Also ein vorweg: Ich hab am Samstag die Sendung nicht gesehen. Trotzdem möchte ich meine Meinung zum Wettbewerb und vor allem der Berichterstattung danach kundtun.
Ich kann kein Verständnis für einige Kommentare, die in Richtung der Bild-Berichterstattung gehen, aufbringen.
Natürlich kann man nicht abstreiten, dass gewisse Länder bevorzugt gewissen anderen Ländern Punkte geben und die Qualität des Musikbeitrags nicht an erster Stelle steht. Aber das ist doch auf Grund von historischen, kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten absolut verständlich und war schon immer so. Übrigens gibt's dazu sogar eine wissenschaftliche Untersuchung, die das darstellt.
Quelle: "Das Konstrukt Europa", Vorlesung an der Universität Passau, Sommersemester 2006, Prof. Dr. Ernst Struck
Großbritannien stimmt für Irland (und komischerweise Griechenland), Belgien für Frankreich, Deutschland für die Türkei, genauso wie Tschechien wohl für die Slowakei stimmt, die ehemaligen Teile Jugoslawienw füreinander und Russland für Weißrussland. Das ist einfach eine Tatsache.
Genauso ändert das nichts an der Tatsache, dass ein Titel immernoch nur dann gewinnen kann, wenn er Punkte aus ganz Europa bekommt (siehe die Bildblog-Tabelle). Auch das war schon immer so. Damit kommen wir automatisch zur Frage, warum in den letzten Jahren Deutschland so schlecht abgeschnitten hat.
Den eigenen Kanidaten in einer Kampagne zwei Wochen in den Himmel zu loben und zum Topfavoriten zu erklären um dann am Tag nach dem Debakel zu fragen, ob uns denn keiner mehr lieb hat bringt hier nichts. Man muss halt ganz einfach feststellen, dass man mit irgenwelchen Schlager- oder Countrynummern heute bei diesem Wettbewerb keinen Blumentopf gewinnen kann. Klar, über Musikgeschmack lässt sich streiten, aber keiner kann einen Trend zu Mainstreammusik (also Pop und Rock) und andererseits zur Show leugnen. Lordi aus dem letzten Jahr sind das beste Beispiel: Gigantische Show und die haben's richtig krachen lassen.
Wenn man mal überlegt, welche deutsche Beiträge denn in den letzten Jahren vorne dabei waren gibt's doch nur zwei: Raab-Schützling Raab (Mainstreampop) und der Raab selbst (Humor & Show). Vielleicht wäre Monrose auch weiter vorne gelandet, man weiß es nicht. Man muss halt auch immer Glück haben und den Zeitgeist treffen.
Übrigens waren seit 1990 genau vier Veranstaltungen im "Osten", nämlich in Zagreb, Talinn, Riga und Kiew (zugegeben, drei davon nach 2000). Davon, dass nur noch osteuropäische Beiträge gewinnen können kann also keine Rede sein.
Klar kann man überlegen, den Wettbewerb attraktiver zu gestalten, die oben angeführten Tatsachen lassen sich dadurch aber nicht ändern. Also besteht die einzige Chance für uns Deutsche, den Wettbewerb mal wieder zu gewinnen darin, talentierte und zeitgemäße Künstler, die ein gesamteuropäisches Publikum ansprechen, hinzuschicken.
Und ganz ehrlich: Macht den Reiz der Veranstaltung statt (oder neben) dem Gewinnenwollen nicht vielmehr das Sehen der musikalischen Vielfalt Europas aus? Oder wann kann man bei uns schon mal weißrussische oder maltesische Gruppen im Fernsehen sehen?