Im Gegensatz zu einigen anderen hier im Forum bin ich in den letzten paar Tagen nun vorsichtig optimistisch geworden, nach langer Zeit hört man sowohl von der Politik als auch aus den Medinekommentaren wieder halbwegs vernünftige Töne. Als ob die Wirkung der 'wir - schaffen - dass' Droge oder was immer einige da Ende August / Anfang September geraucht haben, langsam nachlassen würde.
Zuerst vielen Dank an schneesucher für den Link zum Artikel in der NZZ mit der doch erfrischend kritischen Analyse der deutschen Medienlandschaft. Es wird schon stimmen dass man manche Sachen aus einer gewissen Entfernung besser sieht, z. B.:
Sprachregelungen sind etabliert, Meinungskontrollen im Netz mit nachfolgender Denunziation beim Arbeitgeber werden empfohlen, Zensurforderungen sind gesellschaftsfähig.
Aber nun geht es Schlag auf Schlag: auf einmal hat man bemerkt, dass die EU auch sowas wie Aussengrenzen hat die es zu kontrollieren gibt

, z. B.
Schäuble: "Grenzen um Deutschland helfen nun wirklich nichts". Auf einmal hat man bemerkt dass nicht etwa Ungarn oder die Slowakei die Problemstaaten der EU sind, sondern Italien und Griechenland, da 'da EU-Randstaaten wie Griechenland oder Italien Hunderttausende Flüchtlinge nicht registrieren' (Zitat aus dem selben Artikel). Man scheint wohl bemerkt zu haben, dass die Grenzen der EU auf Lesbos und Lampedusa zu verteidigen sind und nicht in Heiligenkreuz oder Walserberg. Auf einmal ist es erlaubt zu fordern 'dass möglichst viele Menschen „vor Ort in der Region“ bleiben könnten' (Quelle:
http://orf.at/stories/2302576/2302577/). Und bis vor kurzem unvorstellbares soll passieren: die Erzfeinde Griechenland und Türkei planen sogar gemeinsame Patrouillen: 'Gemeinsame Patrouillen der türkischen und der griechischen Küstenwache sollen dem Bericht zufolge gegen Schleuser vorgehen und alle Flüchtlinge in die Türkei zurückführen.' (Quelle:
http://kurier.at/politik/ausland/fluechtlinge-tuerkei-soll-grenzen-zur-eu-besser-sichern/156.568.172). Hätte jemand dass vor einem Monat vorgeschlagen, wäre er wohl zum Unmensch erklärt worden. Flüchtlinge in die Türkei zurückschicken? Vor einem Monat noch unvorstellbar, die werden ja nur in Deutschland (und tlw. noch Schweden) menschenwürdige Bedingungen vorfinden, in Flüchtlingslagern in Griechenland oder gar der Türkei würden sie ja 'verrecken' (was immer das auch bedeuten mag ...).
Wie es aussieht, sitzt nun Erdogan am längeren Hebel, aber im Gegenzug zu ein paar Konzessionen (z. B. Visumsfreiheit für türkische Staatsbürger + ein paar Milliarden für Flüchtlingslager + ein Auge zudrücken wenn es um Kurdenfrage oder Medienfreiheit geht) wird er die Migration schon eindämmen können, wenn er es will. Und hier kommt endlich meine Antwort an A330:
Wenn du der Meinung bist (ich weiß die eigentliche Aussage kam nicht von dir), dass die lieber sterben sollen (bald ja erfrieren) statt, dass Du deinen Freizeitsport nicht machen kannst, dann frag ich mich, ob du mal drüber nachgedacht hast was Du hier gerade versuchst zu argumentieren. Ich jedenfalls verzichte lieber aufs Skifahren als Menschen verrecken zu lassen bzw leiden zu lassen. Klar sind das Einschränkungen, klar nervt mich das, wenn es aber um Menschenleben geht, sorry, da würde ich auch auf Teile meines Gehaltes verzichten (Flüchtlingsabgabe eventuell?) oder auf meine Freizeitbeschäftigung.
Ich habe wirklich nicht damit angefangen, aber wenn du schon meine ehrliche Antwort hören möchtest: ja, ich bin bereit auf etwas Geld zu verzichten, wenn damit in Griechenland, oder besser in der Türkei, oder noch besser in Zukunft in einer 'Safe Zone' innerhalb Syriens Flüchtlingslager unter EU - Verwaltung aufgebaut werden wo die Menschen lebenswürdige Bedingungen vorfinden. Ich bin auch der Meinung dass man vor allem Grichenland bei der Kontrolle der EU - Aussengrenze unterstützen sollte - man kann ja nicht das kleine und verarmte Land in dieser Situation alleine lassen - und da lobe ich sehr die Haltung Österreichs, das sofort 100 (oder 120?) Experten nach Griechenland absenden will. Wenn andere EU - Staaten im selben Ausmass helfen würden (gemessen an der Einwohnerzahl), wäre die Grenze ganz schnell sicher. Z. B., falls die grichische Exekutive überfordert ist, könnte Ungarn ein paar hundert Polizisten hinschicken

. Keinesfalls bin ich aber bereit, noch dafür Geld auszugeben, damit die Migranten kreuz und quer durch halb Europa rennen, dass ich ihretwegen in meiner Reisefreiheit eingeschränkt bin (Grenzkontrollen, z. T. gesperrte Strassen und Eisenbahnen), und nein, auch auf meine Freizeitbeschäftigung will ich nicht verzichten (btw., meine Freizeitbeschäftigung ist für jemand anderen Lebensunterhalt!). Wenn ich deshalb Unmensch bin, steinigt mich. Oder zensuriert meine Aussage, wie es ja in letzter Zeit Mode geworden ist. Aber die meisten Leute die ich kenne sind weder auf Einschränkungen im Alltag noch auf eine Abgabe bereit ...
Noch ein Link zu einem IMO sehr guten Gespräch in der Sonntagsausgabe des Kurier, ich hatte vergangenen Sonntag im Flieger viel zeit um ihn auswendig zu lesen:
Islam-Kritiker: "Lehre im Schatten des Schwertes". Dort u. A. (als Antwort nach einem Lösungsansatz):
Die Flüchtlingslager in der Türkei, in Jordanien, vor Ort unterstützen und ausbauen. Das kostet viel weniger, ganze Städte hätte man bauen können, als in Europa jetzt die Flüchtlingskrise kostet.
BTW, der Autor ist gebürtiger Ägypter und heisst Hamed Abdel-Samad ...