Hmm, sehr interessantes Thema. Ich verfolge die Story schon seit Tagen, jetzt gebe ich auch meinen Senf dazu. Eigentlich bin ich wegen der Entscheidung auch etwas überrascht: gerade in einem Land wo wichtige Projekte wegen 3 Bäumen oder 2 Fröschen verhindert werden und wo ich fast schon eine Bedienungsanleitung braucht, wenn ich Abfall wegwerfen will (in welchen Korb soll ich dies und das werfen ???

) wird der erste Bär der nach 170 Jahren den deutschen Boden betritt zum Abschuss freigegeben

.
Ich mache jetzt mal einen Vergleich mit unserem Land: in Slowenien leben zwischen 400 (das behaupten die Umweltschützer) und 700 (Behauptung von Viehzüchtern) Bären. Die meisten finden sich zum Glück in den bewaldeten und sehr dünn besiedelten Regionen an der Grenze zu Kroatien und ausser das sie manchmal ein paar Schaafe reissen (für welche der Staat den Züchtern eine saftige Entschädigung zahlt), gibt es meistens keine grösseren Probleme. Ich glaube nach dem 2. WK gab es bei uns gerade 3 Todesfälle durch Bären. Das Problem sind die halbwüchsigen Männchen, die von dominanten Artsgenossen aus den Revieren vertrieben werden und sich eine neue Heimat suchen. Und das tun sie meistens ausserhalb des geeigneten 'Bären - Territoriums', weil dort ja jeder geeignete Wald soweiso schon seinen 'Herrscher' hat. Dann wandern sie durch das ganze Land, auch über dicht besiedelte und intensiv bewirtschftete Gebiete, überqueren Autobahnen, kommen bis nach Südkärnten oder ich östliche Friaul. Dabei kommen die unerfahrenen Tiere oft in Konflikt mit den Menschen, vor einigen Jahren wanderte so ein 'halbstarker' durch südliche Vororte von Ljubljana und als es einem Kindergarten zu nahe kam, wurde es von der Polizei erschossen. Auch damals hagelte es Proteste von Tierschützer(innen

), die das ganze Geschehen im Fernsehen mitverfolgen konnten, aber die Polizei hat es genau so argumentiert wie Marius:
Menschenschutz vor Naturschutz. (...) Das Trara will ich hören, wenn das Biest irgendjemandem etwas zu Leide tut.
Um die Zahl konstant zu halten, wird bei uns jedes Jahr eine festgelegte Zahl der Bären erschossen (ich glaube zwischen 50 und 70), meistens von reichen Italienern, die unseren Jagdverbänden - und dem Staat - für den Spass ein kleines Vermögen zahlen müssen. Aus diesem Geld werden u. a. auch die betroffenen Viehzüchter entschädigt. Jetzt wird es aber interessant: als vor 2 oder 3 Jahren die erlaubte Zahl der Abschüsse einmal etwas höher gesetzt wurde, hagelte es an Protesten: zuerst von den heimischen Umwelt/Tierschützern, dann bekamen sie Hilfe von WWF & co. und zuletzt kam sogar aus Brussel eine Verwarnung, etwa mit den Worten 'jetzt wo ihr knapp vor dem EU Beitritt seit, müsst ihr euch auf europäische Spielregen gewöhnen'. Ach, und für Deutschland gelten wohl andere Spielregeln

?!
Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende: die Abschussquote wurde wieder etwas gesenkt, und ein Plan ausgearbeitet, wonach einige der Tiere lebend gefangen und in andere Regionen Europas übersiedelt und dort (im Rahmen eines gesamteuropäischen Projektes) freigelassen werden sollten. Nun stellte sich bald heraus, das kaum ein 'entwickeltes und zivilisiertes und soo umweltbewusstes' europäisches Land unsere Bären haben will. Ich glaube zwei oder drei wurden im italienischen Trentino freigelassen und weitere fünf in den Pyrenäen, wo sie im Laufe von einem Jahr alle von französichen Wilderern bzw. Landwirten erschossen wurden

. Punkt. Im den letzten Monaten startete erneut ein Projekt, nach dem 15 slowenische Bären in den französichen Pyrenäen freigesetzt werden sollten. Als der erste Petz dort eintraf, blockierten etwa 500 Bauern die Strassen, um gegen die geplante Freilassung zu protestieren. Die anderen Tiere werden nun in 'Nacht - und - Nebel' Aktionen in die Berge transportiert und freigelassen. Kürzlich wurden dort Behälter gefunden, wo Mais, Honig und gebrochens Glas vermischt waren, eine sehr grausame Methode um die Tiere loszuwerden, aber aus der Sicht der Betroffenen irgendwie auch verständlich.
Fazit 1: gutes Beispiel, was passieren kann, wenn die Politik über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg entscheidet. Die Ministerin wollte offenbar in Brussel stolz erzählen wie erfolgreich das Bären - Übersiedelungsprojekt war, die paar Hundert Bauern dort interessieren eh keinen (das sind ja nur 0,0001% der Wählerstimmen

).
Fazit 2: solange man nicht direkt betroffen ist, ist es sehr leicht Tierschützer zu sein. Westeuropa ist ganz empört wenn Bauer in Kenia Elefanten (die gerade ihre bescheidene Ernte niedertrampeln) erschiessen oder Farmer in Namibien die soo süssen Geparde (die gerade ihre Schafe reissen) abknallen. Und auch Slowenien sollte nicht zu viele der niedlichen braunen Tierchen erschiessen ... am besten gar keinen. Aber ein Bär in Bayern (oder eben in den Pyrenäen): neein, auf keinen Fall, sofort abknallen
Nachtrag: fairerweise muss ich zugeben, das ich für den 'Abschussbefehl' in Bayern mehr Verständniss habe als für die französiche Hysterie: die bayerischen Alpen sind wirklich sehr dicht besiedelt und intensiv bewirtschaftet, was man von den Pyrenäen nicht gerade behaupten kann

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