerschi-Forum zusammengestellt.
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Demnach ist hier, unterhalb des Marmolada-Gletschers und oberhalb des Korblifts, die Bergstation einer der ESL-Generationen zu sehen. Darüber thront der Gletscher.
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Im Refugio kehrte ich wenig später ein und genehmigte mir in der Sonne zwischen verschwitzten Alpinisten, die offensichtlich ohne Seilbahn dorthin gelangt waren, eine ordentliche Portion Gulasch mit Polenta :D
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Oben verläuft die Marmolada-PB. Hatte ich mich in der vorangegangenen Wintersaison noch geärgert, nicht von dort (offiziell) zum Korblift abfahren zu können, bin ich heute heilfroh, dass das hiesige Kleingebiet wie eine unerreichbare Insel inmitten der Dolomiti-Kirmes exisitert. Wer hier skifahren oder im Sommer seine Polenta essen möchte, kann nicht einfach per KSB hinschaukeln, sondern muss eine doch aufwändige Anreise in Kauf nehmen - und sich das Vergnügen somit erarbeiten :wink:
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Der Zugang zur Talfahrt ist stilecht mit Graffer-Flatterband gesichert. Mit vollem Bauch hüpfte ich in einen der Körbe zur Talfahrt.
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In dieser Kulisse spielt der Lift all seine Vorzüge als Korblift in Sachen Panorama-Rundblick aus; bei der Talfahrt insbesondere mit Blick auf die Sellagruppe sowie auf den Fedaia-Stausee.
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Strommast, der stark an die Form einer Liftstütze erinnert. Mehr dazu im oben verlinkten Sommerschi-Beitrag.
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Im Tal wartet die schlichte Graffer-Spinnenstation. Kurz überlegte ich, mir zur Feier des Tages ein Eis an einer der vielen Touri-Buden zu kaufen. Ich ließ es schließlich sein, zu voll war es nur wenige Meter abseits des Korblifts. Stattdessen ging es in knapp zweistündiger Fahrt weiter zur letzten Liftfahrt des Tages.
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