NeusserGletscher schrieb:
Ich finde solche Vergleiche immer wieder amüsant. Zeigen sie doch einerseits, mit welch doppelten Maßstäben oft argumentiert wird. Beim pösen Auto werden jede Menge fiktive Kosten eingerechnet. Die Zielrichtung ist dabei klar, das Auto muss möglichst schlecht abschneiden. (...)
Du verwechselst fixe Kosten mit negativen externen Kosten.
Hierzu ein Beispiel.
Du fährst 100 km mit den Auto. Dies kostet dich den Betrag x. Wenn du jetzt mit dem Auto einen Kilometer
ZUSÄTZLICH fährst, dann bezeichnet man diejenigen Kosten, die nun
ZUSÄTZLICH anfallen, als Grenzkosten. Derjenige Kostenblock, der konstant bleibt wie z.B. die KFZ-Steuer, heißt Fixkosten.
Du postulierst, dass der Autofahrer nur die Grenzkosten berücksichtigen möge. Selbst wenn man das macht, stellt man fest, dass die Benzinkosten nur etwa die Hälfte des Grenzkostenanteils ausmachen, denn es gibt weitere Grenzkosten wie z.B. Wertverlust, Abnutzung der Reifen, höherer Inspektionsbedarf usw. Ich will jetzt nicht auf die wirtschaftswissenschaftliche Fachdiskussion eingehen, dass die Öffentliche Hand bei Allmendegütern wie dem Schienennetz die Grenzkosten anzusetzen hat, da das hier themaverfehlt wäre. Aber der Unterschied zwischen fixen Kosten und negativen externen Kosten ist so fundamental, dass ich hier trotzdem auf die negativen externen Kosten eingehe, denn das schlägt auf die Klimaerwärmung unmittelbar durch, womit es dann wieder zum Thema gehört.
Es geht jetzt also nicht um die Fixkosten, wie du es darstellst, sondern um die negativen externen Kosten, was etwas völlig anderes ist.
Wenn ein Autofahrer bezüglich des gesamten Lebenszyklus nur die Grenzkosten rechnet, dann ist das lediglich eine persönliche Fehlkalkulation und hat zunächst einmal keine volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Ganz anders sieht es bei der Nichtberücksichtigung von negativen externen Kosten aus, die zu ganz massiven volkswirtschaftlichen Fehlallokationen führen. Das ist wirtschaftswissenschaftlich so fundamental, dass ich kurz darauf eingehen werde.
Das Standardbeispiel, das üblicherweise die wirtschaftswissenschaftlichen Studenten in den Übungen bearbeiten müssen, ist folgendes:
Flussaufwärts sitzt eine Chemiefabrik, die ihre Abwässer, also Giftstoffe usw., ungeklärt in den Fluss leitet. Aufgrund dieses Giftes sterben flussabwärts die Fische. Dadurch verlieren die Fischer ihre Existenz. Den Schaden, der durch die getöteten Fische entsteht, nennt man negative externe Kosten, die durch die Chemiefabrik verursacht worden sind.
Analog zum Straßenverkehr vertrittst du nun offenbar die Meinung, dass die Chemiefabrik das Recht hat, sich entfalten zu können und die Fischer sich um ihre getöteten Fische selbst kümmern müssen. Es gibt also weder einen Schadensersatz noch haben die Fischer das Recht, die Chemiefabrik zum Bau einer Giftfilteranlage, die die Abwässer reinigt, verpflichten zu können. Deiner Meinung nach soll also der Straßenverkehr die negativen externen Kosten nicht bezahlen müssen. OK, ich lasse dir deine Meinung, will aber darauf hinweisen, dass es beim Straßenverkehr keinesfalls mit den negativen externen Kosten im Bereich der Umweltverschmutzung und Energieverschwendung getan ist, weswegen ich noch ganz kurz ein zweites Beispiel anführen werde.
Im Straßenverkehr werden in Deutschland jedes Jahr ca. 300000 Personen verletzt; das entspricht immerhin der Einwohnerzahl einer Großstadt wie z.B. Augsburg.
In den meisten Fällen werden die Kosten für die medizinische Versorgung der Verletzten von den Krankenkassen bezahlt, sodass die Allgemeinheit über die Krankenkassenbeiträge den Straßenverkehr dadurch quersubventioniert, indem sie dem Straßenverkehr die negativen externen Kosten auch in diesem Bereich nicht in Rechnung stellt. Hinzu kommen dann ggf. auch noch Ausfälle im Arbeitsbereich durch Lohnfortzahlung usw.
Wäre ich Gesetzgeber, dann würde ich den Benzinpreis drastisch erhöhen und u.a. die Kosten für die medizinische Versorgung der Straßenverkehrsverletzten aus der Mineralölsteuer den Krankenkassen erstatten. Leider flüstert hinter den Kulissen die Autolobby den Bundestagsabgeordneten immer wieder ein, wie sie abzustimmen haben. Bei richtiger Abstimmung winken dann lukative Nebenjobs in Aufsichtsräten usw.
Den ganzen korrupten Sumpf in der Politik kennt man ja.